Wird in Liebelsberg bald ein Stall für 6000 Hähnchen stehen? Foto: ©monticellllo - stock.adobe.com

Seit Monaten steht die Frage im Raum, ob ein neuer Hähnchenmaststall in Liebelsberg gebaut werden soll. Das Landratsamt sollte entscheiden. Wie ist der aktuelle Stand?

Bereits in der ersten Sitzung nach den Sommerferien 2025 befasste sich der Technische und Umweltausschuss (TUA) mit der Bauvoranfrage für einen Hähnchenmaststall für bis zu 6000 Tiere in Liebelsberg.

 

Die Verwaltung lehne das Vorhaben ab, so Petra Schupp zu Beginn der Sitzung im September.

Weshalb die Ablehnung der Verwaltung?

Bürgermeisterin Petra Schupp erklärte im September: „Das Problem ist die kurze Frist.“ Die Bauvoranfrage sei bereits im August gestellt worden. Nach neuen Vorgaben müsse diese binnen einen Monats entschieden werden, sonst gelte sie als genehmigt, wird in der Sitzung im September mitgeteilt. Laut Schupp sei das zu wenig Zeit gewesen, um wichtige Fragen zu klären.

Bei diesen geht es laut Sitzungsvorlagen unter anderem um Geruch und Lärm, die durch 6000 Hähnchen entstehen. Die Stadt sehe als mögliche Betroffene die Anwohner, das Naherholungsgebiet um den Premiumwanderweg „Wolfsgrube“ sowie den Campingplatz. „Der Bau wird das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen“, war zu lesen. Auch die Flächenauswahl selbst wurde von der Stadt infrage gestellt. Bereits 2022 sei dem Antragssteller eine Fläche im Gewerbegebiet verkauft worden, die zuerst bebaut werden solle. Die Standortfrage müsse der Ausschuss beantworten, so Schupp. Alles weitere prüfe die untere Baurechtsbehörde im Landratsamt.

Volle Zustimmung vonseiten des Ausschusses

Der TUA hingegen relativierte die Punkte der Stadt. Andere Ställe seien viel näher an Wohnhausbebauung als dieser und der nahe gelegene Wanderweg müsse das nun mal aushalten.

Der TUA stimmte geschlossen für den neuen Stall. Andreas Kubesch (UGL) beispielsweise fand gut, dass Wertschöpfung in der Gemeinde gehalten werde. Auch von Lars Dannenmann (UWV) ist damals zu hören, wer „gut produziertes“ Fleisch wolle, müsse solche Ställe akzeptieren.

Zu damaligem Zeitpunkt wurde mitgeteilt, dass nun also das Landratsamt die Einhaltung weiterer Vorschriften prüfen müsse.

Von Mara Müssle, Pressesprecherin des Landratsamtes, ist nun auf Anfrage unserer Redaktion zu erfahren, dass im Rahmen der Bauvoranfrage „die grundsätzliche Zulässigkeit in Bezug auf alle öffentlichen Belange für den beantragten Tierwohl-Hähnchenmaststall geprüft“ werde. Dabei sei neben den baurechtlichen und naturräumlichen Themen auch der Immissionsschutz zu bewerten. Eine abschließende Entscheidungen zu den Geruchsimmissionen werde erfolgen, „sobald alle entscheidungsrelevanten Unterlagen dazu vollständig vorliegen“. Ob ein Hähnchenmaststall an dem vorgesehenen Standort letztlich möglich ist oder doch ein anderer Standort gesucht werden muss, wird sich erst danach entscheiden.

Laut Bürgermeisterin Schupp im September sei eine Anwohnerbeteiligung baurechtlich in diesem Verfahren nicht erforderlich.

Wie ist der Stall überhaupt geplant?

Den damaligen Ausschussunterlagen zufolge sei ein Gebäude mit den Maßen 66 Meter auf 27,30 Meter geplant. Das mit zwölf Grad Neigung eher flache Satteldach soll eine Firsthöhe von 7,37 Metern haben. Der Mist der bis zu 6000 in dem Gebäude unterkommenden Tiere könne auf der Nordseite des Gebäudes gelagert werden, bis er als Dünger ausgebracht werden könne. Laut Bauvoranfrage soll der Stall außerdem nach Tierwohlaspekten errichtet werden.

Der Stall soll auf dem Flurstück 190 entstehen. Dieses befindet sich nordwestlich von Liebelsberg und liegt zwischen zwei landwirtschaftlichen Wegen. In der Nähe befindet sich darüber hinaus eine weitere landwirtschaftliche Anlage und der Campingplatz sowie Wohnbebauung im Süden.