Antikörpermedikamente greifen erstmals die Ursache der Erkrankung an. Das Universitätsklinikum Tübingen meldet Erfolg.
Ein bedeutender Schritt in der Behandlung der Alzheimer-Erkrankung ist am Universitätsklinikum Tübingen gelungen: Erstmals wurde dort eine Patientin mit einem neu zugelassenen Antikörpermedikament behandelt, das den Krankheitsverlauf im frühen Stadium verlangsamen kann. Dies schreibt das Universitätsklinikum in einer Mitteilung.
Seit September 2025 ist der Wirkstoff in Deutschland verfügbar und gilt für viele Betroffene und ihre Angehörigen als Hoffnungsschimmer. Seit Mitte 2025 sind in der Europäischen Union zwei Antikörpermedikamente zugelassen, die bei Menschen mit milder kognitiver Einschränkung (MCI) oder im frühen Stadium der Demenz eingesetzt werden können.
Die ersten zugelassenen Medikamente
Die Wirkstoffe richten sich gegen Ablagerungen des Amyloid-Proteins, sogenannte Amyloid-Plaques, die als ein zentraler Faktor für das Absterben von Nervenzellen bei Alzheimer gelten. Ziel der Therapie ist es, diese Plaques zu reduzieren. „Das sind die ersten zugelassenen Medikamente, die direkt an der Ursache der Krankheit ansetzen“, erklärt Dr. Benjamin Röben, Oberarzt an der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen.
Die erste Tübinger Patientin ist 59 Jahre alt und arbeitet als Lehrerin. Erste Symptome bemerkte sie durch Wortfindungsstörungen und Schwierigkeiten mit Zahlen. Tätigkeiten, die ihr früher leichtfielen, wurden zunehmend zur Herausforderung. „Das Schlimmste ist die Angst, alles zu verlieren, was mich ausmacht“, berichtet sie. Mit der neuen Therapie verbindet sie die Hoffnung, weiterhin ein möglichst normales Leben führen zu können.
Die Vorbereitung der Behandlung war aufwendig. Neben ausführlicher Diagnostik, MRT-Untersuchungen und einem Gentest, der Voraussetzung für die Therapie ist, waren umfangreiche organisatorische Schritte notwendig. „Solche Prozesse im Hintergrund aufzubauen, braucht Zeit“, so Röben. Die Patientin erhält nun alle zwei Wochen eine Infusion und wird engmaschig überwacht, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.
Trotz der Einschätzung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das dem Medikament bislang keinen Zusatznutzen bescheinigt hat, sehen die Tübinger Experten Potenzial. „Es gibt noch wenige Langzeitdaten. Zu sagen, dass das Medikament nicht wirkt, ist aus meiner Sicht verfrüht“, betont Professor Benjamin Bender von der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie.
Innovative Therapien anbieten
Die Therapie sei zwar aufwendig und kostenintensiv, aber an einem universitären Zentrum sinnvoll angesiedelt. Auch Dr. Holger Hengel unterstreicht: „Es ist unsere Aufgabe, innovative Therapien anzubieten, solange es medizinisch vertretbar ist.“