Die Teilorte sind größtenteils versorgt, der Start in der Kernstadt wurde immer wieder verschoben. Mittlerweile ist bekannt: Die UGG hat den Glasfaser-Ausbau in Rottenburg abgesagt.
Der Traum vom schnellen Internet per Glasfaser ist für viele Rottenburger vorerst geplatzt. Der geplante Ausbau in der Kernstadt durch das Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) wird nicht wie angekündigt umgesetzt. Dabei sollte nach zwischenzeitlichen Verzögerungen eigentlich 2026 mit den Bauarbeiten begonnen werden.
Geplant war der Glasfaser-Ausbau schon 2025 Zwischen Juni und Dezember 2024 hatte UGG in Rottenburg eine großangelegte Werbekampagne gestartet. Zahlreiche Rottenburger unterschrieben Vorverträge – sogenannte Gestattungserklärungen (GEE) – und signalisierten damit ihr Interesse an einem Glasfaser-Hausanschluss. Der Ausbau sollte bereits 2025 beginnen, verzögerte sich jedoch.
Als Grund für die Verschiebung nannte das Unternehmen damals die Übernahme von „Infrafibre Germany“. Im Zuge der Fusion wurden alle geplanten Projekte auf Synergien überprüft. Im Sommer 2025 hatte UGG jedoch gegenüber dem städtischen Breitbandkoordinator Alexander Braun betont, dass Rottenburg auf der Prioritätenliste „ganz oben“ stehe.
Stadt wurde überrascht Noch im Dezember des vergangenen Jahres zeigte sich Braun zuversichtlich, dass der Ausbau in der Kernstadt im neuen Jahr starten könne. Umso überraschender kam nun die Kehrtwende: Auf ihrer Website teilte UGG vor einigen Tagen mit, dass der Glasfaser-Ausbau in Rottenburg leider nicht wie angekündigt durchgeführt werden könne.
Für die Rottenburger Stadtverwaltung kam die Nachricht unerwartet. Nach eigenen Angaben erfuhr die Pressestelle – wie die betroffenen Kundinnen und Kunden – erst über die Website der UGG von der Entscheidung. Noch am selben Tag, dem 2. April, nahm die Stadt Kontakt mit dem Unternehmen auf; erst daraufhin erhielt sie weitere Informationen, so die Rottenburger Pressestelle. Die Sprecherin der Stadtverwaltung, Birgit Reinke, berichtet auf Nachfrage: Bereits zuvor habe man wahrgenommen, dass die Kommunikation zuletzt schleppender verlief, weshalb man sich wiederholt auf der Website informiert habe.Wann genau die Mitteilung dort veröffentlicht wurde, ist nicht nachvollziehbar, da Zeitstempel fehlen. Auf Nachfrage erklärte UGG-Pressesprecher Jens Lauser lediglich, die Stadt sei am 2. April über die Entscheidung informiert worden.
Planung weit fortgeschritten – dennoch Absage Dabei waren die Planungen bereits weit fortgeschritten. Das Regensburger Ingenieurbüro Createch hatte im Auftrag von UGG große Teile der Ausbauplanung abgeschlossen, so der Stand Ende 2025. Darin wurde unter anderem festgelegt, wie die Glasfaserkabel vom zentralen Verteiler am Gelben Kreidebusen aus im gesamten Stadtgebiet verlegt werden sollten. Auch die Stadtwerke und das Tiefbauamt waren an der Planung beteiligt.Die Stadtverwaltung ist entsprechend verärgert. Sprecherin Birgit Reinke sagt am Telefon: „Die Planung war komplett fertig.“ Sie spricht von einem „herben Schlag für uns“. Die Stadt, allen voran Breitbandkoordinator Alexander Braun und das Tiefbauamt, haben viel Zeit in die Planung dieses wichtigen Zukunftsthemas gesteckt.
Wirtschaftliche Gründe führen zur Absage Es war also alles in trockenen Tüchern. Warum sagt die UGG nun ab? Auf die Nachfrage unserer Redaktion nennt UGG-Pressesprecher Jens Lauser wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Da die bisherigen Planungen für den rein eigenwirtschaftlich finanzierten Glasfaserausbau ohne Fördermittel des Bundes oder Steuergelder der Bürgerinnen und Bürger betrieben würden.
Seit der im März 2024 geschlossenen Kooperationsvereinbarung mit der Stadt hätten sich jedoch zentrale Faktoren verändert. Als Gründe nennt UGG „die erschwerten technischen Bedingungen im Wettbewerb, die Inflation und gestiegene Kosten bei Energie und Ausbau“. Unter diesen Umständen sei ein eigenwirtschaftlicher Glasfaserausbau in Rottenburg derzeit nicht darstellbar.
Verträge verlieren ihre Gültigkeit Für die Bürger bedeutet das: Die bereits abgegebenen Gestattungserklärungen kommen nicht zur Anwendung. Laut UGG müssen die Betroffenen zunächst nichts unternehmen. Die jeweiligen Internetanbieter würden sich in den kommenden Wochen direkt an die Kundinnen und Kunden wenden und über das weitere Vorgehen informieren.
Wie viele Haushalte in Rottenburg entsprechende Erklärungen abgegeben haben (und damit von dem UGG-Rückzug betroffen sind), wollte das Unternehmen trotz Nachfrage nicht mitteilen. „Zu Zahlen geben wir grundsätzlich keine Auskunft“, so Pressesprecher Lauser. Man arbeite ohne klassische Vorvermarktung, entscheidend sei allein die wirtschaftliche Umsetzbarkeit eines Projekts. Birgit Reinke von der Pressestelle der Stadt Rottenburg gibt an: 4800 potenzielle Glasfaser-Anschlüsse umfasst das Kernstadtgebiet, das von der UGG erschlossen werden sollte.
Die UGG teilt schriftlich mit: „Wir bedauern, Rottenburg am Neckar nicht wie geplant ausbauen zu können, da auch wir bereits einige Zeit, Planung und Kosten in das Projekt steckten.“ UGG habe sich bei den Verantwortlichen der Stadt für den entstandenen Aufwand entschuldigt – unter anderem bei Breitbandkoordinator Braun und bei Oberbürgermeister Neher.
Wie geht es weiter? Kurzfristig gibt es keine Perspektive für einen Glasfaser-Ausbau in Rottenburg – zumindest nicht mit der UGG. Die will sich in den Jahren 2026 und 2027 auf Projekte konzentrieren, die sich schneller realisieren lassen, so das Schreiben der Pressestelle. Erst ab 2028 schließt das Unternehmen weitere Ausbaumaßnahmen nicht aus – konkrete Zusagen gibt es jedoch nicht.
Wie geht es weiter? „Wir werden uns Mühe geben, eine Lösung zu finden, aber das wird nicht einfach sein“, sagt Reinke. Ob sich eine zeitnahe Lösung finden wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Rottenburg ist dabei kein Einzelfall. Auch Gemeinden aus dem erweiterten Umkreis wie Bad Urach, Eningen, Pfullingen und Pliezhausen sind von Absagen betroffen.
Kiebingen, Wurmlingen und Co. – weitere Zitterpartien?
Keine Umsetzung
13 Stadtteile sind dank des Anbieters Netcom bereits mit Glasfaser versorgt. Wie es in Kiebingen, Wurmlingen, Seebronn und Hailfingen weitergeht, ist allerdings noch unklar. Dort sollte die „Deutsche Glasfaser“ den Ausbau betreiben. Nach eigenen Angaben hatte das Unternehmen im Juni 2022 mit Vorverträgen von über 33 Prozent der Haushalte die nötige Ausbauquote erreicht. Der angekündigte Fertigstellungstermin Ende 2023 ist jedoch längst verstrichen, ohne dass die Bauarbeiten begonnen haben. Medien wie die Wirtschaftswoche führen dies unter anderem auf die Zinswende zurück: Investoren halten sich demnach mit weiteren Finanzierungen zurück. Auch aus anderen Regionen wird berichtet, dass geplante Ausbauprojekte bislang nicht umgesetzt wurden.