Die Spritpreise sind durch den Krieg im Nahen Osten rapide gestiegen. Wie reagieren Bürger auf die hohen Preise? Unsere Redaktion hat sich an den Tankstellen in Freudenstadt umgehört.
Der Krieg im Nahen Osten ist auch in Freudenstadt spürbar. Besonders an der Zapfsäule macht sich der Konflikt bemerkbar. Die Spritpreise sind in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen.
Eine SWR-Datenanalyse aller Kraftstoffpreise der rund 15 000 deutschen Tankstellen am Freitag, 6. März, um 9 Uhr zeigt: Im bundesweiten Durchschnitt kostet ein Liter Super-Benzin derzeit 1,99 Euro. Der mittlere Preis für E10 liegt bei 1,94 Euro pro Liter, beim Diesel sind es 2,04 Euro.
Trotz der hohen Preise steht der Betrieb an den Tankstellen in Freudenstadt nicht still. Doch wie gehen die Menschen mit den gestiegenen Preisen um? Tanken sie nun anders als vor dem Krieg? Und versuchen sie, Sprit einzusparen? Unsere Redaktion hat sich an den Tankstellen in Freudenstadt umgehört.
Auf das Auto angewiesen
An der Shell-Tankstelle in der Stuttgarter Straße etwa steht Sandra Katheder an der Zapfsäule. Sie tankt einmal pro Woche für rund 20 Euro, da sie auf ihr Auto angewiesen ist. Schon Preise von 1,78 Euro pro Liter hätten sie geärgert, „aber über zwei Euro sind schon heftig“. „Die Spritpreise sind hoch, auch die Lebensmittelpreise sind gestiegen – nur die Löhne nicht“, sagt sie.
An der Avia-Tankstelle zeigen sich ähnliche Stimmen. „Man schaut schon besorgt in die Zukunft“, meint Beate Haas. Sie fährt täglich nach Böblingen zur Arbeit. Zwar gebe es Möglichkeiten, Sprit zu sparen – etwa durch Fahrgemeinschaften oder öffentliche Verkehrsmittel – aber hier, im ländlichen Raum sei man auf das Auto angewiesen.
Verschiedene Strategien an der Zapfsäule
Auch Juri Wagner braucht sein Auto für den Weg zur Arbeit. Zwar versuche er nicht unnötig herumzufahren, aber „was sein muss, muss sein“. Das findet auch Mike Donut: „Wenn man Hunger hat, muss man essen. Wenn man tanken muss, muss man tanken.“ Er tanke weiterhin wie noch vor dem Krieg.
Sandro Haug hingegen versucht zu sparen, wo es geht: „Nur das nötigste tanken – bloß nicht voll machen“, erklärt er. Die Situation sei „natürlich eine ärgerliche Geschichte“. Man könne nur hoffen, dass sich in kürzerer Zeit etwas ändert. Dass sich die Preise bald deutlich entspannen, glaubt er allerdings nicht.
Laura Schmidt tankt ihr Auto an der Supermarkt-Tankstelle hingegen wie gehabt voll. Das sei dann zwar einmal teuer, dafür müsse sie jedoch nicht jede Woche tanken gehen. Für sie gehe es derzeit jedoch „nur noch ins Geschäft, sonst geht’s nirgends mehr hin“. Gerade hat sie 44 Liter für 91 Euro getankt.
„Das ist Marktabzocke“
Die Umfrage zeigt: Viele Autofahrer versuchen zwar, ihr Verhalten leicht anzupassen oder Fahrten zu reduzieren, doch für die meisten bleibt das Auto im ländlichen Raum unverzichtbar. Manche üben jedoch auch scharfe Kritik an Politik und Markt, so etwa Tillmann Bay.
Für ihn ist der Preisanstieg vor allem eine Frage des Marktes. In seinen Augen versuchten die Ölkonzerne, die aktuelle politische Lage für ihren Vorteil zu nutzen, um sich zu bereichern. Schließlich sei das Benzin, das jetzt verkauft werde, noch nicht zu den aktuellen hohen Preisen eingekauft worden. „Das ist Marktabzocke.“
Auch Haas wundere es, dass die Preise direkt an die Kunden weitergegeben werden. Sie wünsche sich daher mehr Regulation vonseiten des Staates, gibt jedoch auch zu bedenken: Im Vergleich zu den Menschen, die vor Ort vom Krieg betroffen sind, „können wir immer noch glücklich und zufrieden sein“.