Die Generation 50 plus ist schwer im Kommen. Foto: dpa

Im Juni startet die Stadt Stuttgart eine Umfrage mit 6900 zufällig ausgewählten Personen.

Stuttgart - Die Zahl älterer Menschen steigt, doch die Stadt ist nicht darauf vorbereitet. Eine Umfrage unter Einwohnern ab 50 Jahren soll klären, wie sie leben, was sie sich fürs Alter vorstellen und welche finanzielle und gesundheitliche Vorsorge die Verwaltung treffen muss.

Die Generation 50 plus ist schwer im Kommen. Den Prognosen nach nimmt die Zahl der 50- bis 65-Jährigen, der 75- bis unter 85-Jährigen und der über 85-Jährigen bis zum Jahr 2025 deutlich zu. Unter 50-Jährige werden in der Landeshauptstadt hingegen weniger zahlreich vertreten sein. Doch wie wollen Menschen im mittleren und hohen Alter leben?

Hohe Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe 50 plus

Die Stadträte gaben der Sozialverwaltung im vergangenen Herbst den Auftrag, sich bei der Planung nicht an Defiziten älterer Leute zu orientieren, sondern die Bürger daran mitwirken zu lassen. Damit man zu einem ersten Konzept kommt, sollen nun 6900 Einwohner, die in privatem Wohnraum leben und ihren Hauptwohnsitz in Stuttgart haben, über ihre Lebensverhältnisse und Lebenseinstellungen befragt werden. Voraussetzung: Sie müssen 50 Jahre alt sein.

„Wir haben 50 als untere Grenze gewählt, weil in dieser Altersgruppe die Arbeitslosigkeit hoch ist“, erläuterte Sozialplanerin Gabriele Reichhardt am Montag im Sozialausschuss des Gemeinderats. Die Folge der Arbeitslosigkeit könnte in ferner Zukunft Altersarmut sein, worauf die Sozialverwaltung reagieren müsste.

Die nach dem Zufallsprinzip Auserwählten können vom 18. Juni an mit Post rechnen. Im Umschlag stecken zwölf Seiten – ein Anschreiben des Amts für Statistik, eine Anweisung zum Ausfüllen sowie 68 Fragen. Für Statistisches Amt, Sozialamt und Gesundheitsamt ist beispielsweise von Interesse, ob die Stuttgarter ebenerdig oder in einem Haus an einem Stäffele leben. Ob sie im Falle einer Pflegebedürftigkeit in ihrer Wohnung bleiben oder wegziehen wollen. Daraus ließe sich der künftige Bedarf an altersgerechten Wohnungen ableiten.

„Gesundheitsfragen werden immer als sehr persönlich empfunden“

Wesentlich persönlicher wird der Fragebogen dort, wo es um die gesundheitliche Konstitution geht: Krankheitstage, Behinderungen, das Rauchverhalten und der Medikamentengebrauch werden abgefragt, aber auch, ob überhaupt eine Krankenversicherung existiert. Die Stadträte zweifeln daran, ob hier mit ernstzunehmenden Antworten zu rechnen ist. „Gesundheitsfragen werden immer als sehr persönlich empfunden“, sagte Jodok Erb vom Gesundheitsamt, „trotzdem haben bei der Bürgerumfrage 2011 nur drei bis fünf Prozent auf die Frage nach ihrem Alkoholkonsum nicht geantwortet.“

Der Stadtseniorenrat, dem der Fragebogen vorab zur Begutachtung vorgelegt wurde, übte Kritik an dessen Länge und einzelnen Formulierungen: „Die eignen sich gut für Interviewer, aber weniger zum Selbstausfüllen“, meint Renate Krausnick-Horst. Auch erübrige sich die Frage, ob „Älterwerden bedeutet, dass meine unangenehmen Eigenschaften stärker hervortreten – die unangenehmen Eigenschaften haben nämlich immer die anderen“.

Ergebnisse der Umfrage sollen beispielhaft in zwei lokalen Konferenzen diskutiert werden

Die Sorge des Gremiums, dass der 35.000 Euro teure Alterssurvey womöglich nur geringen Rücklauf haben könnte, zerstreute die Verwaltung: Die Bürgerumfrage habe einen Rücklauf von 50 Prozent gehabt, die der Umfragen im Zwei-Jahres-Rhythmus immer zwischen 40 und 50 Prozent.

Die Ergebnisse der Umfrage sollen beispielhaft in zwei lokalen Konferenzen diskutiert werden – in Ostheim und im Asemwald. „Ostheim erfasst alle Altersgruppen mit teils hohem Anteil Bedürftiger“, erläuterte Gabriele Reichhardt, im Asemwald seien die Verhältnisse entgegengesetzt, dort lebten hingegen Wohlhabendere mit hohem Durchschnittsalter.

Das überzeugte die Stadträte nicht. Sowohl Renate Krausnick-Horst vom Stadtseniorenrat als auch die Stadträte der SPD und der FDP halten nichts davon, die Konferenz im Asemwald abzuhalten – „das ist eine Insel, die nicht vergleichbar ist mit anderen Wohngebieten“, sagte Maria Hackl. Da könne man die Konferenz gleich in Sillenbuch machen, das sei auch eine Insel, aber größer. Das Plenum schlägt deshalb vor, die Konferenz in Plieningen oder Degerloch abzuhalten, „das beeinflusst unseren Zeitplan nicht“, sicherte Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer zu. Demnach ist mit Ergebnissen im Jahr 2013 zu rechnen.

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