Die Gewerkschaft sieht die Politik und die Unternehmen stärker in der Pflicht, Arbeitsplätze zu sichern. Nur durch gezielte Maßnahmen lasse sich die Stabilität der Region bewahren.
Nach dem Abschluss des Sozialplans für die rund 230 Beschäftigten des Ceratizit-Standorts Empfingen meldet sich die IG Metall Freudenstadt erneut zu Wort – und findet deutliche Worte. In einer aktuellen Erklärung stellt die Gewerkschaft klar, dass der geplante Stellenabbau im Kreis Freudenstadt Teil einer größeren Entwicklung sei, die Arbeitsplätze, regionale Stabilität und Zukunftsperspektiven gefährde.
Unter dem Motto „Zukunft braucht Menschen – Menschen brauchen Zukunft“ unterstützt der Ortsvorstand die landesweite Kampagne der IG Metall Baden-Württemberg. Sie soll auf die Folgen massiver Stellenstreichungen aufmerksam machen und Betriebe wie Politik stärker in die Verantwortung nehmen.
„Arbeitgeberstrategie der Verantwortungslosigkeit“
Besonders scharf geht die IG Metall Freudenstadt erneut mit Ceratizit ins Gericht. Die Erste Bevollmächtigte Dorothee Diehm spricht von einer „Arbeitgeberstrategie der Verantwortungslosigkeit gegenüber den Beschäftigten“. Die Schließung des Werks und damit die Vernichtung von 230 Arbeitsplätzen stehe exemplarisch für ein Vorgehen, das weit über das Unternehmen selbst hinausreiche.
Wenn ein Standort wie Empfingen aufgegeben werde, treffe das die gesamte Region, so Diehm. Nicht nur die Arbeitsplätze in den Werkshallen gingen verloren, auch Handwerksbetriebe, Dienstleister und der lokale Einzelhandel litten unter dem Wegfall der Kaufkraft. „Einmal verlorene Arbeitsplätze kommen nicht zurück, sie sind unwiederbringlich verloren.“
Die Gewerkschaft beschreibt eine wachsende Verunsicherung in der Bevölkerung. Angst und Zukunftssorgen seien längst nicht mehr auf die Belegschaft beschränkt. Für die IG Metall ist klar: „Die Betriebe tragen Verantwortung – für ihre Beschäftigten und für die Region.“ Man stelle sich „entschieden gegen ein rücksichtsloses Vorgehen der Arbeitgeber“ und kämpfe gemeinsam mit den Beschäftigten für sichere Perspektiven und Mitbestimmung.
Diehm: Manche Arbeitgeber kämpfen um Arbeitsplätze
Diehm verweist zugleich auf positive Beispiele aus dem regionalen Maschinenbau. Dort gebe es Arbeitgeber, die „bis zur absoluten Schmerzgrenze um den Erhalt von Arbeitsplätzen kämpfen“. Mit Kurzarbeit, tariflicher Beschäftigungssicherung und dem Verzicht auf Entgeltleistungen seien Arbeitsplätze erhalten worden – ein Kontrast zum Vorgehen Ceratizits.
Zum Abschluss richtet die Gewerkschaft den Blick auf die Politik. Diehm fordert Rahmenbedingungen, die Industrie und Beschäftigung stärken: öffentliche Investitionen in Qualifizierung, bezahlbare Energie und eine Industriepolitik, die Standort- und Beschäftigungssicherung in den Mittelpunkt stellt. „Die Transformation darf keine ‘Abrissbirne’ auf dem Rücken der Beschäftigten werden – sie muss sozial, ökologisch und gerecht gestaltet werden.“