Der Zeppelin des Europa-Parks ist nach dreijähriger Bauzeit fertig. Bis November soll er Fahrgäste über den Bodensee befördern. Die ersten Testflüge hat das Luftschiff unter den Augen unserer Redaktion gemeistert.
Auf der gesamten Erde starten und landen derzeit sechs Zeppeline – drei in den USA, die andere Hälfte in Deutschland. Letztere heben regelmäßig an der Reederei in Friedrichshafen ab, wo alle sechs gefertigt wurden. Am Montagmorgen wurde dort ein besonderer Neuzugang in die Flotte aufgenommen: das Jubiläumsluftschiff des Europa-Parks. Unter den Augen von dessen Inhaber Roland Mack und zahlreichen Pressevertretern wurde es erstmals vorgestellt und in Aktion gezeigt. Auch unsere Redaktion war vor Ort. Ein Überblick.
Das hat der Zeppelin zu bieten: „Drei Jahre lang wurde geplant und gearbeitet. Auch einige Überstunden und Nachtschichten waren in den vergangenen Tagen nötig“, blickte Eckhard Breuer, Geschäftsführer der Zeppelin-Reederei, zurück. Insgesamt 102 Zulieferer hätten für die Bestandteile des Zeppelins gesorgt, der in Friedrichshafen zusammengesetzt wurde. Die Fassade der Hülle besteht aus drei reißfesten Schichten, auf der äußersten prangt ein riesiger, gelber Europa-Park-Schriftzug. Auf den ersten Blick wird demnach deutlich, dass das Luftschiff ein Botschafter des Ruster Freizeitparks ist.
Im Inneren des 8425-Kubikmeter-Ballons sind Träger aus Karbon und Aluminium verbaut, die für Stabilisation sorgen. Rund sechs Tonnen wäre das Ergebnis, wenn man das Gefährt auf eine Waage stellen würde, heißt es auf Nachfrage. Für die vergleichsweise kleinen drei Propeller wäre das zu viel Last, um den Zeppelin in die Luft zu bringen. Deshalb wird die Hülle mit Helium gefüllt, die das Gewicht auf 300 bis 400 Kilogramm reduzieren.
Unter dem Ballon befindet sich die Kabine mit 14 Sitzplätzen und das offene Cockpit. Wer mitfliegt, kann also dem Piloten über die Schulter schauen. Dieser steuert das Luftschiff mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 65 Stundenkilometern auf rund 300 Meter Höhe. „Das ist tief genug, um Details am Boden zu erkennen, und hoch genug, um einen tollen Überblick zu erhalten“, so der Geschäftsführer. Dabei könnte das 200 PS starke „Schiff“ deutlich höher und schneller fliegen. Auf Papier wären ein Tempo von 125 Kilometer pro Stunde und eine Höhe von 3000 Metern möglich. Und auch die maximale Reichweite kann sich sehen lassen: Bis der Treibstoff für die Propeller zu neige geht, könne sich der Zeppelin bis zu 24 Stunden in der Luft halten oder 1000 Kilometer zurücklegen.
So läuft ein Flug ab: Vorweg: An Bord des 75-Meter-Ballons durfte unsere Redaktion nicht. Um Passagiere zu befördern, fehlte zum Zeitpunkt des Pressetermins noch eine Genehmigung des Luftfahrt-Bundesamts. „Diese werden wir jedoch bald erhalten“, erklärte Breuer. Abheben durften Medienvertreter und Europa-Park-Zeppelin dennoch. Letzterer schwebte nur mit Piloten bemannt rund 300 Meter über dem Bodensee. Für unsere Redaktion ging es dagegen an Bord eines baugleichen Schwesterschiffs, das den Jubiläumsballon anschließend umkreiste.
Das Abenteuer fängt bereits beim Einsteigen an, denn die Passagiere steigen im „fliegenden Wechsel“ um. Das bedeutet: Das Luftschiff setzt bei laufenden Propellern mit zwei kleinen Stützrädern auf. Unter dem Dröhnen der Motoren steigen die Fluggäste abwechselnd in Zweiergruppen per mobiler Treppe ein und aus. „So wird das Gleichgewicht des Luftschiffs gehalten“, erklärte Breuer. Sobald alle an Bord sind, bittet eine Luftbegleiterin die Passagiere, die Gurte anzulegen. Diese können abgenommen werden, sobald der Zeppelin die 300-Meter-Marke knackt. Dann darf man aufstehen und sich in der Kabine frei bewegen. Und das lohnt sich: Denn die zahlreichen Fenster bieten einen malerischen Rund-um-Blick.
Wenn der Rundflug zu Ende ist – im Falle des Pressetermins nach 30 Minuten – geht es zurück zur Reederei zum „fliegenden Wechsel“ mit den nächsten Passagieren.
Das sagt Park-Inhaber Roland Mack: „Seit 50 Jahren begleiten uns Mut, Innovationskraft und die Freude, Menschen zu begeistern. Mit dem Europa-Park-Zeppelin setzen wir im Jubiläumsjahr gemeinsam mit der Deutschen Zeppelin-Reederei ein emotionales Zeichen über Süddeutschland“, freute sich Europa-Park-Inhaber Roland Mack. „Der Zeppelin verbindet faszinierende Technik mit einem Erlebnis, das einzigartig ist.“ Demnach sei das Ganze mehr als eine Werbepartnerschaft, so Mack.
Das steht dem Luftschiff bevor: „Ab sofort können Interessierte einen Platz im Zeppelin buchen“, betonte der Reederei-Chef. Bis Ende November befördert der Europa-Park-Zeppelin Passagiere über die Bodensee-Region, soll aber auch Halt in Frankfurt und Nordrhein-Westfalen machen. „Während unseres Jubiläumswochenendes vom 11. bis 14. Juli wird er über dem Europa-Park schweben“, blickte Mack voraus und verriet: „In Zusammenarbeit mit ,Red Bull’ werden Stuntmänner aus dem Zeppelin abspringen und im Park landen.“ Während die Möglichkeit besteht, mit dem Europa-Park-Zeppelin oder eines seiner Schwesterschiffe zu fliegen (siehe Info), seien die Fahrten über dem Europa-Park nicht buchbar. Das sei nur im Rahmen kommender Gewinnspiele möglich.
Und was passiert nach der Saison? „Wir streben eine langfristige Kooperation an“, erklärte Breuer auf Nachfrage und erinnerte an 2016 bis 2018, als bereits ein Zeppelin mit Europa-Park-Aufschrift durch die Lüfte flog. Dieser ist immer noch unterwegs, nur nicht mehr im Namen des Parks.