Das letzte Konzert bei den Schallbacher Musiktagen gestaltete das vielseitige Duo Susanne Hagen und Andreas Wäldele. Foto: Jürgen Scharf

Mit einem improvisierten „Schallbacher Walzer“ endeten die Schallbacher Kulturtage. Das Duo Susanne Hagen und Andreas Wäldele trat auf.

Das Publikum in der Peter und Paul-Kirche konnte sich am Samstagabend auf „Mr. Chamäleon“ verlassen. Der wandelbare Andreas Wäldele nahm das Publikum mit auf einen vielfältigen „Roadtrip“ durch verschiedene Musikgenres, Traditionals, Gospel, Songs und Weltmusik. Mit dabei die Sängerin und Pianistin Susanne Hagen, die mit erstklassigem Gesang erfreute und in Jazzstandards wie dem John Coltrane-Hit „My One and Only Love“ auf den Spuren von Ella Fitzgerald wandelte. Schön auch ihre Interpretation des Lieds „Fields of Gold“ der Pop-Ikone Sting.

 

Hagen weiß auch aus dem von Johnny Cash her bekannten alten Gospel „Wayfaring Stranger“ ein Gefühl herauszuschälen und den All Time-Hit „What a Wonderful World“ in bewährter Jazzmanier aufzuführen. Ihre Welt ist aber genauso die Welt der Klassik und der Kirchenmusik, wenn man die vielseitige Choraltrilogie gehört hat, wo in der Mitte der Bach-Choral „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ steht, umrahmt von dem Flatbush-Waltz des New Yorker Klezmermusikers Andy Statman und Wäldeles eigener Komposition „Blue Rose“, einer Art Road-Stück: ein sehr romantisches Lied vom Unterwegssein auf der Straße.

Mal innig, mal pulsierend

Aber nicht nur in den gesungenen, sondern auch in den reinen Instrumentalwerken spürt man die künstlerische Partnerschaft dieses Duos, ein Zusammenspiel von schöner Ausgeglichenheit, klanglich wie von der Interpretationshaltung her. Bei den jazzigen Nummern werfen sich die beiden die Motive wie Spielbälle zu und kitzeln die musikalischen Höhepunkte aus ihrem Auftritt: ein wahres Duo in vollendetem Gleichklang, bald innig, bald kraftvoll, mal dynamisch, mal pulsierend.

Virtuose Spieltechnik

Wäldele zeigt seine Meisterschaft an der Geige und an der Bluegrass-Mandoline, mit ihrem Country-Sound bestens geeignet für die Traditionals und die schnellen Stücke wie der Fitzgerald- und Sinatra-Nummer „Making Whopee“, in der „auf den Putz gehauen“ wird. Das Spiel von Wäldele ist swingend; seine Klavierpartnerin langt kraftvoll in die Tasten.

Beim Ausflug in die Klassik mit dem ersten Satz der „Regensonate“ von Brahms, im Zentrum des Programms stehend, demonstriert Wäldele sein beeindruckendes geigerisches Können und virtuose Spieltechnik. Zusammen mit der höchst motivierten Pianistin gelingt dieser Kopfsatz mit antreibendem Impuls, dicht und drängend, mit klar perlenden Klavierlinien und schönem Geigenton.

Hör- und sichtbar viel Spaß

Das war musikalisch genauso überzeugend wie der unterhaltsame Teil dieses originellen Konzertprogramms der beiden vielseitigen Musiker, die hörbar und sichtbar viel Spaß an dem Programm hatten – wie das Publikum auch. Die beiden sind weit herumgekommen bei ihren Streifzügen, vom Irish Medley bis in den Nahen Osten zum hebräischen Anthem „Hatikva“ (Die Hoffnung).

Besonderes Vergnügen machte die Balkantrilogie mit einem serbischen Liebeslied, einem bulgarischen Tanz und dem ungarischen „Vögelchen“ – mit Vogelstimmenimitation der Lerche und lautem „Vogelschiss“. Ob das eine launige Anspielung auf die Schallbacher Störche im Nest auf dem Kirchturm war, bleibt mal dahingestellt...