Das Unternehmen „Kern & Sohn“ mit Sitz in Balingen zieht sich vom geplanten Bauprojekt in Bisingen zurück. Das ist der Grund.
400 neue Arbeitsplätze wollte die Balinger Firma „Kern & Sohn“ in Bisingen einrichten. Im Mittelpunkt stand ein imposanter Neubau auf einer Erweiterungsfläche des Gewerbegebiets Nord. Das Unternehmen machte die Pläne im Sommer 2023 publik und sprach damals nicht umsonst vom „nächsten Schritt in der Unternehmensgeschichte“.
Nun teilt die Firma mit: „Die Kern & Sohn GmbH hat sich entschieden, das geplante Bauprojekt in Bisingen nicht weiterzuverfolgen.“ Gründe hierfür seien die derzeitige wirtschaftliche Gesamtlage sowie der jüngste Erwerb eines Industriegrundstücks unmittelbar am Firmensitz in Balingen. Die neue Fläche bietet dem Familienunternehmen die Möglichkeit, seine Produktions-, Logistik- und Büroflächen direkt am Hauptstandort zu erweitern.
Der Rückzug des Balinger Herstellers von Waagen, Mikroskopen und Messgeräten kommt überraschend. Noch im März dieses Jahres hatte der Bisinger Gemeinderat Planungsleistungen für die Erschließung der Erweiterungsfläche an ein externes Ingenieurbüro vergeben.
Keine Pflicht, die Fläche zu bebauen
Allerdings gab es schon zu diesem Zeitpunkt keine Bauverpflichtung für „Kern & Sohn“. Geschäftsführer Albert Sauter erklärt auf Anfrage der Redaktion: „Das Gelände war uns in Aussicht gestellt, wir konnten es noch nicht erwerben“ – und dem entsprechend bestand auch keine Pflicht, die Fläche zu bebauen. Wie er erklärt, befanden sich einzelne Ackerflächen noch in privatem Besitz von Privatpersonen.
Planungssicherheit verschafft dem Unternehmen derweil der Kauf des Areals der Faiss-Textil GmbH, das sich direkt am Hauptstandort in Frommern befindet. Dazu schreibt das Unternehmen: „Der Erwerb des angrenzenden Grundstücks in Balingen schafft ideale Voraussetzungen, um unser Wachstum unmittelbar am bestehenden Standort fortzuführen.“ Zuvor hatte das Unternehmen geprüft, welche Standortstrategie für das Unternehmen langfristig am sinnvollsten ist.
„Eine rein strategische Entscheidung“
Wie Sauter erklärt, sei in „freundschaftlicher Abstimmung“ mit der Gemeinde besprochen worden, den Neubau am Standort Bisingen nicht zu realisieren. Das Unternehmen betont in einer Pressemitteilung die „hervorragende Zusammenarbeit und die durchweg konstruktive Unterstützung“ durch Gemeinde und Gemeinderat. Sauter betont: „Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, denn die Rahmenbedingungen in Bisingen waren äußerst positiv. Unser Rückzug ist eine rein strategische Entscheidung, die auf den neuen räumlichen Entwicklungsmöglichkeiten in Balingen basiert.“
Die wirtschaftliche Lage lässt indes auch das Unternehmen „Kern & Sohn“ nicht kalt. Vom Aufbau von 400 neuen Arbeitsplätzen – wie sie noch 2023 im Gespräch waren – ist deshalb nicht mehr die Rede. Sauter: „Liebend gerne würde ich das tun.“ Wie die meisten anderen Unternehmen sieht sich demnach auch „Kern & Sohn“ mit den derzeit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konfrontiert. Sauter nennt in diesem Zusammenhang unter anderem das Stichwort „Bürokratie“.
Dennoch bleibt das Unternehmen dem Hauptstandort treu: Es wird „sich nun vollständig auf die Weiterentwicklung und bauliche Erweiterung des Hauptsitzes in Balingen konzentrieren“, heißt es in einer Presseerklärung ausblickend.
Präzision seit 180 Jahren
5000 Produkte
Die „Kern Sohn GmbH“ mit Sitz in Balingen steht seit über 180 Jahren für Präzision und Zuverlässigkeit in der Mess- und Wägetechnik. 1844 entwickelte Firmengründer Gottlieb Kern die präzisesten Waagen seiner Zeit – ein Anspruch, der bis heute die kontinuierliche Weiterentwicklung des Familienbetriebs vorantreibt. Inzwischen umfasst das Sortiment mehr als 5000 Produkte, darunter Waagen, Prüfgewichte, Mikroskope und Messgeräte für den professionellen Einsatz in Labor, Medizin, Industrie und Handel. Ergänzt wird das Angebot durch Softwarelösungen sowie Kalibrier- und Prüfservices.
Plan
Ursprünglich vorgesehen war, dass die Bauarbeiten für den Neubau von Kern Sohn in Bisingen im Jahr 2027 im ersten Bauabschnitt abgeschlossen sein sollten. Ein weiterer Ausbau war bis 2032 und 2037 geplant, hieß es damals.