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Trotz anhaltender Wirtschaftskrise ist die Börse im abgelaufenen Jahr gut gelaufen. Am Börsenplatz Stuttgart hat sich das - wie an vielen europäischen Börsenplätzen - nicht positiv ausgewirkt.

Stuttgart - Trotz anhaltender Wirtschaftskrise ist die Börse im abgelaufenen Jahr gut gelaufen. Am Börsenplatz Stuttgart hat sich das - wie an vielen europäischen Börsenplätzen - nicht positiv ausgewirkt. Hier brach der Umsatz um 23 Prozent ein.

Wie passt das zusammen: Von März bis Dezember dieses Jahres sind die Aktienkurse kräftig gestiegen, und dennoch sind die Börsenumsätze 2009 deutlich eingebrochen? Für Christoph Lammersdorf erklärt sich das so: "Kursanstiege erfolgen langsam", sagt der Chef der Börse Stuttgart Holding, "Abstürze gehen schnell und verschrecken den Anleger sehr lange." Zudem hätten die Banken Ende 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, Anlegern vor allem sichere Anlagen wie Festgeld und Sparbriefe empfohlen. "Jetzt sitzt das Geld da fest und kommt nicht so leicht wieder raus", meint Lammersdorf.

Sein Kollege Oliver Hans, Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse, ergänzt: Zwar sei der Deutsche Aktienindex (Dax) von März bis Dezember mit plus 65 Prozent stärker gestiegen als zur Zeit des Internet-Fiebers 1999/2000. Damals sei jedoch die Nachfrage von einer breiten Masse getragen worden, während dieses Jahr der Kursanstieg nur von einer kleinen Gruppe von Anlegern getrieben sei.

Viele private Anleger haben nach Einschätzung von Hans trotz Kursanstiegen mit Investitionen zurückgehalten und vorsichtig agiert. Insgesamt hat die Börse Stuttgart 2009 rund 105 Milliarden Euro umgesetzt. Während verbriefte Derivate und Aktien kräftig einbrachen, konnte sich der Anleihenhandel nahezu halten. Vom Handelsvolumen von 38 Milliarden Euro entfielen 17 Milliarden auf Unternehmensanleihen, was einem Plus von 91 Prozent entspricht.

Im Anleihenhandel erreicht Stuttgart einen Marktanteil von knapp 30 Prozent. "Wir sind der größte Anleihenplatz in Deutschland", sagt Lammersdorf. In Stuttgart können Anleihen auch in kleinen Stückelungen gekauft werden. Das sei für private Anleger interessant.

2010 will die Börse Stuttgart neue Kundengruppen erschließen, vor allem jene, die bisher außerbörslich handeln. "Wir wollen besser verstehen, was Privatkunden bewegt, ihre Order an eine außerbörsliche Plattform zu geben", gibt Lammersdorf die Stoßrichtung vor. Im Zertifikatebereich, dem starken Standbein in Stuttgart, "findet 60 Prozent des gesamten Handels in Deutschland außerbörslich statt", betont der Börse-Stuttgart-Holding-Chef.

Zu den Vorzügen einer öffentlich-rechtlichen Börse gehört die stärkere Transparenz im Vergleich zu außerbörslichen Plattformen. Mit einer neu eingeführten Produktübersicht für Discount-, Bonus- und Indexzertifakte sowie für Aktienanleihen will die Börse Stuttgart die Produkte noch transparenter machen und den Anleger besser über Risiken aufklären. Eine einheitliche Darstellung erleichtert es den Anlegern "erheblich, die Ausstattungsmerkmale verschiedener Produkte miteinander zu vergleichen", betont Lammersdorf.

Umsätze an der Börse Stuttgart:Geschäftsjahr 2009 (vorläufige Jahresstatistik, Veränderungen gegenüber Vorjahr in %)

Aktien gesamt: 8,1 Mrd.€/ – 17 %- Inlandsaktien: 6,2 Mrd.€/– 16 %- Auslandsaktien: 1,9 Mrd.€/– 18 %Verbriefte Derivate gesamt: 53,8 Mrd.€/– 36 %- Hebelprodukte: 28,5 Mrd.€/– 33 %- Anlageprodukte: 25,3 Mrd. €/– 39 %Anleihen: 38,2 Mrd. €/– 2 %Fonds: 4,3 Mrd.€/+ 39 %Gesamtumsatz: 105,0 Mrd.€/– 23 %