Bis Mai können sich Vereinsvertreter und Vertreter des öffentlichen Burladinger Lebens noch monatlich zum Stammtisch im „Kesselhaus“treffen. Es folgt eine kurze Pause, anschließend geht es in „Roders Landhotel“ im benachbarten Gauselfingen weiter. Am Tisch: Stammtischmitglieder. Stehend: Valerie und Michael Roder mit Tochter, rechts daneben Hannelores und Uli Fink, vormalige Betreiber des Gauselfinger „Wiesentals“ – das die Roders jetzt übernehmen. Foto: Hubert Pfister

Der Burladinger „Kesselhaus“-Stammtisch hält den Wirtsleuten die Treue und probt schon einmal den Umzug nach Gauselfingen.

Seit 1981 betrieb das Ehepaar Uli und Hannelore Fink das „Hotel Landgasthof Wiesental“ in Gauselfingen, Zollernalbkreis. Michael und Valerie Roder wiederum übernahmen am 24. Juni 2016 das „Kesselhaus“ in der Burladinger Ambrosius-Heim-Straße. Beides ist, wie schon berichtet, bald Geschichte.

 

Hintergrund: Im Dezember 2025 stellten Uli und Hannelore Fink altershalber, aber auch gesundheitsbedingt, den Gaststättenbetrieb im „Wiesental“ ein. Das zugehörige „Hotel Garni“ mit seinen zwölf Zimmern hatten sie vorläufig weiterhin geführt. „So lange, bis wir es in gescheite Hände abgeben können“, sagte Uli Fink vor geraumer Zeit in einem Interview. Die Nachfolger sind nun gefunden. Michael und Valerie Roder haben das „Wiesental“ gekauft, der Vertrag ist unterzeichnet, die Tinte trocken.

Für Michael Roder war es an der Zeit, „etwas Eigenes“ zu suchen, der „Kesselhaus“-Pachtvertrag, der im Mai ausläuft, sollte nicht verlängert werden. Gäste von nah und fern schätzten das schmackhafte Essen aus regionalen Produkten, den herzlichen Service und die besondere Atmosphäre.

Roder und seine Frau besichtigten zahlreiche Objekte. Doch von Anfang an war das „Wiesental“ die beste Option. Man wurde sich handelseinig und so beabsichtigen Michael und Valerie Roder, das Wiesental bereits im September unter dem Namen „Roders Landhotel“ zu eröffnen.

Es bleibt noch viel zu tun

Am Sonntag, 3. Mai, öffnen die Roders das „Kesselhaus“ zum letzten Mal, danach schließen sich die Pforten. Bis zur Neueröffnung des „Wiesentals“ im Herbst bleibt noch eine Menge zu tun. Die Toiletten sollen saniert werden, eine neue Zapfanlage und eine neue Bestuhlung müssen her. Zahlreiche Streicharbeiten sollten verrichtet werden und nicht zuletzt will man eine Rampe für Rollstuhlfahrer einbauen. Die Mitarbeiter des „Kesselhauses“, und darüber freut sich das Wirtsehepaar ganz besonders, gehen mit nach Gauselfingen.

Jeden ersten Mittwoch im Monat

Gleiches hat auch der Vereinsstammtisch vor, der sich jeden ersten Mittwoch im Monat trifft und sich aus zahlreichen Vereinsvertretern und Personen des öffentlichen Lebens in Burladingen zusammensetzt. In einem Krugschrank haben die meisten ihr eigenes Biergefäß aus Steingut mit Deckel, Signatur und Gravur. Auf den Krügen finden sich illustre Namen, etwa der des vormaligen Dekans Michael Knaus oder der des evangelischen Pfarrers Christian Schmitt. Natürlich wandert auch dieser Schrank mit nach Gauselfingen.

Hotelbetrieb geplant

Kürzlich übte der Stammtisch schon einmal den Abschied von den gewohnten Stammplätzen im „Kesselhaus“. Dass man mit nach Gauselfingen geht und den Roders die Treue hält – auch wenn fünf Kilometer Fahrstrecke von Burladingen in den nächstgelegenen Stadtteil zu überbrücken sind –, stand im Grunde schon vorher fest. Trotzdem wurde aktuell nochmals darüber gesprochen und die Idee mehrheitlich für gut befunden. Der Wirt nahm die Nachricht dankbar auf!

Hotelbetrieb mit elf Zimmern

Die Roders haben vor, den Hotelbetrieb in Gauselfingen mit elf Zimmern aufrechtzuerhalten. Was bleiben wird, sind die Ruhetage am Montag und am Dienstag. Hotelgäste bekommen jedoch auch an diesen Tagen ihr Frühstück. Die Wohnung, in der bislang Uli und Hannelore Fink wohnten, wollen die neuen Betreiber ebenfalls übernehmen.

Nicht nur Stammgäste atmeten auf

Nicht nur Stammgäste atmeten auf, als sie hörten, die Roders und ihre exzellente Küche würden der Stadt erhalten bleiben (Michael Roder erlernte seinen Beruf im „Lamm“ in Stein, arbeitete danach in renommierten Spitzenrestaurants im Ausland). Nicht nur lokale Akteure, die den Tourismus im Blick haben, sondern auch lokale Firmeninhaber sind froh, denn Übernachtungsmöglichkeiten für Branchenvertreter oder Monteure sind in der Gesamtstadt nicht gerade im Überfluss vorhanden.

Vorerst offen ist, wie es mit dem „Kesselhaus“ weitergeht.

Aus der Geschichte des „Wiesentals Hotel Garni“

Die Firmenleitung
der heute nicht mehr existierenden Gauselfinger Textilfabrik Jercoma errichtete im Jahr 1957 das „Hotel Wiesental“. Damals vorrangig gedacht, um durchreisenden Branchenvertretern eine Möglichkeit zur Übernachtung und Angestellten eine Gelegenheit zum Mittagessen zu geben. Das Haus wurde am 8. August 1959 offiziell von der Wirtsfamilie Bär eröffnet. Um 1976 kaufte es der Burladinger Getränkehändler Reinhold Ritter. Von da an führte Familie Stodal aus Mössingen den Betrieb. 1981, damals 21-jährig, kauften Uli und Hannelore Fink das Hotel und lösten die Stodals ab. Auch sie hatten sich seinerzeit auf dem Weg in die Selbstständigkeit mehrere Betriebe angeschaut. Unter anderem das „Waldhorn“, das „Tiefental“ und „Schwanen“ in Burladingen. Die Wahl aber fiel auf das „Wiesental“. Das eröffneten sie dann schließlich am 10. Mai 1981.