In den Gemeinden im Kinzigtal sind zahlreiche Flüchtlinge untergebracht. Die Verwaltungen ziehen Bilanz und erklären, wo es manchmal noch Schwierigkeiten gibt.
Weltweit sind 122 Millionen Menschen auf der Flucht. Am Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen am heutigen Freitag, 20 Juni, wird ihnen gedacht. In einer Pressemitteilung zieht der Ortenaukreis eine „differenzierte“ Bilanz zur Flüchtlingsaufnahme.
„Nach drei Jahren mit sehr hohen Zugangszahlen ist im Jahr 2025 eine spürbare Entspannung eingetreten“, heißt es. Bis Ende Mai 2025 wurden 245 Asylbewerber sowie 85 aus der Ukraine geflohene Menschen neu in die vorläufige Unterbringung des Ortenaukreises aufgenommen.
Im Vergleich zu den Vorjahren bedeutet dies einen deutlichen Rückgang. Insgesamt leben Menschen aus rund 30 verschiedenen Nationen gemeinsam in den Einrichtungen des Landkreises. Einige davon sind auch im Kinzigtal. Hier ist die Lage recht entspannt, wie eine Anfrage unserer Redaktion zeigt.
Hausach: Aktuell leben in Hausach 190 Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten. Die Flüchtlinge sind teils in städtischen Gebäuden, teils in angemieteten Gebäuden untergebracht. Einige haben bereits eigenständige Mietverträge, berichtet die Stadtverwaltung. Die Flüchtlinge bekommen von der Stadt Hausach bei ihrer Ankunft eine Unterkunft zur Verfügung gestellt. Bei Fragen und Problemen fungiert das Bürgerbüro meistens als erste Anlaufstelle. Für Beratung und Unterstützung bei Behördengängen ist das Migrationsamt des Landratsamts zuständig. Insgesamt ist die Lage beim Thema Flüchtlinge in Hausach ist ruhig, erklärt die Verwaltung. Es gebe keine besonderen Vorkommnisse.
Oberwolfach: 39 Flüchtlinge leben momentan in Oberwolfach,untergebracht in Gemeinde- und angemieteten Privatwohnungen. Die Gemeinde unterstützt sie bei Fragen und Anliegen jeglicher Art. Außerdem werden sie vom Integrationsmanagement des Landratsamts Ortenaukreis betreut. Beschwerden oder besondere Vorkommnisse gibt es laut der Verwaltung nicht: „Aktuell ist alles ruhig“, informiert sie.
Steinach: In Steinach leben derzeit ebenfalls 39 Menschen, die aus ihrem Heimatland geflüchtet sind. Sie wohnen vor allem in der ehemaligen Bauernschänke. Aber 2022 wurde auch die bestehende Containeranlage auf dem Festplatz reaktiviert. Im Arbeitskreis Flüchtlinge erhalten sie ehrenamtlich Hilfe und Unterstützung. Nachdem es vor ein paar Jahren Beschwerden gab, ist es laut Verwaltung seit längerer Zeit ruhig.
Wolfach: Im alten Vermessungsamt in Wolfach wurde eine Gemeinschaftsunterkunft des Landratsamtes Ortenaukreis geschaffen. Dort leben derzeit 23 Flüchtlinge, sie werden von Sozialarbeitern des Kreises sowie einem Heimleiter betreut. „Die Flüchtlinge werden zum einen durch Integrationsmanager des Kreises betreut, mit denen wir in regelmäßigem Austausch stehen, ebenso mit örtlichen Institutionen wie dem Caritasverband Kinzigtal“, berichtet die Verwaltung auf Anfrage unserer Redaktion.
Stadt hilft bei der Kommunikation mit den Kitas
„Zudem ist die Stadt Wolfach Mitglied im ,Dolmetscherpool Mittleres Kinzigtal’. Dadurch können wir den Geflüchteten bei Bedarf geschulte Dolmetscher zur Unterstützung bei der Kommunikation mit Kindertageseinrichtungen, Schulen, Ämtern und Behörden, Beratungsstellen, gemeinnützigen Organisationen, Einrichtungen der Altenhilfe sowie ambulanten Pflegediensten zur Seite stellen.“
Also alles in bester Ordnung? Fast. „In der Wohnmodulanlage kommt es, wie in jeder größeren Wohngemeinschaft, gelegentlich zu Herausforderungen. Diese bestehen zum Beispiel in den unterschiedlichen Lebensgewohnheiten oder organisatorischen Abläufen. Beschwerden seitens der Anwohner gibt es nicht“, erklärt die Verwaltung.
Hornberg: Der überwiegende Teil der 93 in Hornberg lebende Flüchtlinge wohnt in städtischen Wohnungen oder Häusern – ein paar in extra für die Flüchtlingsunterbringung angemieteten Wohnungen und wenige auch in privatem Wohnraum.
Die Stadt Hornberg unterstützt sie durch das Bereitstellen von Wohnraum. Aber auch in schriftlichen Angelegenheiten rund um die Wohnung, Verträge, Schriftverkehr. Hier gebe es zum Glück durch die Integrationsbeauftragte vom Landratsamt Hilfe, so die Stadt. „Erste Anlaufstelle bei Problemen sind dennoch meist wir und versuchen zu helfen, so gut es geht“, schreibt die Stadt. Und laut ihr läuft es in den meisten Fällen gut. „Aber Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel, ein paar einzelne Problemfälle gibt es immer“, so die Verwaltung.
Integrationsbeauftragte arbeitet in Hofstetten
Hofstetten: Die Zahl der Flüchtlinge in Hofstettem schwankt durch Zuweisungen und Wegzüge. Aktuell leben dort 35 Flüchtlinge. „Die Meisten im Familienverband“, erzählt Bürgermeister Martin Aßmuth. Sie seien sowohl in privaten Wohnungen als auch in kommunalen Liegenschaften untergebracht. Die kommunalen Liegenschaften seien zu 100 Prozent belegt. Weiterer privater Wohnraum zu akquirieren sei schwierig.
„Wir unterstützen in allen Belangen, sei es bei Behördenangelegenheiten bis hin zu Arztbesuchen oder die Vermittlung in Vereine. Ein junger Ukrainer spielt beispielsweise mittlerweile erfolgreich im Schachclub: Einer Schneidermeisterin haben wir erst letzte Woche eine Nähmaschine besorgt.“, so Aßmuth. Integrationsbeauftragte Elke Herr kümmere sich mit viel Engagement und großem Herz um die Geflüchteten, lobt Aßmuth. In aller Regel funktioniere die Integration gut. „Familien sind in der Regel einfacher zu integrieren als allein reisende Männer mit geringer Bleibeperspektive“, weiß der Bürgermeister.
Aber: „Wir hatten einen Fall, der viel Ärger und Unverständnis in der Bevölkerung ausgelöst hat. Es handelte sich um eine Familie, die vermutlich der Gruppe der Sinti und Roma zugerechnet werden muss. Hier scheiterte jedwede Bemühung aufgrund mangelndem Integrationswillen, die Kinder waren in einem verwahrlosten Zustand“, berichtet Aßmuth. Positive Beispiel gibt es aber mehr: „In unserem Bauhof dagegen arbeitetet ein engagierter junger Mann aus Afghanistan, für die Kita habe ich eine Frau aus der Ukraine als Reinigungskraft eingestellt. Jeder, der einen Beitrag für die Gesellschaft und Allgemeinheit leistet, ist uns willkommen – egal wo man herkommt“, betont der Bürgermeister.
Fischerbach: Gemeindeeigene, kirchliche und private Wohnungen stellt die Gemeinde für die 44 Flüchtlinge zur Verfügung, die in Fischerbach leben. Auch beim Herrichten und Ausstatten dieser Unterkünfte hilft die Verwaltung ihnen, aber auch bei der Vermittlung zu Privatvermietern und Hilfestellung in allen Lebenslagen. Und es läuft laut der Verwaltung dabei alles glatt, Probleme gebe es keine.
Mühlenbach: Mühlenbachs Bürgermeisterin Helga Wössner ist voll des Lobes für ihre Mitarbeiter, die die Flüchtlinge in ihrer Gemeinde unterstützen, „sei es bei Verwaltungsangelegenheiten, bei der Einrichtung der Unterkünfte oder der Organisation von Möbeln“, so Wössner. Besonders engagierte Geflüchtete versuche die Gemeinde, in Beschäftigung zu bringen. „So konnten wir etwa zwei Personen mit Flüchtlingshintergrund als Reinigungskräfte in der Gemeinde anstellen“, erzählt sie. Insgesamt leben derzeit 30 Flüchtlinge in Mühlenbach, ein Teil in privatem Wohnraum. Der Großteil wohnt aber in drei gemeindlich organisierten Unterkünften – zwei davon sind in deren Eigentum, ein weiteres war bislang angemietet. „Dieses werden wir nun käuflich erwerben, um für mehr Planungssicherheit zu sorgen“, berichtet die Bürgermeisterin.
Insgesamt laufe die Integration der Flüchtlingsfamilien sehr gut. Auch Schule und Vereine leisten hier wertvolle Integrationsarbeit.
Keine größeren Probleme im Verhältnis zur Anzahl der Flüchtlinge
Haslach: 56 Flüchtlinge leben in Haslach in der Containeranlage auf dem Niederhofenparkplatz, 107 in anderen kommunalen Gebäuden. Über den freien Wohnungsmarkt haben haben 27 Geflüchtete Obdach gefunden. Die Flüchtlinge werden über Migrationsmanager des Landratsamts Offenburg unterstützt; hierzu findet mindestens einmal die Woche die Sprechstunde im Rathaus statt, des Weiteren werden die Flüchtlinge über den Caritas Sozialdienst betreut.
Für Probleme in Verbindung mit der Unterkunft und wenn die Migrationsmanager gerade nicht greifbar sein sollten, ist der zuständige Sachbearbeiter im Bürgerbüro, Stanislaw Weinberger, Ansprechpartner. „Verhältnismäßig für die Anzahl der Flüchtlinge gibt es keine wirklichen Auffälligkeiten oder größere Problem“, erklärt die Stadtverwaltung. Hier ergebe sich derzeit allerdings ein recht hoher Aufwand der Betreuung. Allerdings: „Es gilt manchmal mit Streitigkeiten umzugehen.“ Einige wenige Polizeieinsätze, Ruhestörungen und Probleme mit der Abfalltrennung habe es gegeben. „Hier wirkt man entgegen, soweit das im zeitlichen Rahmen und der Personallage möglich ist“, so die Verwaltung.
Gutach: 20 Flüchtlinge leben momentan in Gutach, und zwar in Wohnungen, die die Gemeinde für die Flüchtlinge angemietet hat. Bei Fragen steht unsere Integrationsmanagerin des Landratsamt Ortenaukreis zur Verfügung. Bei Bedarf unterstützt die Gemeinde die Personen bei verschiedenen bürokratischen Hindernissen. Beschwerden irgendeiner Art habe bisher keine gegeben.
Zahlen aus der Ortenau
Zum Stichtag Ende Mai waren insgesamt 1492 Personen in den aktuell 30 Gemeinschaftsunterkünften des Kreises untergebracht. Der Großteil der Bewohner stammt aus der Türkei (circa 40 Prozent), gefolgt von Geflüchteten aus Afghanistan (14 Prozent) und Syrien (13 Prozent).