Zu wenige Studenten begeistern sich für technische Fächer. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Mercedes und Bosch befürchten, dass sich der Fachkräftemangel weiter verschärft. Das Land sagt zur Entwicklung: Unser Wohlstand steht auf dem Spiel.

Während viele Unternehmen im Südwesten nach Fachkräften suchen, melden Hochschulen im Land eine hohe Zahl an unbesetzten Studienplätzen. Dies betrifft unter anderem den Maschinenbau, das Bauingenieurwesen und die Elektrotechnik. „Im Bachelor-Studiengang Maschinenbau haben wir in diesem Wintersemester 103 Anfänger – damit füllen wir nur zwei Drittel der Kapazität, die wir eigentlich zur Verfügung haben“, sagt Wolfram Ressel, der Rektor der Universität Stuttgart.

 

Die Einschreibungszahlen bei den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern (Mint-Fächer) liegen in vielen baden-württembergischen Universitäten deutlich unter Plan. „Wir könnten in den Mint-Studiengängen 15 bis 20 Prozent mehr Studierende aufnehmen“, so Ressel auf Anfrage unserer Redaktion. Damit verschärft sich ein bereits länger anhaltender Trend, der sich unmittelbar auf die Unternehmen im Land auswirkt. „Die derzeitigen Studienanfängerzahlen im Maschinenbau sind für den Technologiestandort Baden-Württemberg eine schlimme Nachricht“, so der Rektor der Universität.

„Wir betrachten diese Entwicklung mit großer Sorge“, heißt es dazu aus dem baden-württembergischen Wissenschaftsministerium. Der Wohlstand im Land stehe auf dem Spiel – die Innovations- und die Wirtschaftskraft Baden-Württembergs gründeten auf Branchen, die qualifizierte Studentinnen und Studenten aus Mint-Fächern benötigten. Die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen sei gefährdet, „wenn es nicht gelingen sollte, den Trend zu brechen“.

Regionale Firmen aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau spüren bei der Suche nach jungen Talenten deutlich, dass sich die Zahl der Absolventen aus technischen Studiengängen verringert hat. Dies bestätigen auch Mercedes und Bosch. Das Angebot an akademischen Fachkräften decke bei weitem nicht die Nachfrage heißt es beim Ditzinger Lasertechnikspezialisten Trumpf. „Eine Besserung ist nicht in Sicht“, sagt Ausbildungsleiter Marco Klein: „Der demografische Wandel verschärft die Thematik noch.“ Trumpf stehe in starkem Wettbewerb um qualifizierte Anfänger in diesen Berufsgruppen. „Der Wandel hin zu einem Arbeitnehmermarkt ist hier sehr deutlich zu spüren.“

Unis entwickeln neue Studiengänge

Aktuell entwickelt das Land gemeinsam mit Firmen, Wirtschaftsverbänden und Hochschulen eine Strategie, um wieder mehr Abiturientinnen und Abiturienten für Mint-Studiengänge zu interessieren. „Wir arbeiten an umfassenden Handlungsempfehlungen und wollen diese bis Ende des Jahres vorstellen“, heißt es dazu aus dem Wissenschaftsministerium. Viele Universitäten bieten inzwischen neue Studiengänge an, die sich stärker auf Zukunftsthemen wie autonomes Fahren und die intelligente Auswertung von Daten konzentrieren.