Die Öko-Märkte in der Turn- und Festhalle haben den Weg für eine Vermarktung regionaler Produkte gezeigt. Karl-Ernst Rothfuß, Ilse Süßer und Walter Trefz (von links) wissen noch gut, dass jedes Jahr viele Engagierte mit angepackt haben. Foto: Kreisarchiv

Der Kreisverband Freudenstadt des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat seinen Nachlass –­ zahlreiche Akten, Fotos und die Dokumentation vieler Aktionen –­ an das Kreisarchiv übergeben.

Kreis Freudenstadt - Ilse Süßer und Karl-Ernst Rothfuß, Vorstandsmitglieder des BUND-Kreisverbands Freudenstadt, übergaben das Material des Vereins, der 2019 aufgelöst worden war. Das Archiv des Landkreises konnte anhand der Unterlagen ein Stück Zeitgeschichte nachvollziehen.

Der BUND-Kreisverband war im November 1980 gegründet worden und hatte sich intensiv für Umwelt und Natur eingesetzt. Kröten wurden eingesammelt und über die Straße getragen, Vogelnistkästen gebaut, Kinder mit in den Wald genommen und die Erwachsenen über Jahre zum Öko-Markt eingeladen. Dabei sei der Verein nicht in abstrakten Forderungen an die Mitbürger stecken geblieben, sondern seine Verbandsmitglieder wollten das Engagement für die Umwelt immer zu einem sinnlichen Erlebnis machen.

Wie im Bienenstock

In der Dammstraße 11 am Stadtbahnhof wurde mit dem Umweltzentrum ein eigenes Quartier bezogen. Lange Zeit nutzte auch der Weltladen die Räume. Oft brummte die Geschäftsstelle wie ein Bienenkorb, denn auch die Aktionseinheit gegen das Waldsterben traf sich dort, heißt es in einer Pressemitteilung. Viele Planungen zu Aktionen und Demonstrationen fanden dort ihren Anfang. In den 1980er-Jahren katapultierte sich das Thema Waldsterben in die vorderste Reihe der öffentlichen Aufmerksamkeit. Der Kreisverband organisierte dazu mit anderen Umweltgruppen internationale Tagungen in Freudenstadt und richtete seine Appelle auch an die Europäische Union.

Aus dem Jahr 1983 ist ein Antwort-Telex der EU-Kommission aus Brüssel erhalten. Darin steht unter anderem: "Ihre Sorge um die Erhaltung der Wälder werden von der Kommission uneingeschränkt geteilt. Aus diesem Grund hat die Kommission am 6. April 1983 einen Vorschlag für eine Richtlinie über die Begrenzung der Emissionen ortsfester Industrieanlagen vorgelegt. Weitere Projekte werden mit Hochdruck bearbeitet."

Vorschriften zum Einbau von Filtern in Industrieschloten und die Verwendung von bleifreiem Benzin waren Folgen dieser Proteste. Aber auch im Hintergrund wurde vom BUND viel Arbeit geleistet. Beginnend in den 1980er- Jahren, wurde eine Sammlung zu den aktuellen Naturschutz- und Umweltthemen angelegt. Es entstand sozusagen ein analoges Wikipedia (das digitale wurde erst 2001 gegründet), das nach dem Prinzip der Volksbildung organisiert war. Man sammelte und generierte das nötige Wissen, das man zur Lösung der anstehenden Probleme brauchte.

Prinzip Volksbildung

Der Kreisverband war aber auch anerkannter Naturschutzverband und daher berechtigt, zu Planungsverfahren Stellung zu nehmen. Diese Art der "Bürgerbeteiligung" ist besonders in Baden-Württemberg ausgeprägt. Ziel ist es, die Umweltverträglichkeit von Planungen, auch bei Straßen, zu prüfen. Es gebe verschiedene Gründe, warum der Kreisverband seine Arbeit nicht an jüngere Ehrenamtliche weitergeben konnte. Die gesellschaftlichen Themen hätten sich verschoben und die Art des Engagements habe sich im digitalen Zeitalter geändert, heißt es in einer Mitteilung.

Aus Nachwuchsmangel wurde der Kreisverband 2019 aufgelöst. Das Kreisarchiv sieht in dem Bestand ein wichtiges Beispiel für bürgerliches Engagement in Freudenstadt. Es hat die Unterlagen gesichtet, nach ihrer Archivwürdigkeit bewertet und verzeichnet. Jetzt sind sie für die Forschung zugänglich, soweit der Datenschutz gewahrt bleibt.