Zur Kappung der Gäubahn hat unser Leser Dieter Rominger-Seyrich aus Horb-Nordstetten folgende Meinung.
Mitte des kommenden Jahres 2025, also bereits in eineinviertel Jahren, soll unsere Gäubahn, die wichtigste Eisenbahnverbindung für circa 1,5 Millionen Menschen südwestlich von Stuttgart und gleichzeitig internationale Verbindung zwischen Stuttgart und Zürich sowie Italien, in Vaihingen oder am Stuttgarter Nordbahnhof für viele Jahre gekappt werden. Der in Baden-Württemberg zentrale und wichtigste Eisenbahnknoten, der Stuttgarter Hauptbahnhof, wäre dann für Pendler und Fernreisende auf der Gäubahn für mindestens zehn Jahre, bis zur Fertigstellung des vor knapp drei Jahren eilig ins Spiel gebrachten Pfaffensteigtunnels, nur mit Umstieg in die S-Bahn in Vaihingen oder Stuttgart Nord zu erreichen.
Kurze Unterbrechung würde ausreichen
Verschiedene Experten, auch frühere Untersuchungen der DB und zuletzt am 9. Januar 2024 nochmals die Umweltverbände BUND, Landesnaturschutzverband, Pro Bahn und VCD haben aufgezeigt, dass dies durch Erhalt eines Teils des bisherigen oberirdischen Kopfbahnhofes nicht notwendig ist und allenfalls eine kurze Unterbrechung zur neuen Anbindung der S-Bahn ausreichend wäre. Dies blockiert aber bisher die Stadt Stuttgart.
Das Projekt Stuttgart 21 war und ist ja seit Beginn primär ein Immobilienprojekt. Da interessiert auch nicht, dass verschiedene Experten trotz digitalem Knoten für den zukünftigen Tiefbahnhof ein erhebliches Kapazitätsproblem voraussagen. Nicht zuletzt hat Landesverkehrsminister Herrmann bis vor einem Jahr auch darauf hingewiesen und einen Ergänzungsbahnhof gefordert.
Geringer Protest der Kommunen
Angesichts dieser Dimension der Einschränkungen erstaunt der geringe Protest der Kommunen und Kreise entlang der Strecke. Eine ursprünglich ins Spiel gebrachte Verlängerung der ohne Toiletten ausgestatteten S-Bahn mit Halt an allen Stationen ist allenfalls als Ablenkung, ja Nebelkerze, anzusehen. Die S-Bahn kann keinesfalls weder für die bisherigen durchgehenden Fernverkehrsverbindungen von Stuttgart an den westlichen Bodensee/östlichen Schwarzwald und nach Zürich noch für die vom Land ab Rottweil und Horb vorgesehenen – und auf anderen Richtung Stuttgart verlaufenden Strecken bereits umgesetzten – halbstündigen Metropolexpresszügen mit Halt an allen Stationen bis zum Beginn der S-Bahn in Herrenberg und dann nur noch einem Halt in Böblingen und Stuttgart HBF ein Ersatz sein.
Initiativen Pro Gäubahn
In verschiedenen Städten entlang der Strecken haben sich deshalb Initiativen Pro Gäubahn, zum Beispiel in Rottweil „Rottweil-Stuttgart-ohne-umsteigen.de“, gegründet. Dies ist auch in Horb notwendig. Diese Initiativen haben den 9. März zur Gründung einer überregional koordinierenden Initiative zum Erhalt der durchgehenden Verbindung ins Stuttgarter Zentrum nach Rottweil eingeladen.
Dieter Rominger-Seyrich, Horb-NordstettenSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.