Zwei Verletzte mussten aus der leeren Schwarzenbach-Talsperre gerettet werden. Foto: Uli Deck/dpa

Nach zwei Rettungen an der Schwarzenbach-Talsperre warnt eine Psychologin vor Selbstüberschätzung. Menschen würden Gefahren unterschätzen, wenn sie nicht unmittelbar spürbar seien.

Nachdem zwei Menschen aus dem leeren Stausee der Schwarzenbach-Talsperre gerettet werden mussten, warnt eine Psychologin vor dem Unterschätzen von Gefahren – und der eigenen Selbstüberschätzung.

 

„Menschen ignorieren Verbote nicht, weil sie die Gefahr nicht verstehen, sondern weil sie sie nicht spüren“, sagt die Notfallpsychologin Benita C. Zimmer. „Unser Gehirn bewertet Risiken vor allem dann als ernst, wenn sie unmittelbar erlebbar sind.“

Ein trockengelegter Stausee wirke auf den ersten Blick ruhig und harmlos. „Dass der Untergrund instabil sein kann oder abrutschende Kanten drohen, ist nicht offensichtlich und wird deshalb häufig unterschätzt“, sagt Zimmer.

Psychologin: Ungewöhnliche Orte erzeugen Gefühl von Abenteuer

Dazu komme ein typischer Denkfehler: „Viele Menschen gehen unbewusst davon aus, dass es schon gut gehen wird“, sagt Zimmer. „Diese Selbstüberschätzung ist gut belegt und führt dazu, dass Warnhinweise zwar gelesen, aber innerlich relativiert werden.“

Gerade ungewöhnliche Orte verstärkten diesen Effekt, weil sie Neugier weckten und ein Gefühl von Ausnahme oder Abenteuer erzeugten. „Wenn Absperrungen zudem leicht zu umgehen sind oder keine direkte Kontrolle stattfindet, sinkt die Hemmschwelle zusätzlich.“

Am Sonntag mussten Feuerwehr, Bergwacht und Rettungsdienst nacheinander zwei verletzte Menschen aus dem abgelassenen Stausee retten. Laut dem für die Talsperre zuständigen Energieversorger EnBW weisen zahlreiche Schilder rund um den See darauf hin, dass das Betreten des Bereichs verboten ist. Der See wurde demnach abgelassen, um unter anderem an der Staumauer zu arbeiten.