Sanierungsbedürftig: die Fassade des „Mohren“. Foto: Heiko Hofmann

„Wer will fleißige Handwerker sehen?“ Der durfte in den letzten Monaten lieber nicht zum Seniorentreff Mohren in Nagold gehen. Jetzt sollen die Sanierungsarbeiten endlich beginnen.

Es gehört zu den schönsten städtischen Gebäuden in Nagold, das „Gasthaus Mohren“, wie auf dem alten Wirtshausschild zu lesen ist - heute den meisten in Nagold besser als „Seniorentreff Mohren“ bekannt.

 

Immer wieder ereilen die Stadt Nagold Kaufanfragen. „Aber wir verkaufen nicht“, macht Nagolds Stadtoberhaupt Jürgen Großmann deutlich.

Ein Verein betreibt seit 1977 den Seniorentreff. Bereits 1743 wurden das Gasthaus und die Bäckerei „Mohren“ erstmals urkundlich erwähnt. In all den Jahrzehnten wird wohl auch so mancher Handwerker das Haus betreten haben – doch seit etwa einem Jahr werden genau sie vermisst.

Vom Putz befreit

Der „Mohren“ ist nämlich sanierungsbedürftig. Dabei handelt es sich um keine riesige Baumaßnahme. Etwa zwei bis drei Monate werden die Arbeiten wohl andauern. Doch das Haus ist denkmalgeschützt, bei den Arbeiten ist also Fingerspitzengefühl und Wissen gefordert. Denn denkmalgerecht sanieren, das kann nicht jeder.

Im vergangenen Jahr musste das Gebäude in der Querstraße 1 von seinem Putz befreit werden. Ein Wasserschaden, so Nagolds OB damals, habe dies erforderlich gemacht. Die Mauern und das Fachwerk im Sockel sollten gründlich trocknen. Und das konnten sie auch. Monatelang.

„Der Prozess war etwas schwierig“

Nun aber steht die Sanierung an. Froh sei er, dass die Baustelle in Gang kommt, sagt Großmann. Dabei sorgte wohl nicht nur die Handwerkersuche für eine Zeitverschiebung, auch die Absprachen mit dem Denkmalamt waren nicht leicht. Denn nach der Freilegung der Fassade reifte unter anderem beim OB der Wunsch, das Haus nicht wieder zu verputzen, es also im Original herzurichten. Das Denkmalamt musste von dieser Idee aber erst noch überzeugt werden. „Der Prozess war etwas schwierig“, so Großmann.

Die Arbeiten an sich erfolgen von außen, beschädigte Mauerteile werden ausgetauscht. Und bei den alten Holzbalken wird immer nur der Part herausgesägt oder ausgefräst, der wirklich sanierungsbedürftig ist, der Rest des alten Gebälks soll erhalten bleiben.

Seniorentreff bleibt geöffnet

Klar, da ist altes Handwerkskönnen gefragt. Zumal unter Teilbetrieb gearbeitet werden muss. Der Seniorentreff bleibt nämlich geöffnet. Zum Schutz der Gäste vor Baudreck ziehen die Handwerker eine Schutzwand ein. Nur der anvisierte Start der „Nagolder Suppe“ ist wegen der Bauarbeiten dann doch lieber auf Januar verschoben worden.

Nagolds OB spricht von „sehr aufwendigen Arbeiten“, wenngleich die eigentliche Baustelle keine große sei. Deshalb sei man froh bei der Stadt, Handwerker gefunden zu haben. „Wenn’s gut läuft, sind wir bis Weihnachten durch“, sagt Großmann. Er verweist aber auch darauf, dass Sanierungsarbeiten am Altbau immer auch Überraschungen hervorbringen könnten.