Der Bürgerturmplatz mit seinen „roten Bänken“ ist ein Ort in der Ebinger Innenstadt, an dem sich Kinder und Jugendliche laut Sozialraumanalyse unwohl fühlen. Foto: Benjamin Roth

Ihre „Angsträume“ im öffentlichen Raum haben Albstädter Kinder und Jugendliche im Rahmen der Sozialraumanalyse geäußert.

Den Abschlussbericht zur Sozialraumanalyse „Was denkt Jugend 2023?“, die von der Dualen Hochschule Villingen-Schwenningen (DHBW) in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendbüro Albstadt durchgeführt wurde, haben Carina Neumann und Jessica Cremona vom städtischen Kinder- und Jugendbüro jüngst in der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Kultur, Schule und Sport vorgestellt.

 

Ziel des Projekts war es, die subjektive Wahrnehmung von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf die Themen Sicherheit im öffentlichen Raum sowie mobile Kinder- und Jugendarbeit in Albstadt zu erfassen und auszuwerten.

Daten hierzu lieferte insbesondere eine Onlinebefragung der Albstädter Jugend, die bereits im Zeitraum März bis Juli 2023 abgehalten wurde. Insgesamt 1963 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren haben teilgenommen. Allein dieser statistische Wert sei ein „großer Erfolg“.​

Im nun vorgelegten Abschlussprojekt sind die zentralen Erkenntnisse der Befragung nochmals dargelegt. Diese geben der Verwaltung und dem Gemeinderat durchaus Hausaufgaben mit. Denn: Zwar fühlen sich 57 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen eher oder sehr sicher im öffentlichen Raum in Albstadt. Jedoch seien deutliche geschlechtsspezifische Abweichungen zu verzeichnen: Insbesondere weibliche und divers geschlechtliche Jugendliche weisen ein „signifikant niedrigeres subjektives Sicherheitsgefühl auf als männliche Jugendliche“, wie im Abschlussbericht festgehalten ist.

Als konkrete „Angsträume“ nennen die Jugendlichen den Bürgerturmplatz mit seinen sogenannten „roten Bänken“, den Bahnhof, diverse Unterführungen sowie einige enge Gassen in der Innenstadt. Hinzu kommt: Etwa 64 Prozent der Befragten gaben an, bereits verunsichernde oder bedrohliche Erfahrungen im öffentlichen Raum gemacht zu haben. Dazu zählen unter anderem Begegnungen mit alkoholisierten Erwachsenen, verbale Belästigungen, körperliche Übergriffe sowie die Wahrnehmung von Drogenkonsum.

Bessere Beleuchtung gewünscht

Und was wünschen sich die Jugendlichen zur Verbesserung des subjektiven Sicherheitsempfindens? Eine bessere Beleuchtung kritischer Bereiche, Notfallinseln, eine verstärkte Polizeipräsenz sowie sichere Aufenthaltsorte mit WLAN, Verpflegung, Sportflächen und Mitgestaltungsmöglichkeiten. Im Abschlussbericht zur Sozialraumanalyse heißt es weiter: „Diese Räume sollen nicht nur Schutz, sondern auch soziale Begegnung und Zugehörigkeit fördern.“

Die Angaben der Befragten hat das Kinder- und Jugendbüro aufbereitet und ist bereits in den Austausch mit den städtischen Fachämtern gegangen. Auch Netzwerktreffen zwischen Gemeinderat, Ämtern und jungen Menschen haben bereits stattgefunden. Aus den Ergebnissen der Befragung wurden bereits und sollen weiter Maßnahmen ergriffen werden, damit sich Kinder und Jugendliche sicherer im öffentlichen Raum fühlen. Dazu gehören einerseits bauliche Maßnahmen, wie die bessere Beleuchtung bestimmter Orte, was teils schon umgesetzt wurde.

Konzept für Anlaufstellen geplant

Für Notfallinseln, sprich ausgewiesene Anlaufstellen in der Innenstadt für Kinder, wird ein Konzept mit dem Citymanagement derzeit erarbeitet. Ebenfalls in Planung ist ein innenstadtnahes Jugendangebot sowie ein Kinderstadtplan.

Dazu sollen Mittel wie der städtische Mängelmelder, in welchem Bürger Anmerkungen oder Beschwerden über städtische Themen äußern können, unter den Jugendlichen bekannt gemacht werden. Der Dialog zwischen dem Kommunalen Ordnungsdienst und der Jugend werde weiter fortgeführt.

„Das Potenzial ist jedenfalls da“

Vielversprechende Ansätze, bei denen es aber nicht bleiben soll. Um ihre Bemühungen für die Sicherheit der Kinder zu verstärken, schlägt die DHBW vor, dass sich Albstadt dem bundesweiten Programm „Kinderfreundliche Kommunen“ anschließt. Dieses Programm von Unicef Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk hat das Ziel, die Kinderrechte im kommunalen Handeln weiter zu verankern. Carina Neumann machte deutlich, dass Albstadt dabei eine Vorreiterrolle einnehmen könnte. „Das Potenzial ist jedenfalls da.“ Jedoch müssten die Kosten und das Personal für das Programm einkalkuliert werden.

„Das Thema Sicherheit brennt auf den Nägeln“

Die SKSS-Mitglieder schienen zumindest auf den ersten Blick dem Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ nicht abgeneigt. Und auch Oberbürgermeister Roland Tralmer betonte in der Sitzung: „Das Thema Sicherheit brennt auf den Nägeln.“

Er berichtete von Schulklassen, die ihm ebenfalls rückmelden, dass sie sich teils im öffentlichen Albstädter Raum nicht sicher fühlen. Der OB hat bereits angekündigt, dass Maßnahmen für ein verbessertes Sicherheitsgefühl, insbesondere in der Ebinger Innenstadt, geplant sind.