Die Erschließungsarbeiten für den neuen Freiburger Stadtteil Dietenbach schreiten voran. Die Erschließungsarbeiten für den neuen Freiburger Stadtteil Dietenbach schreiten voran. Foto: Stefanie Salzer-Deckert

Ein Eilantrag gegen die Errichtung einer Gasleitung für den neuen Stadtteil Dietenbach ist gescheitert. Die Proteste gehen dennoch weiter.

Der Umweltverband Nabu ist Ende Oktober mit einem Eilantrag gegen die Rodung eines Waldstücks im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach vorm Verwaltungsgericht gescheitert. Damit darf ein rund 3000 Quadratmeter großes Stück Wald für die Verlegung einer Gasdruckleitung gerodet werden.

 

Das zuständige Regierungspräsidium (RP) in Freiburg hatte bereits Ende August 2023 die entsprechenden Arbeiten genehmigt. Im März hatte der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim die Arbeiten jedoch ausgesetzt, da dafür möglicherweise eine sogenannte Waldumwandlungsgenehmigung des RP gefehlt hatte. Diese wurde von der Behörde im Juni nachgelegt. Eine alternative Gastrasse, die von den Naturschützern vorgeschlagen wurde, hatte das Gericht als untauglich verworfen. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

Streit um neues Baugebiet geht weiter

Um den neuen Stadtteil wird auch ein Dreivierteljahr nach dem ersten, von Bauernprotesten begleiteten Spatenstich weiter gestritten. Eine Gruppe Aktivisten protestiert mit einem Camp im Wald unter dem Motto „Dieti bleibt!“ gegen die Bau- und Rodungspläne der Stadt. Für negative Schlagzeilen haben die Baumbesetzer gesorgt, als sie im Sommer mit Fäkalien nach den Teilnehmern einer städtischen Veranstaltung auf dem künftigen Baugelände geworfen haben sollen.

Das Aktionsbündnis „Hände weg vom Dietenbachwald“ hat zuletzt auch eine Mahnwache auf dem Rathausplatz für den Wald abgehalten und nach eigenen Angaben knapp 6700 Unterschriften gegen die geplanten Rodungen für den neuen Stadtteil gesammelt. Der Sprecher des Bündnisses, Christian Zissel, hat den jüngsten Gerichtsentscheid scharf kritisiert: Die Rodungen seien ein Fehler, die Stadt werde zum Umplanen aufgefordert.

Kritik kam in der Vergangenheit zudem vom Freiburger Umweltverein Plan B, der argumentiert, dass der neue Stadtteil in einer eiszeitlichen Flutmulde geplant worden sei und somit die rund 16 000 Menschen, die dort perspektivisch wohnen sollen, besonders hochwassergefährdet seien. Vor dem Bürgerentscheid über den neuen Stadtteil im Februar 2019 sei dieses Detail den Freiburgen nicht bekannt gewesen, so der Verein. Rechtlich hatte jedoch auch dieser Protest keinen Erfolg.

ZMF-Veranstalter fürchten Lärmschutzklagen

Sorgen um seine Zukunft macht sich zudem das Freiburger Zeltmusikfestival ZMF, das in unmittelbarer Nähe zum neuen Stadtteil drei Wochen lang jeden Sommer die Nächte beschallt. Zwar hatte Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) den Machern einen Bestandsschutz versprochen, doch fürchten sie, dass Lärmschutzklagen der künftigen Dietenbach-Bewohner dem Festival den Stecker ziehen könnten.