Der Insolvenzverwalter der Tailfinger Textilfirma „Biggi M Mode“ nennt die Gründe für das Aus des Unternehmens: steigende Einkaufspreise, geringere Einnahmen und wachsende Konkurrenz.
Den Antrag auf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Hechingen hatte das Tailfinger Textilunternehmen „Biggi M Mode“ am 10. Oktober im Vorjahr gestellt. Nun ist klar: Für die Albstädter Firma gibt es keine Zukunft; der Betrieb wurde zu Jahresbeginn eingestellt. Das teilt Rechtsanwalt Matthäus Rösch, der zum Insolvenzverwalter von „Biggi M Mode“ bestellt wurde, unserer Redaktion mit.
Den elf Mitarbeitern sei bereits gekündigt worden. Diese hatten von Oktober bis zum Jahresende Insolvenzgeld bezogen, das von der Agentur für Arbeit gezahlt wird. Ab dem jüngst begonnenen Jahr hätten die Löhne wieder aus eigener Kraft erwirtschaftet werden müssen.
„Das wäre nicht möglich gewesen“, betont Rösch, dessen Kanzlei in Ravensburg beheimatet ist.
Textilbranche unter Druck
Im Oktober bestand noch die Hoffnung, mit einer Frühjahrskollektion das Ruder nochmal rumreißen zu können. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. Rösch begründet: „Eine Frühjahrskollektion hätte frühestens im Frühjahr ausgeliefert werden können.“ Sprich: Man hätte die Kollektion vorfinanzieren müssen. „Angesichts der Liquiditätssituation wäre das Risiko hierfür zu groß gewesen“, betont der Rechtsanwalt weiter.
Grundsätzlich, so Rösch, stünden derzeit zahlreiche Betriebe in der Textilbranche unter finanziellem Druck. Niedrige Margen dominieren die Branche. Im Fall „Biggi M Mode“ speziell trage die Teuerung in der Türkei – dort wird ein Teil der Ware produziert – zur Misere bei. Die hohe Inflation dort hätte die Einkaufspreise in die Höhe getrieben.
Dazu seien teilweise Kunden des Tailfinger Textilunternehmens selbst in die Insolvenz gerutscht. Bedeutet: Geringere Einnahmen auf der einen Seite, höhere Ausgaben auf der anderen Seite. Auch der Online-Handel trug seinen Teil dazu bei, dass der Familienbetrieb der finanziellen Lage Tribut zollen musste.
Die Abwicklung des Unternehmens, das immerhin auf eine 25-jährige Historie blicken kann, wird laut Matthäus Rösch noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Er spricht von rund zwei Jahren.
Insolvenzverfahren eröffnet
Das Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Hechingen wurde wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung offiziell am 1. Januar eröffnet. Vertreten wird das Unternehmen von den Geschäftsführern Brigitte Merz und Manuel Pascal Merz.
In der Bekanntmachung des Amtsgerichts Hechingen heißt es unter anderem, dass Insolvenzgläubiger ihre Forderungen bis Ende Februar schriftlich anmelden können.
Dazu werden noch vorhandene Textilien sowie Betriebs- und Geschäftsausstattung – sofern möglich – verwertet. Mögliche Forderungen werden zudem eingezogen. „Die übliche Prozedur in einem Insolvenzverfahren“, erläutert Rösch weiter.
Mit „Biggi M Mode“ verliert Albstadt ein weiteres Unternehmen. Die Firma ist vor allem durch das Label „seeyou“ bekannt und belieferte den Fachhandel vorwiegend mit Damenmode in großen Größen.