Das in der Mühlbachhalle Mariazell eingerichtete Bürgertestzentrum wird immer mehr in Anspruch genommen und gelangt allmählich an seine Kapazitätsgrenze. Foto: Herzog

Eschbronns Bürgermeister Franz Moser ärgert sich, und das nicht zum ersten Mal, dass funktionierenden Teststrategien trotz hoher Akzeptanz in der Bevölkerung nach wenigen Wochen die Grundlage entzogen wird.

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Eschbronn - Wie er in der Sitzung des Gemeinderats berichtete, habe die Gemeinde gemeinsam mit den Regiodocs für Lehrer und Erzieher mühsam ein Testangebot aufgebaut, das für die zu testenden Personen geringen zeitlichen Aufwand erfordert habe. In zwei Einrichtungen sei eine Quote von 100 Prozent erzielt worden. Grundlage seien Berechtigungsscheine gewesen, mit denen die Ausgaben mit dem Land abgerechnet werden konnten.

Dieses System sei zum 31. März ausgelaufen, ohne dass etwas anderes in ähnlicher Qualität von der Politik angeboten werde, bemängelte der Bürgermeister. Das Land setze nun auf Schnelltests und habe eine Grundausstattung für die Kommunen angekündigt. Da die Gemeinde Eschbronn eine solche Lieferung bislang nicht erhalten habe, habe er in einer Eilentscheidung für 8000 Euro Testmaterial für Schüler, Lehrer und Erzieherinnen für zwei Tests je Woche bis in den Juni bestellt.

"Leider ist das Land nicht bereit, diese Kosten zu übernehmen. Wir werden vermutlich nur einen Teil davon über pauschalisierte Zuwendungen ersetzt bekommen", befürchtete Moser. Es sei der Schulleitung überlassen, wo sie teste.

Bisher großes Glück gehabt

Er befürworte jedoch, in der Schule und in den Kindergärten zu testen. Es sei zu beobachten, dass sich das Infektionsgeschehen zunehmend von den Alten- und Pflegeheimen in die Schulen und Kindertageseinrichtungen verlagere. Mehrere hätten in den vergangenen Tagen deswegen geschlossen werden müssen. "Wir hatten bisher großes Glück. In mehr als nur einem Fall haben wir es der Besonnenheit und dem Verantwortungsbewusstsein von Eltern zu verdanken, dass es bei uns zu keinem Ausbruch gekommen ist", hob der Bürgermeister hervor. Wie lange das Bürgertestzentrum in der Mühlbachhalle bestehen bleiben könne sei fraglich, weil die Kapazitäten allmählich zu knapp würden. Zumindest noch in diesem Monat noch würden weiterhin mittwochs und freitags kostenlose Schnelltests von 17.30 Uhr bis 19 Uhr angeboten. Die Nachfrage sei nicht nur weiterhin hoch, sondern stark steigend.

"Jüngst sind bei einem Termin kurz vor den Osterfeiertagen 94 Personen getestet worden. Damit geraten wir an unsere Kapazitätsgrenze", räumte der Bürgermeister ein.

Durchschnittlich etwa 40 Personen kommen pro Termin in die Mühlbachhalle, um sich freiwillig testen zu lassen. Seit das Bürgertestzentrum am 12. März an den Start gegangen ist, haben knapp 500 Personen das Angebot in Anspruch genommen. Es hat nach Angaben des Bürgermeisters bisher keinen positiven Fall gegeben.

Unterstützt wird die Gemeinde beim Testen von Ehrenamtlichen des DRK-Ortsvereins Schramberg, Feuerwehr Eschbronn, der Verein Bürger für Eschronn und von den volljährigen Minis der Katholischen Kirchengemeinde St. Markus.

Testen bringt Schneeball-Effekt

Rat Fred Zehnder urteilte, er sehe die Lösung der Pandemie nicht im Testen, sondern im Impfen. Je mehr getestet werde, umso höher sei logischerweise die Inzidenz. Das sei ein Schneeball-Effekt. Der positive Fall im Kindergarten Seedorf habe bis nach Eschbronn gewirkt und zur Quarantäne geführt, wusste Zehnder.

Alle Personalkräfte, so Moser, die sich in Schule und Kindergarten aufhielten, hätten eine Impfberechtigung. Die Rückmeldungen seien äußerst hoch gewesen. Er rechne mit einer Impfwilligkeit von gut 80 Prozent.

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