Seitenhiebe auf die Politik, Appelle zum Weinkauf und ironische Lobgesänge – die Fasentumzüge am Sonntag in Oberschopfheim und Heiligenzell zeigten sich bunt und kreativ.
Gleich zwei Umzüge sorgten am Sonntag für gute Stimmung bei den Friesenheimern. Oberschopfheim und Niederschopfheim feiern bereits seit elf Jahren gemeinsam und wechseln sich beim Ausrichten des Sonntagsumzugs ab. Da jedoch die Späudizunft in Niederschopfheim ihr Jubiläum mit großem Umzug in diesem Jahr gefeiert hat, wurde Oberschopfheim zum zweiten Mal in Folge zum Gastgeber des Umzugssonntags.
Unterstützung erfahren die Narren bei der Organisation des Narrendorfes von den örtlichen Vereinen. Diese beteiligen sich – ebenso wie die Kindergärten am Umzugssonntag. Die Kindergärten setzten das Thema der diesjährigen Fasnacht „Helden der Kindheit“ um. So zeigten sich Einhörner, Pokemons, Hexen, Biene Maja und viele weitere Figuren aus Kinderbüchern und Filmen auf der Straße. Bei der elften gemeinsamen Feier machten sich auch die Paare aus Niederschopfheim und Oberschopfheim in einem Hochzeitszug auf den Weg.
Ideen für die Neugestaltung des Mehrgenerationenplatzes an der Auberghalle schmiss die Feuerwehr in die Menge. „Geld spielt bei der Gestaltung keine Rolle. So ein Platz muss her, koste es, was es wolle“, hieß es auf einem Banner. Ein Auge wird auf den abgesetzten Bür-gerbus geworfen, mit dem sich die Besucher des Mehrgenerationenplatzes gut zum Festplatz fahren ließen.
Mit großer Wehmut und dem Appell, mehr puren Wein zu trinken, bäumte sich die DJK gegen den möglichen Untergang des Winzerhüses auf. Zu wenig Wein wird über die Selbstvermarktung verkauft, was die Kosten steigen lässt und somit dem Winzerhüs aktuell ein Minus beschert. Geraten wird: „Kauf ein beim Winzerhüs vor Ort und spart euch den Wein von weiter fort.“
Heiligenzeller feiern zum 31. Mal
Bunt, schillernd, fantasievoll und mit ganz schön viel Lokalkolorit: So präsentierte sich der Fasentumzug am Sonntag in Heiligenzell. Dabei wissen die Feuerhexen Heiligenzell als Gastgeber ihren Umzug alljährlich mit besonderen Akzenten zu bestücken. Seit 31 Jahren zählt der Verein für Heimatpflege und Brauchtum aus Friesenheim zu den treuen Gästen. In diesem Jahr kamen die Mitglieder als Rotkäppchen. Fest an der Seite der Feuerhexen sind in Heiligenzell die heimischen Vereine und Gruppen, die den Umzug mit humorvollen Beträgen bestücken.
„Ein Hoch auf das neue Josefshaus 2.0, das wohl in Schönheit und Pracht nach der Sanierung dem Schloss Neuschwanstein kaum hintenan stehen müsse.“ – So die Einschätzung und Vorfreude der Mitglieder des Kirchenchores. Sie singen ein Loblied auf den Eigentümer und Erbauer des Gebäudes. Schließlich will der Kirchenchor nicht nur seine Chorproben im Josefshaus halten, es soll künftig auch in den neuen Räumen die Stätte des Fasnachtsballs sein.
Vermessung der Riedstraße wurde aufs Korn genommen
Einige Kirchengeister machten die Straße unsicher und die selbst erbaute Herz-Jesu-Kirche in Miniaturform kam sehr gut an. Einen Wink mit dem Zaunpfahl gab es von Jessica und Jens Kunz, die als Römer und „Imperator Ninive“ die Genauigkeit von Straßenvermessungen lobten, was wohl vor 50 Jahren bei der Vermessung der Riedstraße vollkommen daneben gegangen sein muss. Mit einem eigenen Bautrupp kritisierten indes die Mitglieder der Haus- und Gartenfreunde Heiligenzell den stagnierenden Glasfaserausbau im Ort.
In Heiligenzell lieben die Gäste vor allem den sehr freundschaftlich, familiären Flair der reinen Dorffasent. Traditionell schreiten beim Umzug die Feuerhexen voran, dicht gefolgt vom Musikverein. Mit dabei waren auch die Krabbe-Schenkel, die Vollmerwald-Hexen aus Oberweier und die Narrenzunft Kruttstumpe aus Schuttern.
Die DJK Oberschopfheim nahm die Weinprinzessin des Jahres 1969/70, Hildegard Gnädig, in die Pflicht, um auf die schlechte wirtschaftliche Lage des „Winzerhüs“ aufmerksam zu machen.
So geht es weiter
Die Friesenheimer Fasent-Zunft lädt am heutigen Dienstag um 18 Uhr zur Fasentverbrennung auf dem Rathausplatz ein. Danach trifft man sich in der Zunftstube zum Heringessen.