Hoch auf dem Wagen ging es für das Prinzenpaar durch den Ort. Foto: Decoux

Der große Fasentumzug wurde zum Publikumsmagnet. Aus Nah und Fern kamen die Besucher, um die Kreativität der zahlreichen Gruppen zu bestaunen.

Tausende Narren, die beim Fasentumzug dicht an dicht die Dorfstraßen säumten, hatten am Sonntag Münchweier in der Hand. Mehrere hundert geparkte Autos am westlichen Ortsausgang bezeugten, dass der große Umzug erneut auch viele auswärtige Gäste angelockt hatte.

 

Traditionell führten nach dem Umzugsverkünder Uwe Fischer und den Fasent-Oldies mit kleinen Häppchen im „Wägeli“ die heimischen Gelruewe mit Fahnenträger, Häs-Rittern, Marktwiebli und Bur das spektakuläre Geschehen an. Und das unter Begleitung der Musikverein-Kapelle.

Hoch auf dem Wagen thronte die neue Gelruewekönigin Luana I. mit ihrem Prinzgemahl Max I. Begleitet wurde der „Adel“ von einer mannstarker Eskorte durch „schottische“ Hochländer vom Sportverein.

Fanfarenzüge sorgen für musikalische Höhepunkte

Ansonsten ging es wiederum gewohnt hexenreich zu, neben Altdorfer Rossbach-Hexen auch solchen aus Kippenheim, Wagenstadt, sowie besonders zahlreichen Balthasar-Hexen aus Rust und den ebenso furchterregend Maskierten aus Lahr mit grüner Schürze und rotem Rock.

Zwischendurch taten sich die Rheinhausener Sändle-Schränzer, Gullerkepf aus Widdewier (Wittenweier) und besonders pfeifstarke Kippenheimer Moorebätscher im bunten Umzugsgeschehen mit lauten Guggemusik-Tönen hervor, musikalisch verstärkt etwa auch durch den Orschweierer Musikzug, die Ettenheimmünsterer Trachtenkapelle und die beiden Fanfarenzüge aus Kappel und Rust samt deren kräftigen Fahnenschwingern (letzterer sogar gleich mit je elf Fanfaren und Trompeten angereist).

Überdies bereicherten viele narrenvereinsfreie Fußgruppen den auch dafür gerühmten Münchweierer Umzug. Darunter heuer etwa Insulaner als gestreifte Großbienen, grün-goldige Schwarzwaldelfen aus Altdorf, blau schimmernde Meeresgöttinnen oder bunt flatternde Münchweierer Papageien. Eine Gruppe des TuS Mahlberg begeisterte als perücken-verkleidete und Plastikgitarren schwingende Modern-Talking-Ikonen Dieter Bohlen und Thomas Anders.

Unter den etablierten benachbarten Narrenzünften fanden sich im Gelbrübendorf gewohnt etwa die Fasentgemeinschaft der zahlreichen Wagenstädter Pflüme wieder ein, samt gleich drei Gardeabteilungen. Die Ruster Hanfrözi brachten nicht nur ihren neuen Vogt mit, sondern gleich mehrere dutzend Hästräger im braunen Hanfkostüm mit rhythmisch gedrehten Rätschen.

Dicht drängten sich Hexen und Zaungäste. Foto: Decoux

Tierisch präsentierten sich hingegen die Wielemer Wölfe aus Ettenheimweiler ebenso wie die schwarz bepelzten Gorillas aus Schuttern, während die Lahrer Narro-Gruppe im Harlekin-Häs oder solchen mit Weinkorken begeisterte, die Wallburger Wilden Christen hingegen in roten Teufelsmasken an alten Kloster-Widerstand erinnerten. Die Ettenheimer Hoorigen hatten natürlich wie gewohnt ihre Saublodere-bewaffneten Hästräger der Muggedatscher und Stadtlatschi samt Babelotten mitgebracht, die Ettenheimmünsterer Wällebengel ebenso ihre waldgrüne Tarnung genutzt wie die Schwarzwälder Risigwibli aus Lahr, während Orschweierer Hornige ihre Jockele und Kühe im Spättle-Outfit präsentierten.

Piraten brachten ein ganzes Schiff mit. Foto: Decoux

Ans Ende der langen närrischen Prozessionsschlange waren vorab die großen Umzugswagen positioniert worden. Da hatten sich die „Party-Choppes“ mit einem lauten Disco-Gefährt auf den illustren Föhnwellen-Schlagerstar Dieter Thomas Kuhn eingeschossen, während die ortseigene „Hiddi im Brucktal“ mit einer rollenden Pagode samt Mauer chinesisches Flair ins Dorf brachte. Mit dabei waren Pandabären und eine sich durch die Straßen schlängelnde Stoffschlange.

Nicht minder begeisterten die ebenso ortsansässigen „Los Piratos“ nun schon mit ihrem vierten Kaper-Schiff samt auf dem Bugspriet sitzendem Gerippe und über 80-köpfiger mitlaufender Seeräuber-Besatzung samt Nachwuchs.

Fünf kreative Großwagen begeisterten die Menge

Auch der dörfliche „Bauwagen“ brillierte erneut mit einem Filmthema: Zurück in die Zukunft! Dafür hatten die Wagenbauer tatsächlich einen alten Audi 80 zum futuristischen Reisewagen umgeschraubt und sich ansonsten in großer Zahl filmgerecht als entsprechende Zukunftshelden mit Professorenperücken verkleidet. Als neu gegründete Fasentgruppe empfahl sich schließlich ein Freundeskreis aus Altenheim mit einer rollenden Schokoladenfabrik des Willi Wonka. Schließlich brachte auch noch die „Aldener Fasentgruppe“ sogar die galaktischen Welten des Star-Wars-Geschehens auf die Münchweierer Straßen.

Das Fazit fiel positiv aus: Buntes alemannisches Brauchtum mit Spättle-Häs und Holzmasken blieb trotz fünf einfallsreicher Großwagen in Münchweier zur Begeisterung des Publikums lebendig. Das lockte auch viele von Eltern begleitete Kinder an. Weit angereist war etwa die Familie Stocki aus Lörrach und Maulburg. Die waren hell begeistert, staunten nur, dass das bei ihnen zuhause nicht durchsetzbare Konfettiverbot hier eingehalten wird. Dafür blieben zahlreiche Verpackungsreste auf den Straßen liegen.