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Umfrage BaWüCheck Lehrermangel größeres Problem als Hygiene

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Ein Schüler arbeitet in einer Unterrichtsstunde mit einem Tablet. Foto: Deck

Allensbach - BaWüCheck zeigt: Unterrichtsausfall und schlechte Digitaltechnik - gerade in der Corona-Pandemie haben die meisten Bürger dafür kein Verständnis

Der oft beschworene Digitalisierungsschub durch Corona hat die Schulen in Baden-Württemberg bisher nur begrenzt erreicht: Zwei Drittel der Eltern haben den Eindruck, dass sich die Ausstattung der Schulen mit Computern und anderen digitalen Medien in den vergangenen Monaten nicht verbessert hat. Das ist das Ergebnis des BaWüChecks, einer Umfrage im Auftrag der Tageszeitungen in Baden-Württemberg, die vom Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf das Bildungssystem durchgeführt wurde.

Die Krise hat den Eltern nach Einschätzung der Allensbacher Demoskopen auch bewusst gemacht, dass Lehrer im Allgemeinen für den digitalen Unterricht nicht ausreichend ausgebildet und geschult sind. Lediglich 10  Prozent der Bevölkerung halten die Ausbildung der Lehrer in diesem Bereich für ausreichend, von den Eltern sind es 18 Prozent. 68 Prozent der Eltern bezweifeln laut der Umfrage unter mehr als 1000 Personen ausdrücklich, dass Lehrer für den digitalen Unterricht hinreichend ausgebildet und geschult sind.

Eltern fürchten Schulschließungen

Mit den Schulschließungen im Frühjahr haben die baden-württembergischen Väter und Mütter praktische Erfahrungen mit dem Homeschooling ihrer Kinder gemacht. Ein Problem war dabei offensichtlich die schlechte digitale Ausstattung der Schulen. Während die Eltern ihre eigenen Haushalte überwiegend gut mit Computern ausgestattet sehen, beobachten sie große Defizite bei den Schulen: 37 Prozent bewerten die Ausstattung der Schule der eigenen Kinder als eher schlecht, 21 Prozent als sehr schlecht.

Die stark ansteigenden Corona-Zahlen sorgen für große Unruhe im Land. Zwei Drittel der Eltern machen sich große oder sogar sehr große Sorgen, dass ihre Kinder kurzfristig nicht mehr zur Schule oder in die Betreuungseinrichtungen gehen können.

Zustimmung zum Kurs der Bundesregierung

Für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung in Baden-Württemberg hat eine verlässliche Betreuung der Kinder eine außerordentlich große Bedeutung: 92 Prozent der Eltern ist es wichtig oder sehr wichtig, dass auch in Krisenzeiten ein verlässlicher Schulunterricht und eine verlässliche Betreuung von Kindern gewährleistet ist.

Die pandemiebedingte Schulschließung im Frühjahr war schon lange vorbei, als der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel – selbst ein ausgebildeter Lehrer – in einem "Zeit"-Interview die Hoffnung formulierte, dass die Wertschätzung für die Lei­stungen der Schulen im Alltag durch den Shutdown vielleicht sogar steigen könnte. Fasst man zusammen, was das Institut für Demoskopie Allensbach beim BaWüCheck zur Bildungspolitik jetzt von den Bürgern im Südwesten erfahren hat, erweist Gabriels Hoffnung sich aber als frommer Wunsch. Stattdessen verschärft der Ausnahmezustand, in den Schüler, Lehrer und Eltern durch die Schulschließungen und den Wechsel zwischen Fern- und Präsenzunterricht geraten sind, offenkundig den kritischen Blick auf lange bekannte und in der Pandemie besonders spürbare Defizite in den Schulen – und auf die Schulpolitik.

Wie fällt der Zeugnistag für die Politik aus?

Meinungsforscher sind Zahlenmenschen, ihr Stilmittel ist Nüchternheit. Dass ihre Zahlen ein kleines Wunder in der Kontinuität demoskopischer Entwicklungen durch die Zeitläufte abbilden, würde ihnen als Formulierung niemals aus der Feder fließen. Aber das Staunen darüber, dass die Pandemie den Regierenden ein Dauerhoch beschert, verhehlen die Meinungsforscher um die IfD-Chefin Renate Köcher nicht. "Seit März findet der Kurs der Bundesregierung konstant eine Zustimmung, die in ihrem Ausmaß und in ihrer Konstanz völlig ungewöhnlich ist", lautet die Analyse des Instituts.

Das ist umso bemerkenswerter, als fast ein Drittel der Bürger im Südwesten (32 Prozent) nach wie vor sehr besorgt ist, sich persönlich mit dem Virus anzustecken; lediglich ein Viertel der Befragten ist nur kaum oder gar nicht besorgt. Dennoch loben 70  Prozent das Krisenmanagement der schwarz-roten Bundesregierung als gut oder sehr gut.

Auch die grün-schwarze Landesregierung in Stuttgart steht in der Wertschätzung der Bürger gut da: 60 Prozent attestieren ihr gute oder sehr gute Arbeit während der Corona-Krise. Allerdings wird die Bilanz für die Mannschaft um Mini­sterpräsident Winfried Kretsch­mann (Grüne) empfindlich getrübt durch schlechte Noten in der Schulpolitik – einem der zentralen Handlungsfelder der Landespolitik. Nur 34 Prozent der Befragten finden, dass in der Viruskrise schulpolitisch gute oder sehr gute Arbeit geleistet wurde. 57 Prozent widersprechen und bewerten die Schulpolitik negativ.

Welche Schulprobleme fallen in der Pandemie besonders ins Gewicht?

Dass die Schulen insgesamt gut mit der Corona-Problematik klarkommen, glauben nur 20 Prozent der Umfrageteilnehmer und 22 Prozent der befragten Eltern. Das Krisenmanagement kommt vor allem wegen der unbefriedigenden Personalversorgung schlecht weg. Der Lehrermangel im Südwesten ist zwar lange bekannt, aber 45 Prozent der Eltern haben den Eindruck, dass er sich seit Beginn der Pandemie gravierend verschärft hat. Ein Drittel macht die Erfahrung, dass sich viele Lehrer aus Sorge vor Gesundheitsrisiken vom Unterricht haben befreien lassen.

Das löst mehr Sorgen aus als unzureichende Hygienekonzepte. Immerhin fast die Hälfte (47 Prozent) der Eltern bescheinigt der Schule ihrer Kinder, ausreichende Schutzkonzepte umgesetzt zu haben. 39 Prozent finden, da müsste mehr getan werden. Nur 18 Prozent der befragten Bürger und ein Viertel der befragten Eltern finden etwa, dass die Einhaltung der Maskenpflicht an den Schulen ausreichend kontrolliert wird.

Gibt es überraschende Unterschiede in der Bewertung?

Während Eltern und Gesamtbevölkerung in den Urteilen über Schule nah beieinander liegen, hat der BaWü-Check deutliche Unterschiede zwischen Müttern und Vätern zu Tage gefördert. Während 54  Prozent der Mütter die Hygienevorkehrungen für ausreichend halten, tun das nur 41 Prozent der Väter. 34 Prozent der Mütter finden, da müsste mehr getan werden – unter den Vätern sind es 44  Prozent.

Dass es wegen Corona vermehrt Probleme an den Schulen gab und gibt und dass dies auch die Bewertung der Schulpolitik belastet, ist ein Phänomen, dass die Meinungsforscher des IfD nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch in andern Bundesländern beobachtet haben. Strikt vergleichbare Untersuchungen gibt es aber nicht. Deshalb ist die Frage, ob die 24-Punkte-Differenz bei der Zufriedenheit mit der Landespolitik und der Schulpolitik in Baden-Württemberg eher normal oder eher außergewöhnlich ist, aus den jetzt vorliegenden Daten nicht zu beantworten.

Welche Noten bekommt Kultusministerin Susanne Eisenmann?

Die Kritik am Schulleben während der Pandemie prägt auch das Urteil über Baden-Württembergs Kultusministerin und CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann. Sie bekommt ausgesprochen schlechte Zensuren. Zu einer guten Meinung über die 55-jährige­ Christdemokratin, die Winfried Kretschmann als Ministerpräsident bei der nächsten Landtagswahl ablösen will, bekannten sich bei dieser Umfrage lediglich zehn Prozent der Befragten insgesamt und 14 Prozent der befragten Eltern. Keine gute Meinung haben 39 Prozent der Eltern und 30 Prozent der befragten Bürger.

Nach vier Jahren als Kultusministerin im Südwesten und elf Jahren als Schulbürgermeisterin in der Landeshauptstadt Stuttgart ist Eisenmann für die Mehrheit der Baden-Württemberger immer noch ein kaum beschriebenes oder ganz unbeschriebenes Blatt: Einem Drittel der Bürger ist die CDU-Frau mit dem Willen zur Macht noch völlig unbekannt. Weitere 28 Prozent der Befragten, kennen sie bisher so wenig, dass sie sich kein Urteil über sie zutrauen. 23 Prozent der befragten Eltern kennen sie noch nicht, 24  Prozent haben keine Meinung über sie.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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