Die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt bezeichnet Geislingens Bürgermeister Oliver Schmid als bedeutendstes Vorhaben der kommenden Jahre.
Wir müssen unsere Innenstadt wieder als Lebensraum stärken.“ Bürgermeister Oliver Schmid holt bei der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend weit aus: „Die Umgestaltung unserer Ortsdurchfahrt ist von ganz besonderer Bedeutung.“ Rund 18.000 Fahrzeuge fahren täglich durch Geislingen. Ja, die Sanierung sei ein zentraler Baustein für die Zukunft der Stadt und biete dem Handel eine neue Perspektive. Bereits 2012 fasste der Geislinger Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss für einen Kreisverkehr an der Kirche. Dass das Projekt nach 14 Jahren noch immer nicht abgeschlossen ist, zeigt: Es geht längst nicht nur um einen Kreisverkehr, sondern um grundlegende Weichenstellungen für die Stadt.
Neben dem Bau des Kreisverkehrs in der Vorstadtstraße sollen die Gehwege verbreitert und aufgewertet werden. Zudem wird die Fahrbahn erneuert und soll künftig 6,50 Meter breit sein. Die Parkflächen werden neu geordnet und der Straßenraum insgesamt städtebaulich neu gefasst. Auch Grünbereiche sollen das Straßenbild künftig stärker prägen und die Aufenthaltsqualität verbessern. Die Bushaltestelle am „Waaghäusle“ entfällt. Stattdessen sollen zwei Bushaltestellen bei der Kirche und am Rathaus eingerichtet werden.
Mittlerweile hat die Stadt das Grundstück Schlossstraße 3 gekauft. Damit sei ein Kreisverkehr mit einem Durchmesser von 27 Metern umsetzbar, so Markus Buck, Leiter des Stadtbauamts. Der Zeitplan sei nun eng getaktet, da die Sanierung vom Land gefördert werde. Dieses Förderprogramm laufe jedoch voraussichtlich 2030 in Geislingen aus. Mit der konkreten Planung rückt die Kostenfrage in den Mittelpunkt. Nach aktuellen Berechnungen belaufen sich die Gesamtbaukosten auf rund 3,86 Millionen Euro. Einen Großteil davon übernimmt das Land Baden-Württemberg: Rund 1,67 Millionen Euro kommen aus Fördermitteln, der Anteil der Stadt liegt bei rund 1,2 Millionen Euro. Trotz Förderung sei die Summe in Zeiten der klammen Kassen zu hoch, so die Kritik aus den Reihen der CDU. Stadtrat Jonathan Pauli betonte, dass das Projekt nur über Schulden finanzierbar sei. Es gebe einige drängende Projekte, wie etwa eine marode Sporthalle. Die Umgestaltung der Ortsmitte „raubt uns die Energie“.
Die CDU hatte deshalb beantragt, den Umbau zunächst auf die Kernmaßnahmen zu beschränken: den Kreisverkehr, die notwendigen Kanalbauarbeiten sowie die Erneuerung des Fahrbahnbelags. Alle darüber hinausgehenden gestalterischen Maßnahmen sollten aus Sicht der Fraktion zu einem späteren Zeitpunkt erneut beraten werden. Dass die Einzelhändler Interesse an der Umgestaltung hätten, sei ihm neu, so Pauli. Auch der Rat müsse sich der Tatsache stellen, dass der Einzelhandel „de facto ausstirbt“.
„Das ist Framing“
Diesen „kommunalpolitischen Rundumschlag“ will der Rathauschef am Mittwoch nicht stehen lassen. Natürlich sei nicht gesagt, dass der Handel durch die Sanierung wieder erblühen werde, aber: „Wir müssen in Vorleistung gehen.“ Er wisse von mehreren Händlern, die das Bauvorhaben befürworten, so Schmid. Die von Pauli angesprochene Sporthalle sei zwar in die Jahre gekommen, aber keinesfalls marode. „Das halte ich für Framing.“
Die Stadt setzt bei der Umsetzung der Maßnahme auf ein gestuftes Vorgehen in zwei Bauabschnitten. Im ersten Schritt soll der Bereich rund um den künftigen Kreisverkehr einschließlich der angrenzenden Leitungsarbeiten umgesetzt werden. Dazu gehören neben dem eigentlichen Knotenpunkt auch der notwendige Kanal- und Wasserleitungsbau sowie die Anpassung der unmittelbar betroffenen Gehwegbereiche und Bushaltestellen.
Erst in einem zweiten Abschnitt folgt die vollständige Umgestaltung der Vorstadtstraße bis zur Konrad-Adenauer- beziehungsweise Lönsstraße. Dieser umfasst die Neugestaltung der Gehwege, Parkflächen und Grünbereiche sowie die endgültige Reduzierung der Fahrbahnbreite.
Der Gemeinderat folgte schließlich mehrheitlich dem Verwaltungsvorschlag. 14 Ratsmitglieder stimmten für die Umsetzung der Gesamtmaßnahme, vier Stimmen kamen aus den Reihen der CDU-Fraktion dagegen. Damit ist der Weg für die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt und den Bau des Kreisverkehrs geebnet.
Nach aktuellem Stand soll im Februar kommenden Jahres mit den Bauarbeiten begonnen werden. Läuft alles nach Plan, könnte der erste Bauabschnitt dann bis Anfang 2028 abgeschlossen sein, so Stephan Kallenbach vom zuständigen Planungsbüro.