Die Fasnet der Narrenzunft in Brigachtal hat eine lange Geschichte. Heute wird der Umzug von der Staatskarosse – halb Auto, halb Kutsche – angeführt.
Die Staatskarosse ist ein Unikat, halb VW-Käfer, halb Pferdekutsche. Früher war es eine Pferdekutsche, und die Umzüge begannen ganz bescheiden im Weiler Beckhofen.
Ehrenbürger Max Hirt erinnert sich an die Zeit, als ein kleiner Umzug in Beckhofen mit der Pferdekutsche seinen Anfang nahm. „Zwei Pferde wurden vor dem Gasthof Ochsen in Beckhofen vor die Kutsche gespannt, und dann ging es nach Klengen in die Hauptstraße bis zum Weißmann, dann bis zum Bahnhof in das Gasthaus, oder nach Überauchen zum Gasthaus Kranz“, erinnert er sich.
„Einige Strohmänner und einige Wuescht folgten der Kutsche sowie einige Dominos. Das waren wir, ganz in schwarz und mit einer schwarzen Maske“, erzählt er weiter. Man habe nicht gewusst, wer sich hinter der schwarzen Maske verbarg, habe es auch nicht erfahren, aber in den Gasthäusern habe man kräftig gestrählt, so Hirt, der damals ein junger Mann war, wie er betont.
Damals habe es die Narrenzunft noch nicht gegeben, die wurde am 23. Oktober 1971 im Gasthaus Kreuz gegründet, so Hirt. Zu dieser Zeit starteten die ersten Umzüge von der Gartenstraße in Klengen und führten in die Hauptstraße.
Brunnenfigur am Ortsbrunnen
1984 wurde der Ortsbrunnen in Klengen neu gestaltet und ab dann begann die Fasnet im Brigachtal mit Aufstellung der Brunnenfigur am Ortsbrunnen.
Zu dieser Zeit gab es auch schon einen größeren Umzug zum Brunnen und am Rosenmontag durch Klengen, aber immer noch angeführt von einer Pferdekutsche.
Längst wurde die Pferdekutsche von der Staatskarosse abgelöst, die heute von Wolfgang Weißhaar gesteuert wird, auf dem Kutschbock sitzen Narrenräte mit der Brunnenfigur. Gefolgt wird die Staatskarosse von den Vorständen Manfred Maier und Günter Obergfell mit der Fahne. Wenn man die Staatskarosse betrachtet, weiß man nicht so richtig, wie sie sich bewegt.
Wolfgang Weißhaar, der das Unikat fährt, hat sich vor einigen Jahren kundig gemacht, er berichtet: „Bis 1972 zogen die Pferde die Kutsche. Dann erblickte Oswald Keller im Garten von Sohn Günter einen alten VW-Käfer, der auf sein Ende wartete“. Der Oswald hätte einen Geistesblitz gehabt, er wollte das Vehikel für die Narren haben, und der damalige Vorstand Karl Hirt und Erich Hirt wären begeistert von seiner Idee gewesen“, so Weißhaar. Er habe weiter bei älteren Bürgern nachgeforscht und erfahren, wie es weitergegangen war: Die Kutsche, das edle Gefährt, habe Weißhaars gehört. Sie sei in die Garage von Oswald Keller gezogen worden, dann habe man geschwitzt, sich verrenkt, geflext und geschweißt – und nach vielen Mühen sei die Karosse fein da gestanden. Sie fuhr und hielt zunächst 20 Jahre.
Viele kümmern sich um das Gefährt
Dann nahm sich Martin Löffler ihrer an und sie schaffte erneut 17 Jahre. Später war Reiner Obergfell zur Stelle, war Kutscher und reparierte die Staatskarosse. Heute sei es Sascha Feuerstein, der sie repariert, wenn nötig – und sie fährt immer noch, zählt Wolfgang Weißhaar auf und hofft, dass alles so stimmt, wie es ihm erzählt wurde.
Also vorne ist die Staatskarosse Käfer, mit Laternen statt Scheinwerfern, grün-gelb ist sie lackiert. In der Mitte wurde der zweite Teil des Käfers oben abgesägt und der Kutschbock aufmontiert, darunter, gut versteckt, tuckert noch der VW-Motor. Was will man mehr, wie hieß es immer früher: „Er läuft und läuft und läuft“.