Zahlreiche Darsteller haben sich in schaurige Kostüme geworfen, um die Gäste bei der Eröffnung des „Castello de Medici“ in Grusel-Stimmung zu bringen. Foto: Piskadlo

Die Grusel-Attraktion des Europa-Parks wurde nach mehr als 40 Jahren für mehrere Millionen Euro umgebaut. Unsere Redaktion war bei der Eröffnung des „Castello de Medici“ dabei und hat festgestellt: Es hat sich nicht alles geändert – im Gegenteil.

„Es ist eine der ältesten Attraktionen des Europa-Parks. Seit 1982 hat es rund 100 Millionen Besucher befördert. Nun war es an der Zeit, etwas Neues zu machen“, sagt Ann-Kathrin Mack. Gemeint war damit das Geisterschloss, das seit Anfang des Jahres umgebaut und am Donnerstagmittag wiedereröffnet worden ist.

 

Ganz so neu scheint die Grusel-Achterbahn auf den ersten Blick jedoch nicht – zumindest von außen. Immer noch ist das hellorangene Gebäude mit der großen blauen Uhr versehen, auch die vielen bunten Glühbirnen an der Fassade hängen an Ort und Stelle. Sogar der große Roboter steht mit schwarzem Gewand und altbekannter Fratze am Eingang und begrüßt die Besucher. Bloß das neue Schild mit der Aufschrift „Castello de Medici“ lässt erahnen, dass sich dort etwas getan hat. Das sei jedoch gewollt, erklärt Mack. „Die Bahn ist ein Herzstück des Parks, an dem viel Erinnerung und Nostalgie hängt. Es sollte den Scham des Klassikers behalten“, begründet die Gesellschafterin das Konzept.

Auch im Inneren warten altbekannte Szenerien

Und das zieht sich auch durch das Innere der Bahn. Noch immer durchlaufen die Fahrgäste den gleichen Weg, bis sie bei den Gondeln ankommen. Lediglich neue Gemälde dürften – zumindest für die jüngeren Besucher – für ein schauriges Gefühl sorgen. Auch den kleinen „Aufzug“ gibt es im Wartebereich noch, in dem plötzlich die Lichter erlöschen und eine Puppe von der Decke herabgelassen wird. Bei den Waggons angekommen, ergibt sich erneut ein bekanntes Bild. Denn auch nach dem Umbau wird in den fast schon ikonischen Muschel-Gondeln gefahren – wie bereits vor 42 Jahren.

Schließt sich der Bügel, offenbart sich das, woran laut Mack 40 Firmen mehr als ein halbes Jahr lang gearbeitet haben: Neue abstrakte Puppen, moderne Lichteffekte und finstere Musik. Letztere wurde eigens für die überarbeite Version des Geisterschlosses von einem Orchester neu eingespielt. Zwar ist die Fahrtstrecke gleich geblieben, das Meiste des „Drumherums“ ist jedoch neu. Dennoch gibt es Szenerien zu sehen, die vielen bekannt vorkommen dürften. So etwa die gedeckte Tafel, an der grässliche Gestalten sitzen. Oder die Tanzfläche, auf der sich Puppen im Kreis drehen, während die Fahrgäste wie auf einer Art Wendeltreppe nach oben fahren. Der Höhepunkt – und zugleich das Schaurigste – ist die letzte Kurve der rund dreiminütigen Fahrt. Dort durchleben Besucher wortwörtlich die Hölle. Empfangen von mehreren Teufeln, führt der Weg durch eine Höhle, deren Wände augenscheinlich aus Knochen und Schädeln besteht. Verlassen die Gondeln die Katakomben, ist die Fahrt zu Ende.

Hunderte Besucher wollten die umgebaute Bahn fahren. Foto: Piskadlo

Trotz der schaurigen Aufmachung hält sich der Grusel-Faktor – besonders bei Erwachsenen – in Grenzen. Auch Kindern soll das „Castello de Medici“ keine Angst einjagen, sondern eher wie eine Mutprobe sein, so Mack, die das Geisterschloss selbst als kleines Kind gefahren sei. Der Spagat zwischen alten Akzenten und neuen Änderungen scheint gelungen zu sein. Das bestätigen die ersten Fahrgäste, die nach der Presse in die neue Attraktion dürfen. In Scharen warten sie vor dem Eingangsbereich, um dann voller Erwartungen in das Geisterschloss zu strömen. „Es war super“, zog eine Besucherin auf Nachfrage unserer Redaktion ein Fazit.

Projektleiter Julien Lauffenburger werden solche Reaktionen erfreuen. Eine der größten Herausforderungen sei es nämlich gewesen, den hohen Erwartungen der Besucher gerecht zu werden. „Das war ein großer Schritt. Wir haben alles neu gemacht und die Systeme auf den neusten Stand gebracht“, so Lauffenburger. Und das sollte auch seinen Preis haben. Einen mittleren einstelligen Millionenbetrag habe der Park in die neue – und gleichzeitig auch ein Stückweit alte – Bahn investiert, ist zu hören.

Info – Die Hintergrundgeschichte

So wie die Bahn „Voltron Nevera“ eine Hommage an Erfinder Nicola Tesla darstellt, hat auch das Geisterschloss nun einen roten Faden. Demnach ist die Attraktion dem Italiener Lorenzo de Medici (1449 bis 1492) gewidmet. In der fiktiven Geschichte des Parks wollte dieser das ewige Leben erlangen, indem er zwölf Menschen in seinem Anwesen – dem Geisterschloss – opfert. Sein Plan ging jedoch nicht auf, wodurch er und seine Opfer bis heute in dem „Castello de Medici“ herumgeistern.