Die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie wurde auf sieben Prozent gesenkt. Wird das Essengehen für Lahrer nun günstiger? Unserer Redaktion hat sich umgehört.
Die Senkung der Mehrwertsteuer kehrt zurück. Während der Pandemie war die Abgabe auf Speisen in Restaurants und Cafés schon einmal heruntergefahren worden. Wegen Ukrainekrieg und Inflation verlängerte die Regierung die Regelung bis Ende 2023. Nun wurde der Satz Anfang 2026 abermals von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Wir haben uns in Lahr nach Meinungen dazu umgehört.
Hotel und Restaurant Adler: Daniel Fehrenbacher, Chefkoch und Besitzer des Reichenbacher Traditionsbetriebs Adler, bezeichnet Lebensmittelkosten, Löhne und Energiekosten als größte Preistreiber. Da man weder an der Produktqualität noch an der Qualifikation der Mitarbeiter sparen wollte, habe es bislang nur zwei Möglichkeiten der Kompensation gegeben: höhere Preise oder sinkende Gewinne. „Beides kann man sich nur bis zu einem gewissen Grad leisten,“ erklärt Fehrenbacher. Der Besitzer des Familienbetriebs sieht die Steuersenkung auf Speisen als wichtigen Schritt. „Die Unterstützung der familiengeführten Gastronomie und regional verwurzelter Häuser kommt allen zugute – egal ob Sternerestaurant oder Dorfgasthaus.“
Einer Senkung der Kosten für Restaurantbesucher erteilt Fehrenbacher allerdings eine Absage: „Wenn die Steuersenkung durch niedrigere Preise weitergegeben wird, sind wir genauso nass wie vorher“, betont er. Preiserhöhungen sollten nun gleichwohl trotz weiter steigender Waren- und Personalkosten erst einmal kein Thema mehr sein. Die Steuersenkung bremse letztlich die Inflation und sorge für Gerechtigkeit.
Grüner Baum: Auch Martin Feger vom Restaurant Fegers Grüner Baum sieht die Mehrwertsteuersenkung als grundlegend notwendig. Sie sei wichtig für die Liquidität vieler Betriebe. In der Gastronomie-Branche sehe es derzeit allgemein sehr mau aus. „Selbst gehobene Betriebe bewegen sich an der Rentabilitätsgrenze“, berichtet Feger.
Der Gastronom, der auch Vorsitzender der Kreisstelle Lahr des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) ist, gibt rund sechs Prozent der Mehrwertsteuersenkung an seine Gäste weiter. Er betont aber auch, dass das nicht für alle seine Kollegen machbar sei. Er wolle nicht den Eindruck erwecken, dass alle Gastronomen die Mehrwertsteuer direkt an die Gäste weitergeben können. Jeder Betrieb sei schließlich anders strukturiert. Es gehe ihm vor allem um Fairness und die Gleichbehandlung in der Branche.
Café Meinwärts: „Dieses System machte betriebswirtschaftlich keinen Sinn“, blickt Imke Schwendemann, Besitzerin des Café Meinwärts in Lahr, zurück. Sie verstehe nicht, warum die in der Gastronomie verkauften Speisen mit 19 Prozent besteuert wurden. Jeder Handwerker beziehungsweise Betrieb kaufe sein Vorprodukt mit 19 Prozent Vorsteuer ein, bearbeite es und verkaufe es an seinen Kunden wieder mit 19 Prozent. In der Gastronomie sei es bisher üblich gewesen, dass man Lebensmittel mit einer Vorsteuer von nur sieben Prozent einkauft – diese aber dann mit 19 Prozent verkaufen musste. „Diese Zwölf-Punkte-Differenz mussten wir schlucken“, kritisiert Schwendemann.
Ihr geht es wie den anderen befragten Gastronomen weniger um Subventionen als um Steuergerechtigkeit. Ihr Café lebe wie viele Betriebe hauptsächlich vom Mittagstisch. Hier seien die Preise traditionell eng kalkuliert, das ergebe sich vor allem durch den hohen Personalbedarf und den gestiegenen Mindestlohn.
Restaurant Filosofia: Getränke werden nach wie vor mit 19 Prozent besteuert. Dimitrios Charelas, Besitzer des Lahrer Restaurants Filosofia, sieht das kritisch. Im Gespräch mit unserer Redaktion betont er die kalkulatorische Relevanz der Getränke: „Sie sind eine wichtige Einnahmesäule in der Gastronomie und tragen wesentlich dazu bei, steigende Fixkosten auszugleichen.“ Eine einheitliche Regelung hätte aus Charelas’ Sicht mehr Sinn ergeben – und den Gastronomie-Betrieben zusätzlich Stabilität verschaffen können.
Die Senkung hilft aus seiner Sicht eher, weitere Erhöhungen abzufedern, als Preise zu senken, da viele Zulieferer ihre Preise angehoben haben. Aus seiner Sicht ist es vor allem wichtig, dass politische Maßnahmen stärker an der Realität kleiner und familiengeführter Betriebe ausgerichtet sind.
Kritik aus der Branche
Die Gastronomiebranche kritisiert, dass für Lieferdienste und Essen zum Mitnehmen seit jeher der Satz von sieben Prozent gilt. Das widerspreche der Fairness und Gleichbehandlung.