Ein seltener Anblick in Lahr: Berittene Polizisten – hier im Herbst 2021 – kommen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Foto: Schabel

Ob KOD-Patrouillen, Pferdestreifen oder Videokamera – Polizei und Verwaltung tun einiges für die Sicherheit in der Stadt. Nach dem Geschmack der Orts-Check-Teilnehmer könnte es aber noch mehr sein. Denn im diesem Bereich haben sie mit 5,21 nur eine unterdurchschnittliche Note vergeben.

Lahr ist eine Stadt, in der man sicher leben kann.“ Mit diesem Satz kommentierte Ingolf Grunwald, Leiter des Lahrer Polizeireviers, vor wenigen Wochen die örtliche Kriminalitätsstatistik aus dem Jahr 2022. Dabei berichtete er von einem Anstieg der Straftaten um elf Prozent auf 3242 im Vergleich zum Vorjahr. Besorgt war der oberste Polizist in Lahr deshalb jedoch nicht.

Der Grund? Corona. Denn während der Jahre 2020 und 2021 war draußen weniger los, dementsprechend ging die Kriminalität während der Pandemie zurück. Nun ist sie wieder auf Vor-Krisen-Niveau – jedoch ohne Auffälligkeiten im Vergleich zu anderen Städten in der Lahrer Größenordnung.

Statistisch gesehen ist die Sicherheit in Lahr also durchaus gegeben. Die 501 Lahrer Teilnehmer des Orts-Checks sehen das jedoch nicht ganz so deutlich. „Ich wünsche mir, dass die Stadt sicherer wird“, schrieb ein Teilnehmer in die Freitext-Kommentare des Orts-Checks. Mehrfach wurde dort auch der Wunsch nach mehr Polizeipräsenz genannt. Mit nur 5,21 von zehn möglichen Punkten belegt Lahr in der Kategorie Sicherheit den vorletzten Platz. Zum Vergleich: Der Schnitt aller 13 Kommunen beträgt 6,09 Punkte.

Diskrepanz zwischen subjektiver und objektiver Sicherheit in Lahr

Die Stadtverwaltung ist von der Diskrepanz zwischen den Aussagen der polizeilichen Statistik und der Bewertung durch die Lahrer Teilnehmer beim Orts-Check nicht überrascht. „Diese Diskrepanz ist in der Tat seit vielen Jahren auffällig“, heißt es dazu aus dem Rathaus. „Möglicherweise wirken hier übergreifende Trends – so haben die multiplen Krisen der vergangenen Jahre sicherlich insgesamt zu einer höheren gesellschaftlichen Verunsicherung beigetragen“, vermutet die Verwaltung. Dass diese dann in einer Stadt, in der „vergleichsweise viele Menschen auf engerem Raum zusammenleben“, etwas stärker ausgeprägt sei als in kleineren Kommunen, sei „wenig überraschend“, heißt es aus dem Rathaus.

Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt zu

„Für eine Stadt mit fast 50 000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist es naturgemäß nicht möglich, diese Frage uneingeschränkt mit Ja zu beantworten“, antwortet der für das Ordnungsamt zuständige Bürgermeister Guido Schöneboom auf die Frage, ob Lahr sicher sei. Und weiter: „Es gibt durchaus negative Vorkommnisse und vielfach haben wir es mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen zu tun, die natürlich auch an Lahr nicht spurlos vorübergehen – ein Beispiel ist die zunehmende Aggressivität gegenüber Einsatz- und Rettungskräften“, sagt Schöneboom.

Mehr junge Tatverdächtige – auch in Lahr

Diesen Punkt hatte auch der Lahrer Revierleiter Grunwald bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik explizit betont. „Es ist ein Thema, das mich bedrückt“, sagte Grunwald zu den 46 Angriffen auf Lahrer Polizeibeamte 2022 – deutlich mehr als im Jahr zuvor (29). Ebenfalls besorgniserregend: Die gestiegene Anzahl der jungen Tatverdächtigen. Man könne diese gesamtgesellschaftliche Entwicklung auch in Lahr beobachten, erklärte der stellvertretende Revierleiter Johannes Maier.

Stadt-Land-Gefälle innerhalb der Kriminalitätsstatistik

Auf die Ergebnisse des Orts-Checks angesprochen, äußerte sich Maier ähnlich wie die Stadtverwaltung und verwies neben dem Unterschied zwischen „der gefühlten und der wirklichen Sicherheit“ auch auf ein „Stadt-Land-Gefälle“ innerhalb der Statistik. „In der Stadt passiert mehr.“ Das sei auch der Polizei bekannt. „Wir legen daher großen Wert auf die Polizeipräsenz im öffentlichen Raum“, erklärte der stellvertretende Lahrer Revierleiter im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Zahlen der Statistik stützen diese These: Zwar wurden 2022 mehr Fälle von Straßenkriminalität verzeichnet als in den beiden Jahren zuvor. Das jedoch ließe sich mit dem Ende der Pandemie erklären, hieß es von der Polizei, die grundsätzlich mit der Statistik zufrieden war.

Mit Überwachungskameras will die Stadt an öffentlichen Orten Vandalismus verhindern. Foto: Baublies

Diese zieht auch Bürgermeister Guido Schöneboom zurate: „Die Kriminalitätsstatistik zeigt aber zugleich, dass wir uns in Lahr nicht unsicher fühlen müssen. Mein Dank gilt der Polizei und dem KOD, die mit ihrem Einsatz präsent sind, umsichtig handeln und entschlossen einschreiten, wo es erforderlich ist.“

Die beiden Behörden arbeiten in Lahr eng zusammen, es gebe auch gemeinsame Streifen, erklärt Maier. Die Aufgabentrennung der beiden Sicherheitsbehörden ist dabei klar geregelt. Insgesamt neun Mitarbeiter sind derzeit beim Kommunalen Ordnungsdienst beschäftigt, der für Ordnungswidrigkeiten zuständig ist. Die Polizei kümmert sich um die Verfolgung von Straftaten. „Beides wichtig, beides hat Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl“, weiß man bei der Verwaltung.

Videokameras an Schulen und am LGS-Gelände sollen Vandalismus verhindern

Ein Baustein dafür ist auch die Installation von Überwachungskameras in Lahr, etwa an mehreren Schulen sowie auf dem ehemaligen LGS-Gelände. Diese Maßnahme, mit der vor allem Vandalismus verhindert werden soll, zeigt Wirkung. Am römischen Streifenhause etwa habe es seit der Inbetriebnahme der Überwachungskameras keine Vandalismusvorfälle mehr gegeben, hieß es im März von der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion.

Im Herbst sollen zudem noch weitere Kameras an den Zugängen zur Sporthalle Plus installiert werden. Eine weitere Kamera soll am Krähennest im Seepark eingerichtet werden; weitere Standorte seien jedoch nicht geplant, heißt es von der Stadt. Denn: „Das Polizeigesetz setzt für eine Videoüberwachung einen Kriminalitätsschwerpunkt voraus. Dieser ist glücklicherweise nirgends in Lahr gegeben.“