Leute: Altbürgermeister Siegfried Baumann feiert 80. Geburtstag / Viele wichtige Projekte angepackt
Heute feiert Altbürgermeister Siegfried Baumann seinen 80. Geburtstag. Kein Bürgermeister hat die Gemeinde Unterkirnach so geprägt, wie Siegfried Baumann. Als er 1968 zum Bürgermeister gewählt wurde, gab es in Unterkirnach herzlich wenig an Infrastruktur, auch von dem heutigen familienfreundlichen Ferienort konnte man damals noch nicht sprechen.
Unterkirnach. 1938 wurde Baumann in Niedereschach geboren, wo er aufwuchs und 1952 eine Ausbildung bei der Post absolvierte. Nach der Ausbildung ging Baumann zum Bahnpostamt Konstanz, das seien fahrende Postämter gewesen, erinnert er sich. Dass er nicht bei der Post bleiben würde, sei ihm damals schon bewusst gewesen, fährt er fort.
Von Konstanz wechselte er zum Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis und begann mit der Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst. Er war schon Leiter vom Rechnungsprüfungsamt, da er aber weiter Erfahrung sammeln wollte, wechselte er nach Deißlingen in das Rathaus, wo er das Hauptamt und das Rechnungsamt leitete. "Im Hinterkopf hatte ich immer das Ziel, Bürgermeister zu werden, deshalb versuchte ich, soviel wie möglich Erfahrung zu sammeln", betont er.
Als der Bürgermeister von Unterkirnach, Edmund Weißer, in den Ruhestand eintrat, bewarb sich Baumann als Nachfolger und wurde, bei vier Bewerbern, auf Anhieb mit 87 Prozent zum Bürgermeister gewählt: "Da war ich 29 Jahre alt", so Baumann. Auf die Frage, wieso er mit so großer Mehrheit auf Anhieb gewählt wurde, antwortet der Jubilar, dass die Unterkirnacher einen Verwaltungsfachmann gesucht hatten und das sei er gewesen.
Familie wohnt unter dem Dach des alten Rathauses
Unter dem Dach des alten Rathauses wohnten damals die Ordensschwestern, die Unterkirnach aus Altersgründen verließen, so zog Baumann mit seiner Familie in die Wohnung unter dem Dach ein. "Wir haben dort einige Jahre gewohnt, was für mich sehr bequem war, da ich oft abends sozusagen in Hausschuhen nochmal in das Büro gehen konnte", erinnert er sich.
Mit Baumann wurde das unscheinbare Dorf zum beliebten Ferienort. Die Roggenbachschule habe es schon gegeben, aber der Sommerberg sei noch nicht bebaut gewesen und es waren keine Bauplätze vorhanden, erzählt Baumann.
Er setzte sich gar nicht erst richtig an seinen Schreibtisch, sondern ging schon an seinem zweiten Arbeitstag zum Wurstbauern, um mit ihm Verhandlungen zu führen. "Man einigte sich und der Wurstbauer war bereit, den Wurstbauernhof zu verkaufen", berichtet Baumann. Er sei dann mit ihm tagelang unterwegs gewesen, um einen anderen Hof zu finden, da der Wurstbauer wieder auf einem Hof leben wollte.
In Rietheim wurden sie fündig, und Baumann kaufte den Wurstbauernhof für 800 000 Mark. Das Gelände des Wurstbauernhofs zog sich vom Friedhof durch das Tal, wo heute der Talsee liegt, bis zum Wurstbauernwald, dem heutigen Sommerberg II. Auf die Frage, ob die Gemeinde 800 000 Mark zur Verfügung hatte, antwortet Baumann, eigentlich nicht, aber er habe schon Vorverträge abgeschlossen und Grundstücke verkauft gehabt. Die Quadratmeterpreise hielten sich damals im Rahmen: "Am Südhang kostete der Quadratmeter sieben Mark, in der Talfläche drei Mark und am Nordhang ( wo beispielsweise die Streuobstwiese liegt) 30 Pfennig." Dann ging es Schlag auf Schlag in Unterkirnach. Um die Wasserversorgung zu gewährleisten wurde oberhalb vom Marbental kurzfristig ein Hochbehälter gebaut, da schon mit der Bebauung der Grundstücke begonnen wurde. Die Stromversorgung in Unterkirnach sei nicht zuverlässig gewesen, also habe er sich in die Materie ein Jahr lang eingearbeitet und sei zu dem Ergebnis gekommen, die Gemeinde sollte für die Stromversorgung in Eigenregie sorgen, so Baumann. Es wurden Trafostationen und zur Stabilisierung der Stromversorgung ein Stausee mit Turbinen gebaut. "Mitte 1970 haben wir tüchtig in Unterkirnach investiert", so Baumann. In dieser Zeit hatte sich auch die Frage gestellt, ob die Gemeinde selbstständig bleibe oder nicht, fährt er fort. Unterkirnach blieb es, es wurde ein Blockheizkraftwerk, ein Hallenbad, die Schlossberghalle und die Sporthalle gebaut. "Wir waren die erste Gemeinde mit einer biologischen Kläranlage und einem Schilfbecken, das für die Vererdung des Klärschlamms sorgte." Das sei ein Versuch, der sich bewährt habe, gewesen und es habe hohe Zuschüsse gegeben, unterstreicht er.
Gastwirt von Verkauf der Mühle überzeugt
Dann war es Zeit, die Stromversorgung in den Außenbereichen zu verstärken, wodurch auch jeder Landwirt für die Milchsammlung, die auf Zentralerfassung umgestellt wurde, bereit war. Das nächste Versuchsprojekt war die Verkabelung der Gemeinde. Das Ministerium habe das Regierungspräsidium beauftragt, eine Stadt und eine kleine Gemeinde zu suchen, die voll verkabelt würde, so Baumann. Natürlich bemühte er sich um das Pilotprojekt und so war Unterkirnach die erste voll verkabelte Gemeinde in Deutschland. Klar, dass in Unterkirnach Satellitenschüsseln verboten wurden.
Das nächste Projekt war der Bau des Mühlenplatzes mit Bau des Mühlentreffs und der original Schwarzwaldmühle. In Todtmoos wurde von einem Gastwirt, der erweitern wollte, seine Mühle abgebaut und Baumann konnte ihn überzeugen, ihm die Mühle zu verkaufen. Die Mühle wurde originalgetreu in Unterkirnach aufgebaut, an dem neu angelegten Mühlenplatz, und ist bis heute eine Attraktion für Feriengäste und Besucher aus der Region. Viel Ärger hatte Baumann, bis die Umgehungsstraße in Richtung Vöhrenbach gebaut wurde, für das Baugebiet Marbental gab es sogar einen Bürgerentscheid.
Der Schlossberg mit Vogelpark und Freilichtbühne wurde angelegt. Bevor Baumann in den Ruhestand eintrat, baute er noch die Spielscheune. Nicht vergessen werden darf der Bau des weit und breit ersten Kunstrasen-Sportplatzes sowie des Sportlertreffs. Maria Tann war vor Jahren der vorübergehende Wohnort für bis zu 600 Aussiedler aus Russland. Hier musste Baumann nicht nur die Schule erweitern, sondern auch den Kindergarten, den er kurz nach Amtsantritt gebaut hatte.
Viermal wurde Baumann wiedergewählt, jedesmal mit einer riesigen Wahlbeteiligung. Zum Schluss betont Baumann, der Vater von drei erwachsenen Kindern ist, dass er seiner Frau, die kürzlich nach schwerer Krankheit verstorben ist, sehr viel verdankt. "Sie hat es nicht leicht gehabt, da ich pausenlos arbeitete, hat mich aber immer bis zum Eintritt in den Ruhestand unterstützt."