Laborgebäude haben ausgedient – Verein bietet sich als Bauherr für Studentenwohnungen an.
Sttutgart - Zum Semesterbeginn suchen nach wie vor mehr als 1000 Studenten nach einer bezahlbaren Bleibe. Ein Verein würde gern ein weiteres Wohnheim in Uni-Nähe bauen, doch das Grundstück gehört dem Land und wird verkauft. Ob die neuen Eigentümer mit dem Verein kooperieren, ist offen.
Das Azenbergareal im Norden ist von der Uni, der Technischen Hochschule und der Dualen Hochschule bequem zu Fuß zu erreichen. Es wird begrenzt von der Seestraße, der Relenbergstraße und der Wiederholdstraße. Mehrere Gebäude waren vom Max-Planck-Institut genutzt und stehen nun, seit dem Umzug nach Büsnau, zum Abriss oder zur Umnutzung bereit, das ehemalige Landesgesundheitsamt in der Wiederholdstraße ausgenommen: Es steht unter Denkmalschutz.
"Unser Angebot steht seit Mai"
Eigentümer dieses Sondergebiets für Hochschulnutzung ist das Land, doch man möchte sich davon trennen. Deshalb hat das Amt für Vermögen und Bau die Liegenschaften gegen Höchstgebot öffentlich ausgeschrieben. "Wir hatten viele Interessenten aus dem gesamten Bundesgebiet und inzwischen einen engeren Bieterkreis", sagt die Amtsleiterin Ilse Lange-Tiedje. Denn mit dem Einverständnis der Stadt wurde die Sondernutzung aufgehoben und in eine Wohnnutzung umgewandelt. An der haben offensichtlich viele Investoren ein Interesse.
Einer davon ist die Vereinigung Stuttgarter Wohnheime e. V., ein gemeinnütziger Verein, dem Joachim Schwarze vorsitzt, der ehemalige Kanzler der Universität Stuttgart. "Wir haben eine Bebauung angeboten und würden dort gern ein Studentenwohnheim mit 250 bis 300 Wohnplätzen errichten", sagt Schwarze, "allerdings können wir das nicht ohne Hilfe tun." Der gemeinnützige Verein dürfe keine Grundstücke erwerben, sondern nur bebauen. Deshalb könne Schwarze beim Verkauf nicht mitbieten.
"Unser Angebot steht seit Mai", sagt der Vereinsvorsitzende, "und es ist nicht von Pappe." Der Verein würde die Kosten für einen Neubau in Höhe von "geschätzt" acht Millionen Euro übernehmen - "und ohne Zuschüsse des Landes bauen". Die Mittel habe man aus den 2500 Studentenwohnungen erwirtschaftet, die der Verein seit 1973 gebaut hat. Man wolle 3- bis 4-Zimmer-Wohngemeinschaften bilden. Schwarze: "Wenn die Studentenzahlen wieder rückläufig sind, sind die Wohnungen auch anders nutzbar."
Areal soll nicht filetiert werden
Nach Angaben des Amts für Städtebau und Planung der Stadt Stuttgart sind Zielwerte für das Gebiet schon festgelegt. Demnach darf die Fläche zu 40 Prozent überbaut werden, 20 Prozent der Wohnungen sollen öffentlich gefördert sein, und man will Baugemeinschaften berücksichtigen. Sollte der neue Eigentümer das Gebiet zu Wohnzwecken überbauen, sei ein städtebaulicher Gutachterwettbewerb vorgesehen. Allerdings würde die von der Stadt bis jetzt vorgesehene viergeschossige Bauweise ein nach oben strebendes Wohnheim ausschließen.
Ob unter den Bietern, die zum engeren Kreis gehören, ein Käufer Interesse zur Kooperation mit der Vereinigung Stuttgarter Wohnheime hat, will Ilse Lange-Tiedje vom Amt für Vermögen und Bau "zum jetzigen Stand der Verhandlungen" nichts sagen.
Sicher ist momentan nur, dass das gesamte Areal nicht filetiert, sondern als Gesamtfläche verkauft werden soll - und Joachim Schwarze nach wie vor auf ein Kooperationsangebot wartet.