Rund 100 Lahrer kamen ins Forum-Kino, um zu erfahren,wie ein „Dritter Ort“ in Lahr aussehen könnte. Foto: Blessing

Die Mediathek soll mit einem neuen Konzept in umgenutzte Räume in der Sparkasse ein neues Zuhause finden. In einer Online-Umfrage wollte die Stadt wissen, was dieser Ort bieten soll. Nun wurden die Ergebnisse und Visionen vorgestellt.

In den Räumen der Sparkasse in der Schillerstraße soll ein „Dritter Ort“ entstehen. Dieser soll ein Art „Wohnzimmer für alle“, ein „Zuhause weg von Zuhause“ darstellen. Um die Bürger mit ins Boot der Planungen zu holen, hat sich die Stadt an den Architekt Aat Vos, der als Spezialist für „Dritte Orte“ gilt, gewandt. Etwa 100 Interessierte kamen am Dienstagabend in das Lahrer Forum-Kino gekommen, um der Vorstellung der Umfrageergebnisse und den Ideen von Aat Vos zu folgen. Der niederländische Architekt hat bereits viele solcher Projekte umgesetzt und nun in Lahr erklärt, was diese „Dritten Orte“ ausmacht.

 

Das Konzept: Der „Dritte Ort“ soll ein Ort der Begegnung sein und für die Lahrer ein niederschwelliges Angebot darstellen. „Im Gegensatz zu Cafés und Bars gibt es dort keinen Konsumzwang“, erklärt Aat Vos. Außerdem soll es neben der Ausleihe von Büchern noch andere Angebote geben. Vorstellbar seien beispielsweise auch eine offene Bühne, Computerarbeitsplätze oder Spielecken für Kinder. Dafür hatte der Niederländer Beispiele aus Oslo, Amsterdam oder Köln mitgebracht, wo solche Konzepte bereits umgesetzt wurden und von den Besuchern mit Leben gefüllt werden.

Die Wünsche: Die Online-Umfrage hat ergeben, dass sich die Lahrer Barrierefreiheit und lange Öffnungszeiten für die neue Mediathek wünschen. Neben ausreichend W-Lan und Steckdosen solle es zudem kostenlose Parkplätze geben. Auch Toiletten und ein Außenbereich, der das ganze Jahr zugänglich ist, steht auf dem Wunschzettel der Lahrer.

Die Optik: Insgesamt wünschen sich die Teilnehmer der Umfrage eine gemütliche, heimelige Atmosphäre. Neben großen Fenstern, durch die man die Aussicht genießen kann, solle es auch bequeme Sitzgelegenheiten und spielerische Elemente geben, die zum Verweilen einladen. Außerdem Plätze, an denen in Ruhe gelesen werden kann. Bei der Gestaltung solle auf natürliche Materialien geachtet werden.

Die Skepsis: Unter den Zuhörern gab es – neben viel Lob für die Präsentation und die Beispiele – auch skeptische Aussagen. So äußerte ein Gast seine Bedenken, dass dieser neue Ort in der Sparkasse ja nur für die Menschen in der Innenstadt da sei und es bei den Menschen aus den Ortsteilen an der Anreise scheitern würde. Eine andere Zuhörerin sah darin weniger ein Problem: „Ich sehe es eher so, dass man vorbeikommt, wenn man eh was in der Stadt erledigen muss.“ Dabei würden dann die längeren Öffnungszeiten helfen. Auch mit dem offenen Konzept und den langen Öffnungszeiten tat sich eine Frau aus dem Publikum schwer. Ihr fehle der Glaube, wie dies in Deutschland umgesetzt werden könne. Das das Konzept klappt, liege alleine an den Menschen. „Das klappt vor allem über Eigentum“, erklärte Vos. Man müsse den Menschen deutlich machen, dass es ihr Ort sei und sie ihn auch selbst gestalten könnten. Auch Kulturamtsleiter Tobias Meinen ist von dem Konzept überzeugt. „Wir haben uns eine Stadtteilbibliothek in Würzburg angeschaut. Das Modell dort zeigt, das sowas auf jeden Fall in Deutschland möglich ist.“

Der Name: Eine Besucherin tat sich mit dem Namen „Dritter Ort“ schwer. Für sie sei das eher ein Name für ein Altersheim. Vos versicherte ihr, dass es sich dabei lediglich um einen Arbeitstitel handele. Der „Dritte Ort“ in Lahr bekomme einen eigenen, passenden Namen, wenn es so weit ist.

Die Umsetzung: Nun liegt der Spielball wieder bei der Verwaltung, die Wünsche und Vorstellungen der Lahrer in ein Konzept für den möglichen „Dritten Ort“ umzusetzen. Anschließend wird sich der Gemeinderat mit dem Projekt befassen.

Das Beispiel in Würzburg

Auch in Deutschland gibt es gelungene Beispiele für moderne Stadtbibliotheken. Die Stadtteilbücherei Hubland in Würzburg ist von 7 bis 21 Uhr geöffnet, Personal ist aber nur von 13 bis 18 Uhr vor Ort. Außerdem finden Besucher dort eine offene Küche, Arbeits- und Spielbereiche und verschiedene Sitzgelegenheiten, die zum Plaudern und Verweilen einladen.