Viel Prominenz wird bei einem ungewöhnlichem Polo-Turnier in Donaueschingen erwartet – die Teilnehmer sind auf Steckenpferden unterwegs. Die Benefiz-Veranstaltung findet am 9. September statt. Sie verspricht jede Menge Spaß für den guten Zweck.
Was für ein Spaß war es einst: mit dem Steckpferd quer durch die Wohnung, um den Esszimmertisch, hinauf auf das Sofa, über die Lehne und hinab, eine scharfe Kurve durch das Wohnzimmer hinaus in den Flur – immer im Galopp. Eine längst vergessene Freude aus Kindertagen? Nein, denn Steckenpferde sind mehr als ein Spielzeug, das es bereits in der Antike gab. In Finnland beispielsweise gibt es unter dem Namen „Hobby Horsing“ gar Wettkämpfe. Rund 10 000 Finninnen – meist Kinder und junge Frauen – sollen diese Sportart betreiben, und mittlerweile schwappt der Trend auch in andere Länder.
Szenenwechsel: Poloplatz Donaueschingen, Mittwochabend. Polospieler jagen über den Platz, den Ball fest im Blick, den Stick in der Hand, im Galopp. Ein Spieler holt aus, befördert den Ball ins Tor. Jubel. Eines sucht man auf dem Poloplatz an diesem Abend vergebens: richtige Pferde, denn alle Spieler sind auf Steckenpferden unterwegs.
Sie trainieren für ihren großen Tag: Am Samstag, 9. September, gibt es ein Turnier – mit viel Spaß und für den guten Zweck. Die Idee dazu wurde an einem dieser Abende geboren, an dem nicht nur Mineralwasser auf dem Tisch stand. Es saßen zusammen: Oberbürgermeister Erik Pauly, GUB-Fraktionssprecher Marcus Milbradt und Kerstin Tritschler, die die Poloturniere für das Fürstenhaus organisiert.
Irgendwann ging es um das CHI-Reitturnier, das es in diesem Jahr nicht geben wird und wie schade das sei. Irgendwas müsse man doch tun. „Ich kann organisieren und reiten, aber ihr könnt ja nicht reiten“, sagte Kerstin Tritschler damals. Irgendwann kamen Steckenpferde ins Spiel – und der Spaß, dass man damit ja auch reiten könnte. Und die Idee überdauerte den Abend. Bei der Bürgerversammlung kam das Thema wieder auf, und Jens Reinbolz war im Boot.
Mehrere Politiker machen den Spaß mit
„Ich sagte damals, dass ich vier Teams brauche. Zwei sollten die anderen organisieren, zwei ich“, erinnert sich Tritschler. Und so gingen Marcus Milbradt und Jens Reinbolz auf die Suche nach weiteren Steckenpferde-Reitern und Kerstin Tritschler machte sich ans Organisieren. Wenn es schon ein Ersatz-Turnier gibt, wäre es doch eine hübsche Idee, wenn der zukünftige CHI-Veranstalter Matthias Rath, der ab 2024 die Donaueschinger Traditionsveranstaltung ausrichten wird, mit dabei wäre. „Er hat nicht nur zugesagt, er stellt auch ein eigenes Team.“ Fehlte noch ein Team, und das ist gespickt mit Namen, die man über die Grenzen von Donaueschingen hinaus kennt – Guido Wolf und Niko Reith aus dem Landtag, Derya Türk-Nachbaur aus dem Bundestag, Björn Andersohn aus dem Profifußball. Mike Biehler, Bürgermeister von Görwihl, wird auch nach Donaueschingen kommen. Zusammen mit Christian Metz ergeben sie das Team „Fürstenberg Polo Club“.
Moment? Wolf, Reith, Türk-Nachbaur ... fehlt da nicht ein Abgeordneter? Auch Thorsten Frei ist mit dabei. Allerdings in einer ganz besonderen Rolle. Er ist der Joker. Jedes Team darf den Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion einwechseln – eine Minute pro Spiel. Während SPD-, FDP- und CDU-Abgeordnete über das Polofeld galoppieren, wird der Grünen-Vertreter am Spielfeldrand warten und hoffen, dass er keinen Einsatz hat. Denn wenn der Grünen-Fraktionssprecher im Donaueschinger Gemeinderat, Michael Blaurock, tätig wird, dann heißt das: Jemand hat sich verletzt, und der offizielle Steckenpferd-Turnier-Arzt wird benötigt.
Schiedsrichter ist Christian Erbprinz zu Fürstenberg
Damit es möglichst fair zugeht, gibt es zwei Unparteiische. OB Erik Pauly wird sich auf sein schwarz-weißes Steckenzebra schwingen und als Oberschiedsrichter ist Christian Erbprinz zu Fürstenberg im Einsatz. Schließlich weiß er, wie man Polo spielt und kennt alle Regeln. Er wird das Spiel auch kommentieren und den Zuschauern erläutern, was auf dem Platz vor sich geht. Apropos Zuschauer: Die müssen keinen Eintritt bezahlen, sondern Einlass gibt es auf Spendenbasis – jeder gibt so viel, wie er kann. Das Gleiche gilt auch für die Getränke. „Wir werden hier nichts verdienen“, erklärt Kerstin Tritschler. Alles soll der Sternschnuppenbande in Villingen-Schwenningen zugute kommen. Sie betreut schwerst-mehrfachbehinderte und körperbehinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
Los geht es um 12 Uhr. Es gibt drei Spiele, das erste um 12.30 Uhr und das zweite um 13.15 Uhr. Die Begegnungen sind noch geheim, aber Massimiliana Fürstin zu Fürstenberg hat sie schon ausgelost. Das Finale wird um 14.15 Uhr ausgetragen.
Für die Polospieler gibt es derweil eine Trainingspause. Björn Anderson lässt sein Steckenpferd wiehern. Wolfgang Hansel macht sich Sorgen um seine Rosinante, schließlich sieht es nach Regen aus. „Letztes Mal hatte sie einen Gummistiefel“, sagt er und galoppiert ein Stück. Marcus Milbradt wechselt das Pferd. Wie? Er hat zwei Steckenpferde? „Fünf“, sagt er stolz. Selbst gebastelt. Alte Socken ausgestopft, pro Steckenpferd drei Stunden. Das zeigt, Steckenpferde-Polo ist zwar jede Menge Spaß, aber auch eine ganz ernste Sache.
Die Teams
Es treten an
Los caballeros brillantes en sus corceles de fuego (Marcus Milbradt, Wolfgang Hansel, Markus Knöpfle, Markus Kuttruff, Olaf Degenkolbe und Sven Mäder); das CHI Connects Team (Matthias Rath, Ulrike Steeb, Lea-Sophie Baberg, Svenja Peters und zwei weitere Spieler); der Fürstenberg Polo Club (Niko Reith, Christian Metz, Mike Biehler, Guido Wolf, Björn Anderson und Derya Türk-Nachbaur) sowie die Donauwashington Caballeros (Hans Geray, Kai Sauser, Jens Reinbolz, Sebastian Schnitzer, Gregor Lange, Marco Gässler und Jan Moll).