Jan M. Petersen: „Porschefimmel – Für den Herrn ab 30“                                                       Foto: gvb/JMP

Das Jahr geht und einige Stuttgarter Galerien machen Pause. Spannendes gibt es gleichwohl.

Mit der Ruhe ist es schwierig – wer sie sucht, mag sie im Wissen um neue Impulse umso mehr. Geht es danach, verspricht das Kunstjahr 2024 in Stuttgart gut zu werden: die bisherige Galerienhaus-Riege Angelika und Markus Hartmann, Katrin und Marko Schacher sowie Jürgen Palmer starten an je neuen Orten, das Künstlerhaus befragt kühn die eigene Rolle in einem einstigen Fabrikgebäude aus jüdischem Familienbesitz, und der Galerien-Rundgang am 20. und 21. April stimmt auf das Art Alarm-Jubiläum (25 Jahre) im Herbst ein.

 

Profiteure der Nazis?

Am 31. Dezember endet die Amtszeit von Eric Golo Stone als Künstlerischer Leiter des Künstlerhauses Stuttgart. Wegweisendes bleibt über dieses Datum hinaus: Maria Eichhorns Auseinandersetzung mit dem einstigen Fabrikgebäude der in Hitler-Deutschland ins Aus gedrängten Firma Nördlinger als Bühne zeitgenössischer Kunst. Eine Tafel listet die Geschichte des Gebäude in der Reuchlinstraße 4b auf. Nüchtern und als kontrollierte Antwort auf die ewige Ausweich-Frage nach dem jüdischen Leben heute. Eichhorns „Reuchlinstraße 4b, 70178 Stuttgart“ wird die Debatte über die Gegenwart der Vergangenheit neu entfachen.

Porsche gegen die Altersangst?

Für Weihnachten hätte man an die Galerie-Öffnungszeiten denken müssen, als Geschenkidee aber bleiben die von der Galerie von Braunbehrens annoncierten Arbeiten von Jan M. Petersen und Markus Leuze unbedingt aktuell. Zeitlos schön vor allem Petersens Hintersinn-Hymne „für den Herrn ab 30“ mit einem orangeroten Traum-911er. Für 99 Euro gibt es den Porsche für zu Hause.

Kann Volker Blumkowski „anders“?

An diesem Samstag (11 bis 17 Uhr) geöffnet ist die Galerie Schlichtenmaier am Kleinen Schlossplatz. „Hier stehe ich … und kann auch anders“ heißt die Ausstellung mit wesentlichen neuen Bildern (allen voran das Großformat „Bien tranquille“ sowie „L’incident“) des Malers Volker Blumkowski. Für den in der Galerie tätigen Kunsthistoriker Günter Baumann sind Blumkowskis Werke „Tatorte des alltäglichen Lebens“. Zu besichtigen auch 27. bis 30. Dezember.

Was ist für Sarah Morris Freiheit?

Noch heißt es im Kunstmuseum Stuttgart „Sieh Dir die Menschen an“ – eine herausragende Ausstellung zur Frage des zeitgenössischen Menschenbildes seit 1910. Schon aber kommt jetzt Vorfreude hinzu – auf das Jahr 2024 und die kongeniale Antwort der britischen Künstlerin Sarah Morris. „All Systems Fail“ heißt der Blick auf Morris’ Gesamtwerk – internationale Aufmerksamkeit ist dem Kunstmuseum gewiss.