Im größten Spiel der Vereinsgeschichte geht es für den SC Freiburg mit Aston Villa auch gegen einen großen Gegner. Die Fußballer aus der Region sind sehr optimistisch.
Der SC Freiburg steht vor einem besonderen internationalen Abend: Im Finale der Europa League trifft die Mannschaft auf den englischen Topklub Aston Villa. Für die Breisgauer ist die Partie nicht nur ein sportlicher Härtetest, sondern auch ein weiterer Schritt auf der europäischen Bühne, auf der sich das Team erstmals auch in der Champions League beweisen will. Wir haben Fußballer der Region gefragt, wie der Coup gegen die Briten gelingen kann.
Yannic Prieto, Spieler des SV Niederschopfheim: „Ich kann unser Glück kaum fassen“, sagt Yannic Prieto im Gespräch mit unserer Redaktion. Am Dienstag startete der 34-Jährige von Frankfurt aus nach Istanbul. Dass es der SC Freiburg ins Finale der Europa League geschafft hat, freut ihn sehr. Herausforderungen für das Spiel am heutigen Mittwoch sieht Prieto vor allem im Kader von Aston Villa. „Die haben ein absolutes Brett als Mannschaft. Vor allem mit Ollie Watkins muss sich Freiburg auf einiges an Schnelligkeit einstellen“, sagt er. Dennoch müsse sich der SC keinesfalls verstecken.
Konkrete Wünsche für die Aufstellung hat Prieto nicht. die Freiburger Stammelf sei gut drauf. „Matthias Ginter ist in Topform und mit Spielern wie Jordy Makengo und Lukas Kübler habe ich schon die Hoffnung, dass wir uns gut schlagen werden.“ Einzig die Chance auf 120 Minuten Fußball macht Prieto Sorgen. „Gerade wenn es in die Verlängerung geht, fehlen hintenraus manchmal die Körner.“
Dass Freiburg das Spiel gewinnt, hält er für unwahrscheinlich, merkt aber an, dass er dennoch hoffnungsvoll ist. „Auch wenn Villa stark ist: Unsere Jungs können das packen. Für den SC wäre das natürlich eine großartige Chance. Das würde neues Geld in die Kassen spülen und helfen, die Stärken des Vereins auszubauen“, so Prieto, der selbst der aktiven Fanszene nahe steht.
Felix Pietrock, erweiterter Vorstand FC Ettenheim-Altdorf: „Ich betrachte das Spiel gegen Aston Villa als riesengroße Chance, sich auch international mehr zu etablieren“, sagt der Vorstand der Rohanstädter. Die größte Stärke des Gegners aus England sei vor allem dessen taktisch geradliniger Spielstil. Aston Villa habe einiges an Tempo bei ihrem Marsch durch die Europa League vorgelegt. Gegen die Engländer erwartet Pietrock eine bewährte Elf. „Ich denke nicht, dass Julian Schuster am Kader viele Veränderungen vornehmen wird“.
Pietrock wünscht sich im Gespräch mit unserer Redaktion, dass Nicolas Höfler in seinem letzten Spiel für die Breisgauer aufgestellt werden würde. Zudem betont er Patrick Lienhard und Jordy Makengo als die Stützen des Freiburger Spiels. „Ich denke, dass ein dynamisches Angriffsspiel vonnöten sein wird, um die Engländer zu schlagen.“ Er tippt auf einen 2:1-Sieg des SCF.
Dass sich die Mannschaft oder Trainer Julian Schuster bei einem Gewinn der Pokals großartig vom altbewährten „Freiburger Weg“ entfernen würden, glaubt Pietrock nicht.
Reiner Fautz, Sportlicher Leiter SV Oberschopfheim: Auch Reiner Fautz bezweifelt, dass ein Gewinn der Europa League am Mittwoch dafür sorgen würde, dass der SC Freiburg die Bodenhaftung verliert. „Julian Schuster wird Christian Streichs Weg fortführen. Ich denke nicht, dass da großartige Stars eingekauft werden. Die Geradlinigkeit des Vereins wird auch weiterhin seine Erfolgsformel sein“, sagt er.
Im Gespräch mit unserer Redaktion wünscht sich Fautz für das Spiel einen „mutigen Taktikansatz“. Freiburg müsse sich nicht vor Aston Villa verstecken. „Bei Partien wie zuletzt gegen Leipzig haben die Freiburger Jungs gezeigt, dass sich ihre spielerische Taktik auszahlt“, so Fautz. Chancen mahlt er sich vor allem durch den Einsatz von Igor Matanović aus und auch die Erfahrung von Spielern wie Matthias Ginter könnte in einer solch historischen Partie eine Rolle spielen. „Freiburg lebt von den Umschaltmomenten während des Spiels. Nur mit der Ausdauer hintenraus könnte es gegen einen Club wie Aston Villa schwierig werden“, so der Oberschopfheimer. Fautz Tipp für die Partie am Mittwoch Abend: „Ein knackiges 3:1 für Freiburg. Die Jungs holen sich das Ding“.
Timo Reus, Torwarttrainer SC Lahr: Als Torhüter des SC Freiburg absolvierte Timo Reus insgesamt 14 Partien in der ersten Bundesliga, nun ist er als Torwarttrainer des SC Lahr aktiv. Bei der Partie am Mittwoch wird Reus nicht in Istanbul mit dabei sein. Er sieht sich das Spiel zu Hause an, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich denke, dass Freiburg gewinnt. Wir zeigen einen kontinuierlichen Spielstil und haben gute Chancen gegen Aston Villa“, sagt er – und weiter: „Ich denke, dass es auf ein 2:1 ohne Verlängerung für Freiburg hinauslaufen wird“. Gerade die Finalerfahrung aus dem DFB-Pokal-Endspiel 2022 würde den Freiburgern jetzt helfen, mit dem Druck klarzukommen, um sich auf dieser großen Bühne zu beweisen.
Bei solchen Spielen kommt es erfahrungsgemäß auf die Tagesstimmung an, erzählt er, dennoch könne man aufgrund der guten Form von Igor Matanović und dem Freiburger Erfahrungsschatz zuversichtlich sein. Sollte Freiburg die Partie gewinnen, wird es im Management viele Aufgaben zu bewältigen geben, erzählt der Torwarttrainer. „Es wird keine einfache Aufgabe sein, das darauffolgende Champions-League-Niveau zu halten. Aber es lässt sich sagen, das der Champions-League-Traum dann näherrückt“, so der Ex-Profi.
Marco Petereit, Spieler vom SC Hofstetten und Legende des Offenburger FV: „Die Jungs müssen Nerven aus Stahl haben“, sagt Marco Petereit, selber viele Jahre lang beim Offenburger FV erfolgreich. Das Grundgerüst der Breisgauer sei stark, sagt er. „Ich wünsche mir, dass Julian Schuster die Achse nicht wahnsinnig verändert, denn Freiburg lebt von seiner Kontinuität“, betont der Angreifer. Eine Wunschaufstellung hat er nicht, lediglich Nicolas Höfler wünscht er sich in der ersten Elf: „Das wäre Fußballromantik pur. Ich habe selbst mal mit ihm gekickt und das wäre ein Top-Abschiedsspiel für ihn“. Petereits Tipp für die Partie ist zugunsten der Freiburger 2:1, ohne Verlängerung, dann würde es schwierig prognostiziert er.