Am Ende der Retensionsfläche im Vordergrund soll zwischen den hohen Büschen (Bildmitte) eine Fußgängerverbindung beginnen, die schließlich zwischen Kirche und Pfarrhaus auf der Trasse der Regenwasserableitung auf die Lindenstraße treffen soll. Der Gemeinderat hatte eine Treppe allerdings abgelehnt. Foto: Schönfelder

"Der Antrag wird kommen, da bin ich ziemlich sicher." Lackendorfs Ortsvorsteher Hermann Hirt ist nach wie vor vom Nutzen einer Treppenanlage aus dem Baugebiet Stockäcker/Bösinger Weg überzeugt. Indes, der Gemeinderat hatte sie mit knapper Mehrheit abgelehnt. 

Dunningen-Lackendorf - Eigentlich war es eine gute Idee: Im Zuge der Regenwasserableitung aus dem Wohnbaugebiet Stockäcker/Bösinger Weg sollte eine Treppenanlage entstehen, auf der die zukünftigen Bewohner zügig und bequem in die Ortsmitte gelangen könnten.

Die Treppenanlage wäre sogar relativ günstig zu haben gewesen. Wenn der Hang für die Ableitung aus dem Wohngebiet in Richtung Dorfmitte/Eschach sowieso aufgerissen werden muss, könnten auch gleich die Treppen dort angelegt werden.

Aber wie es so geht, hat manche gute Idee nur ein relativ kurzes Haltbarkeitsdatum. Die ursprünglich geplante Trasse für die Ableitung musste geändert werden. Ein Anwohner in der Kirchstraße am Hang unterhalb fürchtete im Fall eines Starkregens fatale Folgen für sein Grundstück und lehnte die ursprüngliche Trasse ab. Planer Winfried Baiker musste sich etwas anderes einfallen lassen. Die von ihm erdachte sogenannte Variante 7 führt in einem weiteren Bogen über gemeindeeigenes Gelände nun vom Baugebiet in Richtung Spritzenhaus, den Hang hinunter und zwischen Altem Schulhaus und Pfarrhaus hindurch und ist über die Kirchstraße mit der Eschach verbunden. "Uns war es wichtig", so Ortsvorsteher Hermann Hirt, "vom Kirchturm und dessen Fundament wegzubleiben." Ein Gutachter hatte dort Risse festgestellt.

Allerdings ist diese Strecke länger und damit teurer. Um die Kosten zu halten, hatte die Verwaltung vorgeschlagen, auf die Treppenanlage zu verzichten, da sie dort keinen wirklichen Nutzen habe. Fußgänger würden dann eher die Lindenstraße, die irgendwann ausgebaut werde, benutzen.

Da war der Ortschaftsrat allerdings ganz anderer Meinung. In der jüngsten Gemeinderatssitzung, die vor Ort stattfand, gab es in ihren Augen einige Argumente, die Treppe an neuer Stelle zu errichten, zumal bereits Material für rund 25 000 Euro eingekauft worden seien – auf denen die Gemeinde aller Wahrscheinlichkeit nach sitzen bleiben werde.

Martin Benner, selbst Vater kleiner Kinder, rückte den Sicherheitsaspekt in den Vordergrund. Sollte der Kindergarten, wie vom Ortschaftsrat forciert, im Alten Schulhaus untergebracht werden, hätten die Kinder nur ein paar Schritte, die sie auf der Lindenstraße zurücklegen müssten, zumal dort regelmäßig Schwerlastverkehr unterwegs sei. Die Laster fahren eine Straße herunter, die 16 Prozent Gefälle aufweist. Potenziell gefährlich, wie Martin Benner meint.

Aber auch, wenn der Gemeinderat beschließen würde, den Kindergarten komplett neu im Wohngebiet zu bauen, sei die Fußwegverbindung nicht sinnlos, ist Hermann Hirt überzeugt. Und der Weg werde benutzt werden.

Christian Stemplinger hatte an jenem Tag die Rechnung aufgemacht, dass, wenn das Wohngebiet voll bebaut sei, rund ein Drittel der Einwohner Lackendorfs ohne Treppe regelrecht von der Dorfmitte abgeschnitten sei. Und damit von der Eschachtalhalle, der Ortsverwaltung, vom Jugendraum und der Feuerwehr.

Allerdings kann man einen Beschluss des Gemeinderats nicht einfach umstoßen. Hermann Hirt glaubt jedoch fest daran, dass die Bewohner des Baugebiets eine solche Treppenverbindung brauchen werden. "Die Verbindung wird auch genutzt werden", ist Hirt überzeugt. "Der Antrag auf eine fußläufige Verbindung ins Dorf wird kommen." Möglicherweise werde der Gemeinderat die Sache dann noch einmal beraten. Und möglicherweise werde der geltende Beschluss dann noch einmal geändert. Für Hermann Hirt, so zu spüren, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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