Sina Frehner litt an Endometriose. Sie erzählt von dem langen Weg bis zur Diagnose. Foto: Simone Neß

Es ist ein Thema, über das Frauen in der Gesellschaft eigentlich nur ungern sprechen: Menstruationsschmerzen. Auch Sina Frehner aus Villingen-Schwenningen litt lange unter starken Schmerzen – bis die Unterleibskrankheit Endometriose diagnostiziert wurde. Unserer Redaktion erzählt sie von ihrem Leidensweg.

Sina Frehner hatte so starke Schmerzen während ihrer Periode, dass sie den Tag ohne Schmerzmittel nicht überstand. Lange hat die 36-jährige Frau die Schmerzen hingenommen, von ihrer Frauenärztin wurde sie einfach wieder heimgeschickt. Heute weiß sie, dass die gynäkologische Erkrankung Endometriose der Grund für die starken Beschwerden gewesen ist.

 

Was ist Endometriose? Endometriose ist eine Unterleibskrankheit, bei der Frauen während ihrer Menstruation unter starken Krämpfen leiden, ausgelöst durch gebärmutterartiges Gewebe, dass in benachbarten Organen wuchert.

Wie aus dem Bericht zur gesundheitlichen Lage von Frauen des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2020 hervorgeht, kann die Anzahl an Betroffenen nur geschätzt werden. Demnach seien in Deutschland rund zehn bis 15 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter an Endometriose erkrankt. Jährlich würden schätzungsweise rund 40 000 neue Erkrankte hinzukommen. Um die Diagnose stellen zu können, ist eine Bauchspiegelung notwendig.

Laut der Endometriose-Vereinigung Deutschland vergehen im Schnitt vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung siebeneinhalb Jahre. Auch bei Sina Frehner wird die Krankheit erst nach Jahren diagnostiziert.

Eigene Recherche im Internet

Weg zur Diagnose Bis zur Diagnose Endometriose verging für Sina Frehner viel Zeit. Vor etwa vier Jahren merkte die 36-Jährige, dass ihre Periodenschmerzen deutlich stärker als bisher waren. Die junge Frau konnte durch die Schmerzen nicht mehr richtig laufen, hatte Probleme mit dem Kreislauf und wollte das Haus eigentlich gar nicht mehr verlassen. An Sport oder kleine Spazierrunden mit ihrem Hund war gar nicht mehr zu denken.

Die Schmerzen waren so stark, dass ihr davon schlecht wurde und sie den Tag nur mit Schmerztabletten überstand. Auch emotional hatte sie mit den Beschwerden stark zu kämpfen, weinte viel und fragte sich, warum die Schmerzen ausgerechnet bei ihr so stark sind. Der Gang zu ihrer Frauenärztin war für die 36-Jährige aber zunächst ernüchternd. Denn die Ärztin schickte die junge Frau ohne Befund wieder nach Hause.

Daraufhin begann die 36-Jährige im Internet zu recherchieren – und stieß auf die Unterleibskrankheit Endometriose. Mit ihrer Vermutung ging sie zu einer anderen Frauenärztin, die ihren Verdacht in Betracht zog und sie an das Schwarzwald-Baar-Klinikum überwies. Dort bestätigten die Ärzte mit einer Bauchspiegelung den Verdacht – und waren von dem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit so schockiert, dass sie Sina Frehner das Endometriosezentrum an der Uniklinikum Freiburg empfahlen. Die Krankheit war bereits so weit fortgeschritten, dass Teile ihrer Blase, des Darms und der Gebärmutter von Endometriose-Herden befallen waren.

Eingriff mit Risiko verbunden

Operation Bei einer zweiten Bauchspiegelung in Freiburg sollte das Gewebe schließlich entfernt werden. Ein Eingriff, der mit einem großen Risiko verbunden ist – denn da auch die Blase der 36-Jährigen bereits von wucherndem Gewebe befallen war, bestand das Risiko, dass ein Blasenkatheter notwendig sein könnte, wenn bei dem Eingriff etwas schief geht. „Da hatte ich schon ein bisschen Angst“, gibt die 36-Jährige zu.

Der Eingriff verlief zum Glück gut – ein Stück von der Blase und dem Darm musste dennoch entfernt werden.

36-Jährige gewinnt Lebensqualität zurück

Appell Von den Frauenärzten wünscht sich die 36-Jährige, dass sie vor allem junge Mädchen ernst nehmen, wenn sie mit starken Schmerzen bei ihrem Arzt aufkreuzen und nicht einfach heimgeschickt werden. Ihr selbst hat über die Zeit ihrer Erkrankung vor allem der Austausch mit anderen Frauen geholfen – und sie hat festgestellt, dass deutlich mehr Frauen in ihrem Umfeld an Endometriose erkrankt sind, als sie ursprünglich dachte.

Durch die Operation hat Sina Frehner deutlich mehr Lebensqualität zurückgewonnen. Nicht nur ihrem neuen Hobby – dem Pole Dance – kann die 36-Jährige ohne Beschwerden nachgehen – auch ihr Leben ist inzwischen deutlich schmerzbefreiter.