Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) war auf dem Schnurbück zu Gast, um die Anlage der Bürgerenergiegenossenschaft Ettenheim zu besichtigen.
Der Wanderparkplatz am Brudergarten liegt in dichtem Nebel. Buchstäblich schlechte Aussichten für eine Windrad-Besichtigung, könnte man meinen. Sieht man überhaupt die Rotorblätter? Förster Lothar Bellert versichert: Oben auf dem Schnürbuck ist kein Nebel. „Wir fahren also in die Sonne“, zeigt sich Bürgermeister Bruno Metz.
Dann richten sich die Blicke der Gruppe um Bellert, Metz, Vertretern der Stadt und der Bürgerenergiegenossenschaft auf einen anrollenden Mercedes mit Stuttgarter Kennzeichen. Thea Walker steigt aus und ist offenbar bestens vorbereitet. Festes Schuhwerk, Schal und eine Regenjacke, unter der ihr – natürlich grüner – Mantel hervorschaut.
Parteikollegin Sandra Boser begrüßt die Umweltministerin in ihrem Wahlkreis und richtet einige Worte an sie. „Es geht doch, wenn man beharrlich ist“, kommentiert sie den fertigen Windpark. Vor fünf Jahren habe man sich in einer Schalte mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann zum Thema ausgetauscht. Nun „schließt sich ein Kreis“, so Boser, auch wenn der Windpark Schnürbuck mit seinen ständigen Verzögerungen „kein Paradebeispiel“ dafür sei, wie es mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien klappt.
Strombedarf der Stadt Ettenheim wird mit Windkraft gedeckt
Metz gibt Walker einige Informationen über Ettenheims Windkraftprojekte, erläutert wie die drei Anlagen sechs im Jahr 2000 errichtete Windräder ersetzt haben. Inzwischen „produzieren wir so viel Strom wie 14 000 Einwohner plus Gewerbetreibende brauchen“, berichtet Metz stolz. „Und wir haben weitere Projekte in der Pipeline“. Das hört die Umweltministerin gerne: „Wir haben einen richtigen Sprung gemacht in der Windkraft“, sagt sie. Und das sei gut so, denn in Sachen Energie zwar nicht mehr von Russland, aber von den USA abhängig zu sein, „bringt uns auch nicht weiter“. Es gelte, nicht nur an der Küste, sondern auch im Südwesten, Anlagen zu errichten, auch wenn Wirtschaftlichkeit hier schwieriger zu erreichen sei.
Dann nach der kurzen Begrüßung setzt sich eine Kolonne von fünf Fahrzeugen bergauf in Bewegung. Und tatsächlich: Schon bald lichtet sich der Nebel und die Gruppe bekommt einige Sonnenstrahlen ab. Am Windrad angekommen zeigt sich die Ministerin von der imposanten, knapp 250 Meter hohen Anlage nur milde beeindruckt. Es ist für sie bei weitem nicht der erste Besuch eines Windrads. Stattdessen hört sie den Sorgen von Metz und Jörg Bold, Vorsitzender der Bürgerenergiegenossenschaft, zu und spricht selbst Themen an, die dem Ausbau von Windkraft oft im Weg stehen.
Da ist zum einen die Akzeptanz. In ihrem Heimatwahlkreis Böblingen, erzählt Walker, gibt es aktuell eine Bürgerinitiative, die sich gegen ein Projekt richtet und einen Bürgerentscheid erreichen will. Probleme, mit denen Ettenheim nicht zu kämpfen hat, berichten Bold und Metz.
Das Thema Flugsicherung war nicht nur auf dem Schnürbuck ein Problem
Doch auf der anderen Seite des Bergrückens „sieht das anders aus“, erklärt der Rathauschef und bezieht sich dabei auf die Gemeinden Schuttertal und Seelbach. Diese hatten zuletzt jeweils bekundet, sich gegen weitere Standorte für Windräder um die Gemeindegebiete herum zur Wehr setzen zu wollen. Boser sieht dennoch allgemein eine positive Entwicklung in Sachen Akzeptanz: „Der Wind hat sich gedreht.“ Heute bekomme sie deutlich weniger kritische Zuschriften von Bürgern als noch vor zehn Jahren.
„Auch die Flugsicherung ist ein ganz dickes Brett“, berichtet die Ministerin weiter und bringt damit die Gruppe ungewollt zum Lachen. Davon können sie in Ettenheim ein Lied singen, denn es war der Flugplatz Lahr, der seine Flugrouten für den Bau der neuen Windräder nicht freiwillig ändern wollte. Aufgrund des Streits verschob sich das Projekt um Jahre. „Es sind oft kleine private Flugplätze“, ärgert sich die Ministerin über solche Verzögerungen. Und beim Thema Flugsicherung sieht sie von der anderen Seite „keine Kompromissbereitschaft“.
Einen Konflikt muss Walker in ihrem eigenen Ministerium austragen: Windkraft versus Umweltschutz. Hier räume sie je nach Fall mal der einen, mal der anderen Seite Vorrang ein. Metz und Bold führen zudem die hohen Auflagen für Windkraft an, die letztlich Geld kosten und die Wirtschaftlichkeit gefährden würden. Metz kritisiert zudem die Bürokratie. Behörden würden sich „gegenseitig beschäftigen“, etwa müsse das Landratsamt eine „irrsinnig lange Stellungnahme“ zur vom Regionalverband organisierten Fortschreibung des Regionalplans Windenergie abgeben. „Das kann ich nicht nachvollziehen.“ Walker entgegnet, sie werde sich für effizientere Abläufe einsetzen. Eine Hilfe soll dabei KI werden. Auch das Thema Netzkapazitäten und den Ausbau von Speichermöglichkeiten, versichert Walke auf Rückfrage, habe das Umweltministerium auf dem Schirm.
„Vielen Dank, dass Sie mitziehen“, richtet sich die Ministerin abschließend an Ettenheims Bürgermeister. Windkraft sei nicht nur Umweltschutz, man schaffe auch „neue Werte, die in der Zukunft wichtig werden“.
Herrenknecht-Besuch?
Beiläufig erwähnte Metz, dass der Streit zwischen ihm und Martin Herrenknecht längst vergessen ist. Sie hätten ein gutes Verhältnis, auch wenn der Unternehmer dem Rathauschef vorwerfen würde „etwas zu viel Wind“ zu machen. Doch Metz kündigte an, den Schwanauer auf den Schnürbuck einladen zu wollen.