Und wieder war Sabine Pühl in Uganda: Die Krankenschwester aus Calw hat einmal mehr ein OP-Camp in dem ostafrikanischen Land organisiert. Medizinische Fachkräfte aus dem Südwesten halfen dabei weit mehr als 200 Menschen mit Brüchen im Bauchbereich.
Calw - 2021 hat Sabine Pühl praktisch alle wichtigen Feste in Uganda verbracht: ihren Geburtstag, den ihrer guten Freundin und Krankenhausleiterin, Sister Mary, Weihnachten und Silvester. Wobei Letzteres schnell vorbei war. "Da ist nichts", erzählt Pühl lachend, weshalb sie den Jahreswechsel verschlafen habe. Zumal die tatkräftige Calwerin nicht zum Feiern, sondern zum Arbeiten in Uganda war. Mal wieder.
2013 erstmals im Einsatz
Seit sie 2013 zum ersten Mal für einen Arbeitseinsatz vor Ort war, lässt Uganda die OP-Schwester nicht mehr los. Seither unterstützt sie dort nicht nur jedes Jahr Krankenhäuser mit ihrer Mitarbeit, sondern sammelt zu Hause medizinische Ausrüstung, die sie in Schiffscontainer packt und von Calw aus auf die Reise nach Afrika schickt. Wer sich mit Pühl über ihr Engagement unterhält, der erfährt, wie aufreibend die Erlebnisse mit dem ugandischen Zoll dabei sein können. Aber auch, wie erlebnisreich und lohnenswert die Mitarbeit etwa im Krankenhaus St. Francis für sie ist.
Viele Kollegen angesteckt
Mit ihrer Begeisterung für das Engagement hat sie schon viele Kollegen angesteckt. Zuletzt Chirurgen, Narkoseärzte, eine Anästhesiepflegekraft und OP-Pfleger. 15 Personen, inklusive Pühl, richteten von 29. November bis 9. Dezember im St. Francis Buluba Hospital das OP-Camp aus. Kollegen Pühls aus Pforzheim, Singen, Böblingen und Calw. Anreise und Unterkunft bezahlen sie selbst, für den Einsatz nehmen sie Urlaub. In zehn Tagen hat das Team 228 Patienten operiert – alle litten an Brüchen im Bauchbereich. Das sei ein weit verbreitetes Krankheitsbild in Ostuganda. "Da könnte man drei Monate durchoperieren."
Viele Ugander können sich Eingriff nicht leisten
Die Eingriffe wurden großteils mithilfe von Spenden möglich, erklärt Pühl. Etwa 60 Euro kostet es umgerechnet, einen Leistenbruch zu richten. Für viele Ugander ist das viel zu viel Geld, weshalb sie jahre-, wenn nicht jahrzehntelang mit ihrem Leiden leben. Beim OP-Camp mussten sich die Patienten lediglich mit drei Euro an den Kosten beteiligen. Das erste Operationscamp hatte im März 2019 stattgefunden. Damals konnten die medizinischen Fachkräfte aus Deutschland 125 Menschen helfen. Inzwischen sind es fast doppelt so viele.
Jeden Tag 25 Operationen
Um ein solches Pensum zu schaffen, ging es für die Helfer aus dem Südwesten morgens um 7.30 Uhr los. Da saßen die Patienten bereits im Flügelhemd bereit. Rund 25 Operationen standen jeden Tag auf dem Programm, die afrikanischen Kollegen halfen mit. "Da muss was laufen, das ging ratzfatz", sagt Pühl. Auf vier OP-Tischen gleichzeitig wurde gearbeitet. Unter den Patienten waren 20 bis 30 Kinder, sogar Zweijährige seien operiert worden. Von früheren Einsätzen waren alle für die Eingriffe nötigen Instrumente im Krankenhaus vorhanden. Im September, als die Calwerin zuletzt in Uganda war, hatte sie bereits die OP-Sets vorbereitet.
Nächste Aktion im Sommer
"Wir haben viel gearbeitet", meint die 53-Jährige. Trotzdem hätten sie auch viel Spaß gehabt. "Beim letzten Patienten waren wir ganz euphorisch." Die positiven Erlebnisse während des Einsatzes wirken offenbar auch bei den deutschen Helfern nach. Praktisch alle wollen bei einem weiteren OP-Camp, das nächste soll im November stattfinden, wieder mithelfen, erzählt Pühl.
Sie selbst kehrte erst Anfang Januar wieder nach Deutschland zurück, unter anderem hatte sie noch in einem anderen Krankenhaus mitgeholfen, Knochenbrüche zu operieren. Kaum zu Hause, meinte die 53-Jährige: "Eigentlich könnte ich schon wieder fliegen." Gut, dass der nächste, vierwöchige Einsatz bereits in Aussicht ist – im Sommer. Derweil sammelt sie neben ihrer Arbeit als OP-Schwester in Deutschland wieder medizinische Ausrüstung für die ugandischen Krankenhäuser. "Ich hab schon wieder eine Röntgenanlage", berichtet Sabine Pühl lachend. Nichts zu organisieren, das ist einfach nicht ihr Ding.
Info: Kontakt
Wer Sabine Pühl in ihrem Engagement unterstützen möchte, der erreicht sie per E-Mail an sabine.puehl68@gmail.com; für Spenden: www.helfende-haende.cw-net.de.