Auch, wenn die Talsohle überschritten scheint, ist die Situation in der Ortenauer regionalen Wirtschaft angespannt. Das sind laut IHK die Gründe dafür.
Ein Bundeskanzler, der sich als Anwalt für die Wirtschaft sieht, viele Wahlversprechen und ein angekündigter Herbst der Reformen: Man könnte meinen, dass die hiesige Wirtschaft die Signale aus der Bundespolitik positiv bewertet. Dass das jedoch nicht so ist, daraus machte Alwin Wagner am Dienstagvormittag keinen Hehl.
Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein stellte die neuen Zahlen aus der Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn vor. Es gebe „viel zu viel Diskussionen und zu wenig Aktionen“, sagte Wagner mit Blick auf die Bundespolitik. Vor allem die Themen Bürokratie und Regulierung machten den Unternehmen aus der Region zu schaffen.
Wie das in der Praxis, also in den Unternehmen, aussieht, erklärte Ralf Brotte, Geschäftsführer des Messebauers Externe Messeabteilung in Denzlingen. Sein Job sei es eigentlich, die Strategie für die kommenden Jahre zu erarbeiten. Aber: „Ich habe die Zeit dafür gar nicht“, sagte der Firmenchef mit Blick auf Vorgaben und Bürokratie.
Die Zahlen sind besser als zuletzt – aber dennoch gibt’s Grund zur Sorge
Indes: Die Zahlen, die IHK-Experte Wagner am Dienstag vorstellte, zeigen zumindest eine leichte Entspannung. „Wir hoffen, dass wir die Talsohle überschritten haben“, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer. Das Jahr 2026 habe demnach mit einer konjunkturellen Belebung begonnen. Über alle Branchen hinweg bewerten die Unternehmen am Oberrhein die Geschäftslage besser als im Herbst 2025.
In der Ortenau jedoch ist die Lage schlechter als in den südlichen Bezirken der IHK. 26,8 Prozent der Ortenauer Unternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage gut, im Südbezirk sind es 32,1 Prozent. Ein Grund für den größeren Pessimismus im Nordbezirk: Der deutlich größere Anteil an Industrie. Wagner nannte vor allem die Probleme in der Automobilindustrie, die auch die Zulieferer betreffe, als Grund für die pessimistischere Stimmung in der Ortenau.
Zoll-Androhungen sorgen für Anspannungen
Der Blick nach vorne – also auf die Geschäftserwartung – ist dagegen im gesamten Bereich der Kammer verhalten. 13 Prozent im Nordbezirk (Ortenau) und 15 Prozent im Südbezirk (alle weiteren Kreise) erwarten eine Verbesserung, 22,2 beziehungsweise 21 Prozent (Südbezirk) eine Verschlechterung.
Geopolitische Spannungen sind ein Risikofaktor geworden
Das liegt auch an zahlreichen Risikofaktoren, die die IHK regelmäßig abfragt. Eine relativ neue Antwortmöglichkeit: Geopolitische Spannungen. Waren es im Sommer 2023 noch 19 Prozent, die darin ein Risiko sehen, sind es mittlerweile 39 Prozent. Vor allem betroffen: Die Industrie, für die langfristiges Wirtschaften mit Blick auf immer neue Zoll-Androhungen zunehmend schwierig wird. „Das hat direkten Impact und ist mittlerweile ein echter Risikofaktor“, sagte Wagner zu den Entwicklungen in der Welt.
Als größtes Risiko nehmen derweil die Unternehmen den Inlandsabsatz wahr. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen macht dort ihr Kreuzchen, gefolgt von den Arbeitskosten und dem Fachkräftemangel, der in den vergangenen Jahren bei den IHK-Umfragen jedoch noch deutlich präsenter war. Andere Risikofaktoren wie die geopolitischen Spannungen oder auch Finanzierungen wurden bei der aktuellen Umfrage häufiger angekreuzt als 2025.
Generell hofft man daher bei der IHK und den Mitgliedsunternehmen auf schnelle politische Lösungen. Denn: „Die Welt wartet nicht auf Deutschland und Europa.“