Die Bezirksliga-Saison 2020/2021 war für die Handballer der SG Hirsau/Calw/Bad Liebenzell (weiße Trikots) schon so gut wie beendet, ehe sie erst richtig angefangen hatte. Foto: Stark

Die Handball-Saison ist abgebrochen. Die Vertreter der Vereine haben Verständnis.

Auch wenn die Fallzahlen noch hoch sind und das wirkliche Ausmaß der Corona-Pandemie noch schwer abschätzbar ist, insgeheim hatten die Handballer dennoch gehofft, ihre Spielrunde einigermaßen ordentlich abschließen zu können

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Inzwischen steht fest, dass die Saison 2020/2021, die im September begonnen hat und Ende Oktober unterbrochen wurde, nicht fortgesetzt wird.

Angesichts der aktuellen Lage zeigen die Vertreter der Handballvereine aus dem Kreis Verständnis für die Komplettabsage.

Für Christian Lenz vom TSV Altensteig ist die Entscheidung absolut vertretbar, denn irgendwann mache es einfach keinen Sinn mehr, die Saison fortzusetzen. Er geht davon aus, dass es sportlich für die Vereine weder Vor- noch Nachteile gibt, wenn die Runde annulliert wird.

Spielern fehlt ein Jahr Spielpraxis

Schlimm ist es für den Abteilungschef der Altensteiger Handballabteilung aber, dass vielen jungen Spielern jetzt praktisch ein Jahr Spielpraxis – und damit auch Entwicklungsmöglichkeiten fehlen. Das tut ihm für die Spieler weh, doch zugleich ist Christian Lenz froh, dass Stand jetzt alle Spieler zur Stange halten. Mit Blick auf den geplanten S-Cup hofft er, dass das Turnier gespielt werden kann. Doch mache es aus finanzieller Sicht nur mit Zuschauern Sinn, hochkarätigen Handball zu präsentieren.

Achim Albrecht vom TSV Altensteig findet es ebenfalls richtig, dass die Runde unter diesen Vorzeichen abgebrochen wurde – auch wenn es sportlich für die Vereine ein Trauerspiel ist. Er wäre auf jeden Fall gegen eine Fortführung mit nur einer Hinrunde gewesen, denn das hätte nach seiner Meinung zu Wettbewerbsverzerrungen geführt. F­ür den früheren Abteilungsleiter ist es klar, dass die Vereine nun schauen müssen, den Laden zusammenzuhalten, nachdem praktisch alle Einnahmen weggebrochen sind. So müssten die Vereine froh sein, wenn die Mitglieder und Sponsoren auch in dieser prekären Situation Rückendeckung geben.

Auch für den Nagolder Trainer Veljko Saula ist die Absage der Saison die beste Lösung, zumal bei einer Fortsetzung ohne ausreichende Vorbereitung das Verletzungsrisiko zu groß gewesen wäre. Seine Spieler halten sich zwar seit Monaten mit Lauftraining fit, was der Trainer per App überwachen kann – aber ein Training mit Ball kann eben nicht stattfinden. Klar findet er es für die erste Mannschaft des VfL Nagold schade, zumal sich sein Team in der Bezirksliga auf einem guten Weg befand. Doch immerhin sei es gut, dass man alles ohne Auf- und Absteiger auf Null setzt.

"Ich habe inzwischen gehofft, dass es so kommt"

Beim TSV Neuhengstett ist Spielleiterin Marion Pross sogar froh über den Saisonabbruch. "Ich habe inzwischen gehofft, dass es so kommt", sagt sie. Nach einer so langen Spielpause und ohne Training sei die Verletzungsgefahr viel zu hoch, um schnell wieder in den Spielbetrieb einzusteigen. Und für eine angemessene Vorbereitungs- und Trainingsphase sei keine Zeit mehr gewesen. Die Frauenmannschaft des TSV beispielsweise hatte in der Bezirksliga im Herbst noch nicht ein Spiel absolviert, als die Runde unterbrochen wurde. Selbst bei nur einer Halbrunde, wären die verfügbaren Spieltage so knapp geworden. "Da hätten wir auch im Sommer noch spielen müssen", sagt Marion Pross. Besonders Leid tut es ihr, die auch noch Jugendbetreuerin beim TSV ist, eben für die Jugend. "Da geht besonders viel sozialer Kontakt verloren", sagt sie und hofft, dass nach gut einem Jahr Pause für die Kinder und Jugendlichen der Schwund nicht allzu groß werden wird. "Nicht nur im Handball – sondern in allen Sportarten", sagt die Jugendleiterin. "Ich hoffe einfach, dass mit dem besseren Wetter und den Impfungen die Infektionszahlen bald zurückgehen und es dann auch wieder mit dem Sport losgeht."

Ins gleiche Horn bläst auch Carolin Winkler, Jugendleiterin bei der SG Hirsau/Calw/Bad Liebenzell. Sie kümmert sich organisatorisch in dieser Saison um sechs Nachwuchsmannschaften.

"Wir hoffen natürlich, dass die Mädchen und Jungen nach der Pandemie auch wiederkommen", sieht sie schon eine gewisse Gefahr. Dass deshalb Nachwuchsmannschaften deshalb wegbrechen, glaubt sie, was ihren Verein angeht, allerdings nicht, zumal die einzelnen Teams von der Kadergröße gut aufgestellt sind.

Motivation sinkt

Dass den Kindern und Jugendlichen gleich ein ganzes Jahr in der sportlichen Entwicklung sieht sie als größeres Problem: "Um die älteren Jugendlichen mache ich mir weniger Sorgen. Besonders bitter ist es für die Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. Da entscheidet sich vieles."

"Wenn wir wieder in die Halle dürfen, geht’s sofort wieder los mit dem Training", sagt Carolin Winkler. Dabei denkt sich nicht nur an die zahlreichen Mädchen und Jungen, auch die Jugendtrainerinnen und Jugendtrainer freuen sich auf ihren ganz normalen Handball-Alltag.

Stefan Metzler, Trainer der Bezirksliga-Mannschaft der SG Hirsau/Calw/Bad Liebenzell hat den Kontakt zu seinen Spielern längere Zeit aufrechterhalten. "Die Spieler haben sich individuell fit gehalten. Die hatten ihre Trainingspläne, jeder für sich, eben im Rahmen der Möglichkeiten. Die sind alle heiß auf Handball. Nachdem klar war, dass wir nicht mehr spielen werden, ist die Motivation deutlich gesunken", so der SG-Coach weiter.

Verbandsspiele hin oder her, klar ist für Stefan Metzler, dass er sofort wieder ins regelmäßige Training einsteigen wird, wenn es möglich ist. "Die Spieler freuen sich doch alle, wenn sie endlich wieder Handball spielen dürfen und sich wieder sehen – nicht nur am Computer."

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