Archäologische Ausgrabungen in Dießen: Der 4000 Jahre alte „Dießi“ kam ans Licht – mit Mostkrug. Foto: Wagner

Der Narrenverein feiert 160 Jahre Dießener Fasnet und bietet einen jubiläumswürdigen Rosenmontagsumzug. Natürlich wie gewohnt mit viel Spott. Auch das Horber Rathaus bekam sein Fett weg.

„Das ist kein Bauernprotest, sondern der Dießener Rosenmontagsumzug“, betonte Winfried Asprion, der seit Jahren als Moderator des Dießener Fasnetsumzugs gilt und sich heuer beim 160. närrischen Lindwurm wieder in Bestform zeigte. Mit besagter Anspielung verdeutlichte Asprion, dass 24 verschiedene Gruppen und kreativ gestaltete Motivwagen durch Dießen zogen. Angeführt vom Polizist, den Fahnenträgern sowie der neuen Figur – Fuchslocher – und dem „Bazzaloablesverdrugger“ des Narrenvereins. Mit dem Musikverein Dießen zog der Lindwurm voran, der Themen aus gesamten Land sowie dem Stadt- und Ortsgeschehen in den eindrucksvoll gestalteten Motivwagen widerspiegelte.

Hübsche Geburtstags-Geschenke

Geburtstags-Sträuße und bunte Geschenkletäschle machten auf den 160. Geburtstag der Dießener Fasnet aufmerksam und hielten für die Besucher kleine Überraschungen parat. Unter anderem thematisierten die Wagenbauer auch wieder Missstände in der Stadt-Entwicklung. So sei das Neckarbad ein Millionengrab, beim Thema Nahwärme gebe es nur Ärger und auf eine funktionierende Mobilfunkversorgung wird in Dießen schon seit zehn Jahren gewartet. Lediglich in der Blitzer-Abzocke sei Horb Weltmeister. Neben der Stadt Horb bekam vor allem die derzeitige Bundesregierung ordentlich ihr Fett ab.

Die „Pumuckl-Koalition“

Auch die Bezeichnung „Ampel“ wurde dabei hinterfragt und durch „Pumuckl-Koalition“ ersetzt, was farblich durchaus passt. Kanzler Olaf Scholz und dessen Vize Robert Habeck warfen derweil fleißig mit Steuergeldern um sich und stellten sich in Person als die höchsten laufenden Kosten in der Haushaltskrise heraus. „Früher hatten wir Würde und Stolz - heute haben wir Habeck und Scholz. Hoffentlich ist’s mit der Ampel bald aus, dann wirft sie das Geld nicht länger zum Fenster raus“, stand auf einem der Motivwagen geschrieben.

Im Kasperletheater Deutschland lautete das Motto „Deutschlandticket, Bürgergeld, Heizung raus – was kost’ die Welt? Ampelstreit liegt uns im Ohr, da braucht man viel Humor“. Scheinbar ist derzeit überall der Wurm drin, wie eine der Gruppen verdeutlichte.

Der „Dießi“ wurde entdeckt

Anders bei den archäologischen Ausgrabungen, die in Dießen teilweise für Kopfschütteln sorgten und ebenfalls mit einem Motivwagen bedacht wurden. Hierbei stieß man wohl auf einen sehr bedeutsamen Fund. So soll es den „Dießi“ schon vor 4000 Jahren gegeben haben. „Im Metzgerkeller man ihn fand, mit einem Mostkrug in der Hand“, verrieten die Narren. Dankbar jubelten die Besucher mit lautem „Narri-Narro“ den Akteuren zu und ließen sich auch willig den „Eulenstempel“ der Schlosseulen auf die Wange drücken.

Nach dem Umzug verweilten die meisten Besucher noch vor Ort, um der traditionellen Fasnetpredigt von Steffen Schäfer und Michael Schröter zu lauschen. Viel Wissenswertes rund um den Flecken, Missgeschicke und kleine „Skandälchen“ der Bürger erfreuten dann das gesamte Narrenvolk. Sind die Verfehlungen der Sünder zu krass oder verwerflich, dürfen dann der Bajass (Bajazzo aus dem Venezianischen Karneval) und sein Gehilfe, die Fleggahex, ran, um den ausgerufenen Missetätern mit der „Saubloder“ und dem Besen den „Ranza“ zu polieren.

Das Ende naht

Morgen, kurz vor Mitternacht, wird dann die Fasnet in Form des Fräuleins Katharina Fasnacht, geborene Rundloch und hinterbliebene Spitzbauch, sanft durch den Flecken gekarrt – aber nur, um dem armen Fräulein pünktlich um 23.59 Uhr das Licht bis zur nächsten Fasnet auszublasen. In einem schaurig kalten Grab an der Kirche hat sie dann bis zur Auferstehung am nächsten Schmotzigen im kommenden Jahr auszuharren.