Auf ihrer ordentlichen Hauptversammlung der Aktionäre stellte sich der Vorstand der hGears AG drängenden Fragen der Aktionärsvertreter.
Die Hauptversammlung der hGears AG am Mittwoch am Hauptsitz im Brambach war die erste seit dem Börsengang im Mai 2021, die nicht zuletzt auf Wunsch der Aktionäre diesmal in Präsenz und nicht virtuell stattfand. Rund 30 Aktionäre und 30 Gäste kamen dazu am Mittwochvormittag zu der perfekt organisierten Veranstaltung zusammen.
Nach den Formalien und dem Bericht des Aufsichtsratsvorsitzenden Professor Volker Stauch stellte der Vorstandsvorsitzende Sven Arend hGears mit seinen drei Standorten in Deutschland, Italien und China als Spezialisten für Zerspanungs- und Sintermetalltechnik vor, der Ende 2024 insgesamt 644 Mitarbeiter in Vollzeit beschäftigte. Denen dankte Arend „für ihre Treue zum Unternehmen und Leistungsbereitschaft in schwierigen Zeiten“.
Habe es in 2024 noch einen Umsatz von 95,2 Millionen Euro und ein bereinigtes EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 0,5 Millionen Euro gegeben, erwarte er 2025 einen Umsatz von 80 bis 90 Millionen Euro und ein bereinigtes EBITDA von minus 4 bis minus 1 Millionen Euro: „Die Geschäftslage ist anhaltend volatil“.
Krise der Autoindustrie
Konkret nannte er als Gründe die Krise in der Automobilindustrie und die Unsicherheiten im globalen Handel durch die US-Zölle. An diese Entwicklung habe sich das Unternehmen durch eine Kapazitätsanpassung, Kostensenkung, Kurzarbeit und auch Stellenabbau an den Standorten angepasst. Da aber der Lagerabbau bei E-Bikes und E-Tools abgeschlossen scheine und die Nachfrage nach Premiumfahrzeugen stabil sei, habe er aber keine Zweifel an einer mittelfristigen Erholung des Geschäfts.
Kritische Fragen in Generaldebatte
In der Generaldebatte stellten einige Aktionärsvertreter kritische und teils provokante Fragen. So wollte Torsten Stefan von der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger zum Personalabbau wissen, ob denn genug Flexibilität erhalten bleibe, wenn die Lager bei den Kunden abgebaut sind und „der Markt zurückkommt“. Auch fragte er, wie bei Vollauslastung Umsatz und Ertrag aussehen würden. Finanzvorstand Daniel Basok nannte für diesen Fall 140 bis 160 Millionen Umsatz und eine EBITDA-Marge von 14 bis 16 Prozent.
Bitte, die „Finanzlage ungeschönt zu schildern“
Harald Klein von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fragte unter anderem nach der Anschlussfinanzierung der laufenden Kredite in 2026, nach „der Diversifizierung, dem Neugeschäft“ und wie der aktuelle Auftragsbestand aussehe. Und er bat Finanzvorstand Basok, die „Finanzlage ungeschönt zu schildern“. „Die Produkte sind klasse, die Gesellschaft ist klasse, ich hoffe, dass hGears aus der Krise gestärkt herausgeht“, schloss er.
Der Vorstand von hGears ließ sich nicht aus der Reserve locken und beantwortete die Fragen souverän. So lägen zum Beispiel für die Anschlussfinanzierung Angebote vor, die sich im Rahmen der gegenwärtigen Marktkonditionen bewegten.
Ein Lob kam von Lars Ahns von Rubicon Investments, der privat und mit dem Fonds einen wesentlichen Teil des Aktienkapitals vertritt. Er äußerte sich positiv über die Art und Weise, wie das Management die Krise bewältige.
Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat
In der nachfolgenden Abstimmung wurden der Vorstand mit 99,99 Prozent und der Aufsichtsrat mit 97,76 Prozent des stimmberechtigten Kapitals entlastet.
Es galt auch noch einen neues Aufsichtsratsmitglied zu wählen, denn der Vorsitzende Stauch wollte aus dem Gremium ausscheiden. Er sei „weder krank, noch beleidigt“, aber jetzt brauche hGears jemanden, „der auch ganz tief im Bereich Finanzen drinsteckt“. Er bleibe dem Unternehmen aber weiter verbunden. Zum Nachfolger bestellten die Aktionäre Marco Freiherr von Maltzan. Mit seinem Hintergrund als Diplomingenieur für Fertigungstechnik, seiner langjährigen Führungserfahrung und seiner Tätigkeit in Aufsichts- und Beiräten übernimmt er den Vorsitz des Aufsichtsrats von Professor Stauch.
Nach dem Ende der Hauptversammlung lud der Vorstand die Aktionäre noch zu einer Betriebsbesichtigung ein. Ein Angebot, das von vielen gerne angenommen wurde.