Es ging nicht um ein Millionenprojekt, sondern lediglich um einen unterirdischen Regenwasserspeicher. Am Ende waren viele Fragen offen.
Im Zuge der Umgestaltung des Schulhofes der Friedensschule soll dort auch eine Zisterne eingebaut werden.
54 000 Euro soll das Ding kosten, fachmännisch eingebaut von der hiesigen Tiefbauunternehmung Walter Straßenbau. Schließlich gibt es einen Grundsatzbeschluss des Trossinger Gemeinderates im Jahr 2022 auf Anregung der CDU-Gemeinderatsfraktion gefasst.
Nun soll in diesem Jahr der Schulhof der Friedensschule für 1,2 Millionen Euro saniert werden und in diesem Zusammenhang auch die Zisterne eingebaut werden.
Bürgermeisterin Susanne Irion und die Stadtverwaltung hatten sich vergangenen Herbst im Gemeinderat gegen den Einbau der Zisterne ausgesprochen. Das Argument damals: wirtschaftlich betrachtet sei der Einbau einer Zisterne nicht rentabel. Bei Investitionen von 54 000 und einem jährlichen Einsparpotenzial von 1019 Euro (an Wasserkosten) liegt die Amortisation bei 53 Jahren.
Nicht für Schultoilette
Doch der Gemeinderat entschied sich später für den Einbau der Zisterne, aber nicht um die Schultoiletten mit Regenwasser betreiben zu können, sondern um zur Bewässerung der städtischen Grünanlagen in Zukunft Regenwasser nutzen zu können.
Langfristig könne das Regenwasser eine ressourcenschonende Alternative zur Nutzung von Trinkwasser darstellen. Für Stadtrat Jürgen Vosseler (CDU) war klar: „Eine Zisterne macht Sinn.“ Er fragte aber nach, warum das Regenwasser nicht für die Toilettenspülung genutzt werden kann.
Hochbau-Sachgebietsleiterin Sandra Kurz erläuterte: „Die WCs sind nicht dafür ausgerichtet, eine neue Verrohrung wäre notwendig und außerdem wäre die Zisterne mit einem Volumen von 12,5 Kubikmetern dafür zu klein.“
Zweifel an den Kosten meldete daraufhin OGL-Stadträtin Annika Lenz an und berichtete, dass sie bei sich zu Hause auch eine Zisterne eingebaut hat, mit immerhin neun Kubikmetern Fassungsvermögen für lediglich 10 000 Euro. „Wir sollten überlegen, unter welchen Bedingungen Zisternen eingebaut werden“, schlug sie vor und meinte: „Umweltschutzmaßnahmen müssen effizient sein.“
Zisternen-Skeptikerin Annika Lenz riet der Stadtverwaltung stattdessen, weniger Stiefmütterchen anzupflanzen, sondern verstärkt Pflanzen zu wählen, die weniger Wasser benötigen. Jürgen Vosseler erinnerte an den Ratsbeschluss, Zisternen an öffentlichen Gebäuden anzulegen und meinte: „Ich wundere mich, dass die Grünen das in Frage stellen.“
Simon Kapp (CDU) machte den Vorschlag, einfach eine größere Zisterne einzubauen. Andere warnten davor, Baumarktpreise für Zisternen zum Vergleich heranzuziehen. Auch Schornsteinfegermeister Ingo Hohner (Freie Wähler) hatte seine Zweifel an der Anschaffung: „Um zweimal im Sommer Wasser zu entnehmen, so viel Geld ausgeben“, stöhnte er, zumal die Zisterne von der Größe her eher für ein Einfamilienhaus mit Regenwasser-Toilettennutzung geeignet sei. Und dass die Öltanks weg müssten, um die Lichtschächte für die Fenster der Schule einzubauen, sei auch nicht hundertprozentig nachgewiesen.
Gustav Betzler (Freie Wähler) sprach seine Verwunderung darüber aus, dass zwei Öltanks, die unter dem Schulhof liegen, ausgebaut werden sollen, die könne man doch liegen lassen und die 4000 Euro sparen. Das Regenrückhaltevolumen von 12,5 Kubikmeter nannte Betzler „eine Kaffeetasse Wasser“.
Robert Benzing (Freie Wähler) schlug dann vor, die nicht benötigten Öltanks zu reinigen und mit einer Kunststoffinnenbeschichtung zu versehen, so könne man dort 45 Kubikmeter Regenwasser speichern. Unterstützung erhielt er von Gustav Betzler, der anregte, nur einen Öltank auszubauen und den anderen als Wasserspeicher zu nutzen. Angesichts so vieler Fragen war an einen Vergabebeschluss nicht zu denken. Die Stadtverwaltung prüft jetzt nochmal alle Möglichkeiten und legt die weiteren Informationen am 23. März in der nächsten Sitzung dem Gemeinderat vor.