In seinen Werkshallen heizt Fischer mit Gas. Das Foto zeigt eine Fertigungszeile im Fischer Werkzeug- und Formenbau. Foto: fischer Werkzeug und Formenbau

Die Gasversorgung beschäftigt auch viele Unternehmen. Wir haben mit der Unternehmensgruppe Fischer in Waldachtal-Tumlingen darüber gesprochen, welche Rolle Gas für die eigene Produktion spielt.

Waldachtal-Tumlingen - Eigentlich sollte russisches Erdgas wieder ab der nächsten Woche nach der Wartung durch die Pipeline North Stream 1 fließen. Nicht nur Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) befürchtet, das kein Gas mehr fließt. Auch in unserer Region machen sich Firmen Gedanken.

 

Eines der großen Unternehmen in der Region ist Fischer. Die Firma hat weltweit 5400 Mitarbeiterinnen. In Tumlingen und Horb sind es zusammen 1700. Fischer hat schon Krisenszenarien durchgespielt, die auch schlimmste Szenarien berücksichtigen, so Unternehmenssprecher Wolfgang Pott.

Wie abhängig ist Ihr Unternehmen an den Standorten Waldachtal und Horb vom Erdgas?

Prozessseitig ist unser Unternehmen unabhängig vom Gas in der Produktion. Sollte es jedoch zu einem Gas-Lieferstopp kommen, würde es wahrscheinlich zu Problemen beim Bezug unserer Chemie- und Kunststoff-Rohstoffe kommen. Denn dann ist mit einer Priorisierung auf die Pharma-, Lebensmittel- und Düngeproduktion zu rechnen. Ebenso wird für die Stahlherstellung Gas benötigt. Hier können wir dann im Fall eines Gas-Stopps unsere Lagerbestände abbauen, würden dann aber wahrscheinlich Probleme mit dem Nachschub bekommen.

Greifen Sie auf Öl zurück?

Für den Betrieb unserer Heizungsanlagen haben wir zusätzliche Mengen an Öl bezogen, um diese betreiben zu können.

Was tut Fischer langfristig, um die Energieversorgung der Produktion zu sichern?

Wir haben langfristige Lieferverträge mit Energieversorgungsunternehmen. Durch unsere geplanten Installationen von großen Photovoltaikanlagen auf unserem Firmengrundstück und auf dem Dach unserer neuen, modernen Teilelagerhalle reduzieren wir langfristig den externen Energiebezug und somit Abhängigkeiten.

In öffentlichen Gebäuden wird die Heizung runtergedreht. Auch eine Option für Fischer?

Wir bei Fischer haben schon immer mit Bedacht geheizt. Dabei steht die Mischung aus Ressourcenschonung und einer angenehmen Temperatur im Vordergrund. Die Beheizung unseres Werkes in Tumlingen erfolgt durch Gas/Heizölkessel sowie durch ein Blockheizkraftwerk. Vor allem aber nutzen wir auch die Abwärme aus unserem Produktionsbereich zur Beheizung und tragen damit zu einer sinnvollen Verwertung dieser Wärme bei. Damit sind wir außerdem nicht nur von einem Energieträger abhängig. Es gibt Notstromaggregate für diverse Anlagen, diese würden aber nicht ausreichen, um die Produktion zu versorgen.

Bereitet sich Fischer auf einen Notbetrieb vor? Was würde das bedeuten?

Wir bereiten uns grundsätzlich immer auf verschiedene Szenarien vor, um gut vorbereitet zu sein. Gegebenenfalls müssten wir dann auf Kurzarbeit zurückgreifen. Das Horrorszenario wäre, Mitarbeiter entlassen zu müssen. Wir hoffen aber, dass das nie der Fall sein wird.