Der Umgang mit Social-Media-Diensten ist zurzeit wieder in aller Munde. Foto: Zacharie Scheurer/dpa

Die geplante Abschaffung von Faktenchecks auf Instagram und Co. in den USA hat zu scharfer Kritik geführt. Das ist auch in der Region zu spüren. Verabschieden von den Meta-Netzwerken will sich zwar kaum jemand – doch Alternativen wie Mastodon gewinnen an Bedeutung.

Anfang Januar sorgte Mark Zuckerberg, Gründer des Konzern Meta-Plattforms, zu dem Facebook, Instagram und Whatsapp gehören, für Schlagzeilen. Er erklärte, dass Meta in den USA sein Faktencheck-Programm beenden werde. Auch bei Hassrede soll weniger eingegriffen werden, etliche Beschränkungen werden aufgehoben.

 

Die Entwicklungen gehen auch an den Kommunen in Lahr und Umgebung nicht spurlos vorbei. „Wir suchen fortlaufend nach guten Möglichkeiten, die Bürgerinnen und Bürger zu informieren und müssen dazu dort sein, wo sich die Menschen aufhalten“, so Nicolas Scherger, Pressesprecher der Lahrer Stadtverwaltung. Das sei vorzugsweise das Internet, insbesondere Social-Media.

Stadt sieht Mastodon als eine sinnvolle Ergänzung

Auf Facebook und Instagram hat die Stadt rund 7400 beziehungsweise rund 6200 Follower. Bei den reichweitenstarken Plattformen bestehen allerdings nach wie vor datenschutzrechtliche Bedenken, wie Scherger erklärt. Die Inhalte der Accounts können daher über die Plattform Stage auch auf der städtischen Website gelesen werden – so dass niemand direkt auf der jeweiligen Social-Media-Plattform aktiv sein muss.

Anders ist die Situation auf Mastodon, wo die Stadt seit September einen Account hat. „Mastodon gehört zum sogenannten Fediverse, ein Zusammenschluss unabhängiger sozialer Netzwerke, und gilt als datenschutzfreundliche Alternative“, so Scherger. Auf dem städtischen Account werden hauptsächlich die Themen der Presseinformationen geteilt.

Die Nutzung von Mastodon wird von einigen Datenschutzaufsichtsbehörden gefördert, indem sie öffentliche Stellen aktiv zur Nutzung aufrufen und eigene Instanzen betreiben. „Auch wenn uns bewusst ist, dass die Reichweite mit hoher Wahrscheinlichkeit überschaubar bleiben wird, betrachten wir diesen Kanal als sinnvolle Ergänzung“, berichtet Scherger. Tatsächlich hat der Account zurzeit nur fünf Follower. Zum Vergleich: die Stadt Freiburg hat rund 1400.

Bereits 2023 hat sich die Stadt Lahr von Twitter verabschiedet

Man entwickle das Social-Media-Angebot ständig weiter, ist aus dem Rathaus zu hören. Möglicherweise werde man in Zukunft weitere oder andere Kanäle bespielen – welche das sein werden, hänge vom Bedarf der Bürger ab, sowie davon, welche Zielgruppe auf welchen Plattformen unterwegs ist. „Klar ist aber auch, dass unsere personellen und finanziellen Ressourcen eine Fokussierung erfordern“, so Scherger.

Im Sommer 2023 hatte sich die Stadt von X, vormals Twitter, verabschiedet. Nach der Übernahme durch Tesla-Gründer Elon Musk 2022 waren Hassreden und Falschinformationen gestiegen. Am 26. Juli 2023 war auf dem X-Account der Stadt zu lesen, dass man sich wegen Änderungen im Netzwerk entschlossen habe, den Account vorerst nicht weiter zu bespielen. Diesen Schritt sind inzwischen viele gegangen. Am Donnerstag teilte auch der Energieversorger Badenova mit, ab sofort keine neuen Tesla-Fahrzeuge mehr zu beschaffen und X nicht mehr zu nutzen.

Stadt will Entwicklungen im Auge behalten

Plant die Lahrer Verwaltung bei Meta ein ähnliches Vorgehen wie auf X? „Wir behalten die Entwicklungen im Auge“, so Scherger. Jedoch möchte man dort informieren, wo sich die Bürger aufhalten – und Facebook und Instagram seien die mit großem Abstand reichweitenstärksten Social-Media-Kanäle der Verwaltung. Aktuell plane man nicht, sich zu verabschieden. Die Zahl der Follower auf Twitter/X sei mit rund 1330 jahrelang konstant geblieben.

Ähnliches wie die Stadtverwaltung berichtet Birgit Mathäus, Inhaberin und Geschäftsführerin der Lahrer Lernwerkstatt. Auch diese nutzt Mastodon. Schon bei der Gründung habe man einen Fokus auf alternative, dezentrale und unabhängige Kommunikationskanäle wie Mastodon und XMPP gelegt, um auch dort die Kontaktaufnahme zu ermöglichen. „Nicht jeder nutzt Facebook, Instagram oder Whatsapp“, berichtet sie. Natürlich sei es ein Zeitfaktor, alle Kanäle zu pflegen – das sei in letzter Zeit zu kurz gekommen. Doch durch aktuelle Entwicklungen in den USA, betreffend X, Facebook oder auch Tiktok sei eine Abwanderungswelle möglich. „Darauf können wir kurzfristig reagieren und diese Kanäle gegebenenfalls stärker mit Input versorgen“, so Mathäus zu Mastodon und Co. Die Entwicklung in den USA ließe die Lernwerkstatt aufhorchen. Man müsse aber leider mit der Masse gehen, da ein Großteil der Schüler bei Instagram, Tiktok oder ähnlichen Diensten sei.

Ettenheim und Seelbach planen keine Änderungen

Die Stadt Ettenheim ist zurzeit auf Facebook und Instagram aktiv – mit rund 1300 beziehungsweise 1600 Followern. Aktuell gebe es keine Überlegungen, zusätzlich Dienste wie Bluesky oder Mastodon zu verwenden, wie Heike Schillinger aus dem Rathaus mitteilt – und es stehe gerade auch nicht zur Debatte, die Meta-Dienste zu verlassen.

Ähnlich ist die Lage in Seelbach. Verwendet werden Facebook (1283 Follower) und Instagram (569 Follower). Dabei geht es hauptsächlich um Werbung und Infos zu Veranstaltungen. Aufgrund der veröffentlichten Inhalte steht derzeit nicht zur Debatte, die Dienste zu verlassen, wie aus dem Rathaus zu vernehmen ist. „Überlegungen, weitere oder andere Social-Media-Dienste zu verwenden, bestehen derzeit nicht“, heißt es.

Hintergrund: Das sind Faktenchecks

Laut Tagesschau nutzen mehr als 4,5 Milliarden Menschen Social Media – im Schnitt zweieinhalb Stunden pro Tag. Meta arbeitet seit 2016 mit externen Organisationen für Faktenchecks zusammen. In den USA sind das bislang etwa die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters. In Deutschland arbeitet Meta mit DPA, AFP und Correctiv zusammen. Durch den „Digital Services Act“ kann der Konzern in Europa zur Verantwortung gezogen werden. Das Gesetz verpflichtet große Online-Plattformen, gegen Hass, Hetze und andere illegale Inhalte vorzugehen. Zuckerberg kündigte an, dass Meta mit Donald Trump gegen Regierungen weltweit vorgehen wolle, „die amerikanische Unternehmen angreifen und darauf drängen, mehr zu zensieren“.