Jede Menge Briefwahlumschläge müssen die Wahlhelfer beim Bürgerentscheid zum Ackerloch in Unterkirnach zunächst prüfen und dann die Stimmen auszählen. Foto: Schimkat

58,95 Prozent stimmen gegen die Bebauung. Wahlbeteiligung liegt bei 49 Prozent. Mit Kommentar

Im Ackerloch entstehen keine Mini-Häuser zur touristischen Nutzung. Beim Bürgerentscheid am Sonntag stimmten 58,95 Prozent der Bürger gegen die Bebauung im Ackerloch. Die Wahlbeteiligung lag bei 49 Prozent.

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Unterkirnach - 41,05 Prozent der Unterkirnacher hätten sich eine Bebauung des Ackerlochs vorstellen können und antworteten auf die Fragestellung "Sind Sie dagegen, dass für das Gewann ›Ackerloch‹ ein Bebauungsplan für eine touristische Nutzung aufgestellt wird?" mit nein.

Anteil der Briefwähler hoch

Um das bei Bürgerentscheiden notwendige Quorum von 20 Prozent aller Wahlberechtigten zu erreichen, wären 409 Stimmen nötig gewesen. 596 Unterkirnacher haben mit Ja gestimmt, sich also gegen die Bebauung ausgesprochen. Für die Mini-Häuser votierten 415 Wähler. Durch das Erreichen des Quorums und die Mehrheit der Ja-Stimmen (gegen die Bebauung) ist ein bindender Bürgerentscheid zustande gekommen.

Vor allem durch die Corona-Pandemie war der Anteil der Briefwähler hoch: 661 Unterkirnacher gaben ihre Stimme im Voraus per Brief ab, 351 bevorzugten die Urnenwahl.

Bürgermeister gratuliert Interessengemeinschaft

"Es ist ein bindender Bürgerentscheid zustande gekommen, ich gratuliere der Interessengemeinschaft für den Erhalt des Ackerlochs als landwirtschaftliche Fläche für dieses eindeutige Ergebnis", so Bürgermeister Andreas Braun, der am Sonntagabend nach einer spannenden Zählung der Ja- und Nein-Stimmen das Ergebnis bekannt gab. Ab 18 Uhr war die Spannung greifbar, bis zum Auszählungsschluss kurz nach 19 Uhr war sich keiner – sowohl vom Wahlausschuss als auch den anwesenden Bürgern – sicher, wie das Ergebnis ausfallen würde.

Angefangen hatte alles mit der Petition der Bürger, die sich gegen das geplante Projekt der Geschwister Andrea und Sabrina Lassak, im Ackerloch "Mini-Houses" zu bauen, gestellt hatten. Dazu hätte ein Bereich im Ackerloch von einer landwirtschaftlichen in eine touristische Fläche umgewandelt werden müssen. Auf die Petition folgte das Bürgerbegehren der Interessengemeinschaft für den Erhalt des Ackerlochs sowie Stellungnahmen in Broschüren und Flyern.

Auf Facebook ging man sich manchmal in unfeiner Art an den Kragen. Am Sonntagabend war allen Bürgern und auch den Gemeinderäten anzusehen, dass sie froh waren, alles hinter sich zu haben, auch wenn natürlich die Freude bei den Vertrauensleuten der Interessengemeinschaft größer war.

"Die Bürger haben gewonnen"

Ingeborg Wimmer, die unter den Zuschauern saß, sagte während des Auszählens der Stimmen: "Egal wie es ausgeht, die Bürger haben gewonnen, da sie sich aktiv eingebracht haben."

Bürgermeister Andreas Braun fasste sich kurz und erklärte: "Die Bürger haben entschieden. Das ist Demokratie, das werde ich akzeptieren."

Berthold Frisch, Vertrauensmann der Interessengemeinschaft (IG), meinte: "Die Mehrheit hat dargelegt, dass sie das Ackerloch behalten möchte so wie es jetzt ist." Als sehr negativ habe er einige Posts auf Facebook empfunden. Umso mehr freue es ihn, dass sich die Mehrheit der Bürger davon nicht überzeugen ließ.

Armin Simmerer, ebenfalls von der Interessengemeinschaft zum Erhalt des Ackerlochs, dankte den Bürgern, die sich für die IG eingesetzt hatten und mit ihren persönlichen Gesprächen von Haus zu Haus Überzeugungsarbeit für das Erholungsgebiet Ackerloch geleistet hatten.

Patrick Seng, Gemeinderat und Befürworter der Umwandlung der Ackerlochfläche mit anschließender Bebauung von "Mini-Houses", betonte, dass er enttäuscht sei. Er habe das von den Lassak-Geschwistern geplante Projekt als zukunftsweisend für Unterkirnach gesehen. Der Bürgerentscheid mit einer sehr guten Wahlbeteiligung habe ergeben, dass die Mehrheit der Bürger für den Erhalt des Ackerlochs sei – ein Resultat, das er akzeptiere.

Kommentar zum Bürgerentscheid

Von Marcel Dorer

Unterkirnach hat gewählt – und die vom Gemeinderat und Bürgermeister Andreas Braun gewünschten Mini-Häuser im Ackerloch verhindert. Die Initiative, die den Bürgerentscheid ins Rollen gebracht hat, war erfolgreich. Es ist gut, dass mit 49 Prozent eine ganz ordentliche Wahlbeteiligung zustande kam und somit das sogenannte Quorum erreicht wurde, damit der Bürgerentscheid auch wirksam wird. Neben dem Wahlergebnis ebenfalls eine wichtige Erkenntnis: Bei einer Befragung der Universität Heidelberg, die den Bürgerentscheid wissenschaftlich begleitet hat, urteilte die überwiegende Mehrheit, dass die Kontroverse über die entscheidende Frage in einer sachlichen und fairen Weise ausgetragen wurde. Dadurch können Befürworter und Gegner des Projekts wieder zusammenfinden, um gemeinsam an der Weiterentwicklung der Gemeinde zu arbeiten.

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