Von sechs Milchviehbetrieben in Kuhbach ist nur einer geblieben: Landwirt Christoph Schmieder berichtet darüber, wie ein Tag in seinem Betrieb aussieht, welche Arbeiten anstehen und wie sich die Landwirtschaft über die Zeit verändert hat.
Kuhbach - Bereits seit 15 Jahren leitet der gelernte Landwirt Christoph Schmieder seinen Betrieb. Der Hof wurde laut Kuhbacher Dorfchronik 1614 erbaut und ist seit vielen Generationen im Besitz der Schmiederfamilie. Heute bewirtschaftet Schmieder 90 Hektar Acker und pflegt 40 Hektar Grünland und Wald. Hauptsächlich werden Mais, Sojabohnen und Winterweizen angebaut. Auch Kleegras und Blühmischungen, doch diese machen nur einen kleinen Teil aus. Außerdem hält Schmieder 50 Kühe und ist somit einer der wenigen verbleibenden Milchviehbetriebe in der Region – in Kuhbach ist er der Einzige.
"Nur noch ich bin übrig geblieben"
"Morgens um sechs Uhr muss die Stallarbeit gemacht werden", erklärt der Landwirt. "Danach folgen Außenarbeiten, Füttern, Melken und vieles mehr – und das 365 Tage im Jahr." Heute steht laut Schmieder noch die Heuernte an.
Körner- und Silomais machen ungefähr 50 Prozent von Schmieders Ackerfläche aus. Der Unterschied zwischen beider Arten ist die Erntemethode. Während bei Silomais die gesamte Pflanze unten abgeschnitten wird, wird bei Körnermais hingegen nur das Korn geerntet. Die pflanzlichen Rückstände bleiben auf dem Feld liegen und werden zu natürlichem Dünger. Dabei setzt Schmieder auf moderne Pflegemaßnahmen. Um seine Ernte zu Schützen, lässt der Landwirt eine Drohne über sein Feld fliegen. Dieses lässt in regelmäßigen Abständen Schlupfwespeneier fallen. Diese Schlupfwespen befreien die Ernte von Schädlingen.
Sorgen um die wirtschaftliche Lage
Das andere Standbein des Betriebs ist die Milchproduktion. "Die Kühe werden zwei Mal am Tag gemolken", berichtet Schmieder. Durchschnittlich soll eine Kuh rund 26 Liter Milch abgeben. Gemolken wird in einer modernen Anlage, die im Jahr 2007 errichtet wurde. Dort können bis zu zehn Kühe gleichzeitig gemolken werden. Rund 8000 Liter Milch liefert Schmieder wöchentlich durch seine 50 Kühe.
"1990 hatten wir noch sechs Milchviehbetriebe in Kuhbach. Heute bin ich der Einzige", erinnert sich Schmieder. Auch in Lahr sei es ähnlich – weder in Hugsweier, Kippenheimweiler oder Sulz gebe es welche. Schmieder bezeichnet es als "leises Sterben" der Milchviehbetriebe. Dafür soll es verschiedene Gründe geben. "Einerseits liegt es am Generationenwandel", stellt der Landwirt fest. So wollen viele Nachkommen den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie nicht mehr übernehmen. Andererseits liege es an den Vorschriften. "Viele haben nicht die finanziellen Mittel, um die Vorschriften einzuhalten", erklärt Schmieder. So habe man beispielsweise unter Berücksichtigung der damaligen Bedingungen einen neuen Stallbereich für die Kühe gebaut. "Der Stall ist groß, hell und luftig, doch heutzutage fehlen mir wenige Zentimeter, um den aktuellen Gesetzten gerecht zu werden." Doch auch die steigenden Preise machen dem Landwirt sorgen. "Das fängt alles erst an", stellt Schmieder fest.
"Das Weizen, das dieses Jahr verarbeitet wird, wurde vergangenes Jahr für 18 Euro pro 100 Kilo verkauft. Dieses Jahr wurde Weizen für 40 Euro verkauft, dieser Preis muss sich dann auch im Endprodukt widerspiegeln", erklärt Schmieder besorgt.