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Universitätsklinikum Tübingen Erfolg im Kampf gegen Malaria

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Jährlich infizieren sich rund 220 Millionen Menschen in den Tropen mit Malaria, knapp eine halbe Million stirbt an der Fieberkrankheit. Foto: James Gathany - CDC / Wikipedia Commons

Tübingen - Alles beginnt mit dem Stich einer infizierten Anopheles-Mücke. Im Speichel trägt sie eine gefährliche Fracht: Die Erreger der Malaria tropica. Jährlich erkranken dadurch rund rund 220 Millionen Menschen, knapp eine halbe Millionen sterben an der Fieberkrankheit. Schutz bieten bislang nur Moskitonetze und Medikamente zur Vorbeugung. Doch letztere sind so teuer, dass sie sich kaum einer derer leisten kann, die sie am meisten benötigen: Die Menschen, die in den typischen Malaria-Gebieten wohnen und am stärksten gefährdet sind – insbesondere die Kinder.

So gehört die Einführung eines Malaria-Impfstoffs zu den wichtigsten Vorhaben der infektologischen Forschung und Gesundheitspolitik. Und nun scheint die Lösung in greifbarer Nähe: Wissenschaftler des Universitätsklinikums und der Universität Tübingen vermelden, dass sie einen hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet haben. Es wurde ein Impfschutz von hundert Prozent erreicht, wird der Direktor des Instituts für Tropenmedizin am Uniklinikum Tübingen, Peter Kremsner, zitiert.

Zugegeben, es ist nicht die erste Erfolgsmeldung, die in Sachen Malaria-Impfung die mediale Runde macht. Schließlich wird weltweit an vielen Impfstoffen gegen die Tropenkrankheit geforscht, 30 bis 50 davon werden von Experten untersucht. Erst im Januar hatte ein Team aus Seattle einen Impfstoff mit genetisch abgeschwächten Malaria-Erregern vorgestellt, der im Tiermodell gut funktioniert hat. Doch nicht selten enden gerade die als am erfolgreichsten gehandelten Studien in einem Misserfolg – das wissen auch die Tübinger Wissenschaftler nur zu gut: Im Sommer 2015 zeigte eine Langzeitstudie mit dem erst hochgelobten Impfstoff namens RTS,S, – an dessen Entwicklung ebenfalls Kremsner und sein Team beteiligt waren – , dass er Malaria nur teilweise verhindern kann.

„Wir verursachen eine Infektion, verhindern aber gleichzeitig den Ausbruch der Krankheit“

Nun also ein neuer Versuch: Und dieses Mal, so sagt es Peter Kremsner, sei alles anders. Das beginnt schon bei dem Wirkstoffselbst: „Bisherige Impfstoffkandidaten basierten zumeist auf dem Einsatz von einzelnen Molekülen der Erreger“, sagt Professor Kremsner. Es zeigte sich jedoch, dass durch derartige Impfungen keine ausreichend schützende Immunantwort ausgelöst wurde. In der jetzigen Impfung werden lebende Parasiten dem Menschen gespritzt – zeitgleich mit einem Malaria-Medikament namens Chloroquin. „Wir verursachen also eine Infektion, verhindern aber gleichzeitig den Ausbruch der Krankheit.“

Das hat den Effekt, dass dort, wo sich der Parasit natürlicherweise als erstes einnistet – nämlich in der Leber – es zu einer explosionsartigen Vermehrung kommt. Was sich erst einmal widersprüchlich anhört, ist von den Wissenschaftlern gewollt: „Bei einer natürlichen Infektion gelangen so wenige Parasiten ins Blut, dass der menschliche Organismus sie nicht gleich erkennt. Der Erreger kann sich so gut in der Leber verstecken“, erklärt Kremsner. Vermehren sich die Erreger aber so schnell, merkt auch der menschliche Körper, dass er nun dringend reagieren muss: Er läutet – unterstützt von dem Malaria-Medikament Chloroquin – eine Immunreaktion ein. „Sobald die Erreger die Leberzellen verlassen, um sich über die Blutbahn zu verteilen, werden sie durch Chloroquin abgetötet“, sagt Kremsner. Zurück bleibt ein sehr guter Immunschutz.

Zumindest hat dies die Studie gezeigt, die Kremsner und sein Team unterstützt durch das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) im Fachjournal „Nature“ am vergangenen Mittwoch veröffentlicht haben. So haben die Forscher 67 Teilnehmern den Malaria-Erreger-Medikamenten-Mix gespritzt. Dabei variierten die Wissenschaftler sowohl die Dosierung als auch die Abstände der drei Impfungen. Anschließend wurden die Teilnehmer mit Malariainfiziert, um zu überprüfen, wie ihr Körper auf die Impfung reagiert hatte. Die beste Immunantwort zeigte sich bei einer Gruppe von neun Probanden, die dreimal in je vierwöchigem Abstand den Impfstoff in einer hohen Dosierung erhielten. „Sie waren alle innerhalb eines Zeitraums von mindestens zehn Wochen hundertprozentig geschützt“, sagt Kremsner. Obendrein gab es bei der Impfung keinerlei Nebenwirkungen.

In Vorbereitung: Eine Studie im afrikanischen Gabun

Doch diese Impfstudien verliefen unter kontrollierten Laborbedingungen. Jetzt muss sich zeigen, ob die erfolgreiche Immunisierung auch im afrikanischen Busch funktioniert – wo es nicht nur einen, sondern zig Typen von Malaria-Erregern gibt. Und wo nicht Wissenschaftler den Zeitpunkt der Infektion bestimmen, sondern es dem natürlichen Zufall überlassen bleibt, wann und welches Kind von einer infizierten Mücke gestochen wird oder nicht. Eine Studie im afrikanischen Gabun mit Kleinkindern bis hin zu Zwölfjährigen sei schon in Vorbereitung, so Kremsner. Sein Ziel: „Auch hier wollen wir die Infektionsrate auf Null drücken.“ Gleiches soll auch für Betroffene in Malariagebieten in Südamerika oder Asien gelten. „Wenn wir schon einen Impfstoff entwickeln, dann soll er jedem helfen.“

Dazu braucht es aber erst einmal genügend Wirkstoffmengen – und die sind alles andere als leicht herzustellen. So müssen die Erreger der Malaria mühsam aus den Speicheldrüsen der Mücke herauspräpariert werden. Selbst Kremsner bezeichnet dies als eine „noch extrem zeitaufwendige Arbeit“. Doch zusammen mit dem Biotechnologie-Unternehmen Sanaria sei man gerade dabei, diesen Prozess zu automatisieren.

Wenn alles nach Plan verläuft, so könnten schon 2019 die ersten Reisenden in tropische Länder von der Malaria-Impfung profitieren. Die Kinder in den afrikanischen Malaria-Gebieten jedoch, müssen noch ein wenig länger warten. Langzeitstudien seien eben extrem aufwendig, so Kremsner.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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