Die Netzentgelte als Stromnetzgebühren sind ein Teil des Strompreises. Über diese Entgelte werden auch der Ausbau des Stromnetzes und Maßnahmen zur Systemsicherheit bezahlt. Foto: dpa/Jan Woitas

Menschen im Norden tragen zunehmend die Kosten für den Netzausbau. Diese Ungerechtigkeit gefährdet die Energiewende, kommentiert unser Autor Jonas Schöll.

Wie ungerecht die Stromgebühren in Deutschland verteilt sind, zeigt der genaue Blick in die Rechnung: Knapp ein Viertel des Gesamtpreises macht das sogenannte Netzentgelt aus. Doch die Extrakosten, die jeder Haushalt für den Transport von Strom bezahlt, unterscheiden sich in Deutschland erheblich. Der Systemfehler: Investitionen für die Anbindung von Windrädern sollen vor allem Anwohner schultern. Genutzt wird die Energie der Anlagen aber von allen Stromkunden – egal ob sie 50 oder 500 Kilometer von einem Windrad entfernt wohnen.

 

Stromschmarotzer aus dem Süden

Es ist verständlich, dass sich Bundesländer im Norden mit einer vergleichsweise hohen Produktion erneuerbarer Energien benachteiligt fühlen. Die Verbraucher dort finanzieren den Netzausbau für den Transport der Energie an die großen Industriestandorte. Davon profitieren auch Stromkunden in Baden-Württemberg – ohne sich an den Infrastrukturkosten zu beteiligen.

Die Bundesnetzagentur will das nun ändern. Laut den am Freitag veröffentlichten Eckpunkten wären Netzbetreiber künftig berechtigt, ihre Mehrkosten auf alle Stromverbraucher umzulegen. Fair wäre das, denn dort, wo der Strom produziert wird, sollte er nicht teurer sein als dort, wo er verbraucht wird.

8,40 Euro für mehr Stromgerechtigkeit

Der Preis für mehr Stromgerechtigkeit wäre überschaubar. Nur 8,40 Euro mehr müsste ein durchschnittlicher Haushalt pro Jahr zahlen, rechnet die Behörde vor. Das Geld wäre gut investiert: Sonst wird die ohnehin bröckelnde Zustimmung zur Energiewende ausgerechnet dort gefährdet, wo der Großteil der erneuerbaren Energien erzeugt wird.